Dettingen Visionen für die Zukunft entwickeln

Kai Münzing ist zuversichtlich, dass der Strukturwandel in der Kirche mit Hilfe des Projektes „Kirche 2024 plus“ gelingt.
Kai Münzing ist zuversichtlich, dass der Strukturwandel in der Kirche mit Hilfe des Projektes „Kirche 2024 plus“ gelingt. © Foto: Thomas Kiehl
Von Anja Weiß 24.07.2018

Die Kirchen stehen unter Druck: Der demografische Wandel, Kirchenaustritte, vakante Pfarrstellen, Sparzwänge, aber auch eine Welt, die immer digitaler wird, stellt sie vor große Herausforderungen.  Darum hat die 15. Landessynode im Herbst 2017 beschlossen, das Projekt „2024 Plus“ anzugehen. Dabei sollen die kirchlichen Strukturen analysiert und neue Wege eröffnet werden. Klar ist, dass die Kirchen sparen müssen, weshalb der Wandel oft vorrangig unter dem Aspekt des Sparens und der Einschnitte betrachtet wird. Etwas, das Kai Münzing, Kirchenpfleger und Synodaler, bedauert. Denn für ihn eröffnen sich durch diesen Prozess auch neue Möglichkeiten. „Wir können  dadurch auch Visionen formulieren, wie kirchliches Leben auch in Zukunft möglich ist.“ Denn manchmal entstehen erst durch Druck neue Möglichkeiten, so seine Hoffnung.

Neues Rollenverständnis

Diese neuen Wege werden viele Kirchengemeinden brauchen, denn in einigen ist schon jetzt kein Pfarrer mehr vor Ort, auf andere wird dies in den nächsten Jahren irgendwann zukommen. Für viele sei der Pfarrer eine Identifikationsfigur, weiß Münzing, allerdings müsse man hier zu einem anderen Rollenverständnis kommen. Denn  mehr Pfarrer seien nicht greifbar, schon jetzt sind viele Pfarrstellen lange Zeit vakant, andere  werden gestrichen. Da wäre es zum Beispiel eine Möglichkeit, die Aufgaben neu zu verteilen. Etwa, indem die Verwaltung einiges mit übernimmt oder das Ehrenamt gestärkt wird.  Das Ziel sei, die kirchliche Arbeit und Inhalte weiter zu erhalten. Dafür müssen die Rahmenbedingungen angepasst werden, „wir brauchen zukunftsfähige Strukturen“. Heute sind die Mittel dafür noch da, denn dank einer guten Wirtschaftslage sind die Steuereinnahmen gut. Doch das wird sich ändern, rund 30 000 Mitgliedsrückgänge pro Jahr hat die Landeskirche zu verzeichnen. Auch der demografische Faktor sorgt für weniger Einnahmen, weil Rentner keine Kirchensteuer bezahlen. Und es kommen immer weniger Junge nach.

Darum müsse man nun ein besonderes Augenmerk darauf legen,  damit es nicht zu einem Substanzverlust kommt. Die Kirche muss nach wie vor für die Menschen da und präsent sein, ihren ureigenen Aufgaben nachkommen. Das bedeutet, dass die Kirche in Beziehung zu den Menschen tritt, etwa in der Seelsorge, der Pflege, aber auch im Kontakt mit den Kleinen. Sie hat nach wie vor einen wichtigen diakonischen, aber auch geistlichen Stellenwert. „Wir müssen unsere Stärken ausbauen“, fordert Münzing, für die Menschen da sein, wenn sie in Not sind oder Antworten suchen. Und natürlich muss sie sich auch positionieren und Stellung beziehen.

Strukturanalyse wird erstellt

Derzeit ist eine Beratungsfirma dabei, eine Strukturanalyse zu erstellen, in der es eben um diesen Wandel und mögliche Antworten darauf geht. Sie befasst sich mit Zuständigkeiten und Arbeitsabläufen,  begleitend gibt es Podiumsdiskussionen und man kann an einer Onlineumfrage teilnehmen. Diskutiert werden dabei Fragen, wie die, wer die Macht in der Kirche hat, aber auch, welche Folgen eine digitalisierte  Welt hat. „Bleibt die Kirche im Dorf oder geht ins Netz?“ war zum Beispiel der Titel einer   Veranstaltung.

Kai Münzing ist zuversichtlich, dass Wege gefunden werden. „Alle sind gesprächsbereit, die Diskussionen sind lebendig,“ berichtet er.  Auch wenn keiner so tue, als sei alles im grünen Bereich. Es sei allen klar, dass man nun handeln muss. „Die Kirche hat 20 000 Jahre überlebt, und das wird sie auch weiterhin. Die Frage ist eben, in welcher Form.“  Diesen Wandel will die evangelische Landeskirche aktiv mitgestalten. Dazu gehört auch, das Ehrenamt zu stärken und die Pfarrer von zusätzlichen Aufgaben zu entlasten. Denn man muss attraktiv bleiben, um Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer zu finden, die sich für ihre Kirche einsetzen.

Info Mehr über das Projekt 2024 plus, einen Film mit Erklärung, Info zu einzelnen Veranstaltungen und die Umfrage dazu gibt es auch im Internet unter
www.2024-plus.de.

Das Projekt Kirche 2024 plus

Das Projekt Kirche 2024 plus widmet sich der Frage, wie kann kirchliche Verwaltung so gestaltet werden, dass sie Kirchengemeinden Freiräume schafft, den Hauptamtlichen attraktive Arbeitsverhältnisse bietet und ehrenamtliches Engagement möglich macht? Die 15. Landessynode hat am 28. November 2017 beschlossen, dass das Projekt 2024 plus durchgeführt wird und hat dafür rund 50 Millionen Euro bereit gestellt.

Der Zeitplan Bis Oktober erstellt eine externe Agentur eine Analyse, verbunden mit einem breit angelegten öffentlichen Beteiligungsprozess. Bis Mai 2019 gibt es eine umfassende Beteiligung der Verbände und Berufsgruppenvertretungen.
Bis Oktober 2019 soll der kirchenpolitische Prozess bis zur Entscheidung abgeschlossen sein.

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