"Die Standardlösungen greifen nicht mehr. Importierte trockene, mit Wind versehene Fönlagen bis Höhe Würzburg werden in Süddeutschland immer häufiger. Der ständige Wechsel zwischen kalt und heiß, trocken und feucht sind Standard." Wie die Obst- und Gartenbauern auf diese Klimaveränderung reagieren können, liegt auch für Detlef Schollmeier, Betriebsleiter städtischer Obstbau in Metzingen, noch im Dunkeln. Den Sommerschnitt der Bäume, so empfahl der Wetterexperte bei der Hauptversammlung des Obst- und Gartenbauvereins Metzingen, würde er ganz ausfallen lassen: "Zum Schutz der Frucht vor Hagel und Hitze."

Einen Vorteil hat die Erwärmung der Durchschnittstemperaturen: Es gibt weniger Probleme mit Pilzen. Dafür gibt es mehr Schädlinge. Die Ernte bei Brombeeren fiel wegen der Wetterphänomene 2015 um ein Drittel höher aus, die von Zwetschgen und Kirschen um ein Drittel geringer. Die Einbußen bei den Äpfeln: minus 13 Prozent. Baden-Württemberg sei im Extrem-Jahr 2015 mit Trockenheit in neun von zwölf Monaten noch glimpflich davon gekommen, erklärte Schollmeier: "Der schwere Lehmboden bildet Depots. Fürs kommende Jahr ist schon viel aufgefüllt."

Dietmar Bez, erster Vorsitzender des Kreisverbands der Obst- und Gartenbauvereine Reutlingen, machte bei der Hauptversammlung deutlich, dass der Erhalt der Streuobst-Kulturlandschaft als ideelle Aufgabe der Vereine ohne aufgestockte Landesmittel auf Dauer nicht zu stemmen sei. Er stellte seine Vision von einer Verwerter-Genossenschaft im Streuobstparadies zur Diskussion. Eine Unternehmensform, an der sich viele Gütlesbesitzer, Hersteller und Vermarkter beteiligen könnten mit dem Vorteil: "Das Land hätte nur einen Ansprechpartner. Kleinteilige Strukturen werden nicht gefördert."

Mit einer Aufstockung der Fördermittel will Bez bessere Rohstoffpreise erreichen und in ein effektives Marketing für Streuobst-Produkte einsteigen. Dietmar Bez will Überzeugungsarbeit in der Bevölkerung leisten, neue Vertriebswege und ein Netzwerk von Annahmestellen aufbauen, Partnerschaften mit Unternehmen gründen. Ein regionaler Markt soll entstehen. Dietmar Bez ist mit seiner Vision von einer Kooperative derzeit im Streuobstparadies unterwegs. Innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre sollte sich seiner Ansicht nach etwas bewegen, damit die Streuobstwiesen langfristig im Landschaftsbild erhalten bleiben.

Ein Aspekt ist dabei die Verholzung der Altersstrukturen in den Vereinen. Für Metzingens Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler ist "das unglaublich vielseitige Angebot des Obst- und Gartenbauvereins Metzingen besonders beeindruckend, wenn es um die Kleinsten geht. Etwa in der Kooperation mit der Neugreuth-Schule". Fiedler: "Obst- und Gartenbau findet in der Familie immer weniger statt. Jeder, der in Metzingen und im Ermstal lebt, genießt diese begnadete Kulturlandschaft." Der Obst- und Gartenbauverein Metzingen mit seinen rund 760 Mitgliedern aus sieben Ermstalgemeinden begeistert Kinder übers Jahr beim Sommerferienprogramm, mit Pflanzaktionen im Schaugarten im "Frauengrund", zum Familientagen und in der Küche im Vereinsheim. Neu war im vergangenen Jahr ein Baumschnittkurs für Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren. "Wir wurden mit 13 sehr interessierten Teilnehmern belohnt", freute sich Johannes Jugel, der Vorsitzende. Jeden zweiten Dienstag im Monat ab 14 Uhr ist der Schulungsraum im Vereinsheim Begegnungsstätte für Interessierte geöffnet. Ein besonderer Höhepunkt ist der Frauenschnittkurs, im Jahr 2015 mit 40 Teilnehmerinnen.

Die jahreszeitlichen Feste und Lehrveranstaltungen des Obst- und Gartenbauvereins füllen 2016 ein stattliches Veranstaltungsprogramm. Darunter wieder Habitat-und Schnittkurse, die Sachkundeschulung Obst-und Weinbau mit Prüfung noch im Februar, Kräuterseminare, Blütenumgang, Obstsortenbestimmung, wieder viele spannende Kinder-Aktionen, ein Seminar zur Veredelungstechnik und Tipps, wie man Bäume pflanzt. Lehrfahrten, Obstverarbeitung nach Großmutters Rezepten, der traditionelle Familientag und das Erlebnis "Vogelstimmen in Streuobstwiesen" in Kooperation mit dem Naturschutzbund locken ins Metzinger Streuobst-Biotop.

Ehrungen beim Obst- und Gartenbauverein Metzingen

Der Obst-und Gartenbauverein Metzingen ehrte bei seiner Hauptversammlung in der Stadthalle Metzingen langjährige Mitglieder. Allen voran Walter Ruoff für 60 Jahre. Gefolgt von Maria Füssle mit 50 Jahren. Eine Urkunde für 40-jährige Vereinstreue erhielten: Hilde Henger, Eberhard Lorch, Dr. Friedrich Lorch, Werner Maisch, Ernst Mayer und Georg Nawroth. Mitglieder mit 25 Jahren Vereinstradition sind: Hans und Erich Alle, Hans Bader, Otto Besch, Günther Eisenmann, Gertrud Enssle, Adolf Fritz, Siegfried Früh, Georg Glück, Walter Hartter, Gotthilf Herr, Gotthard Herzig, Herbert Knecht, Alfred Maid, Paul Melchinger, Martin Müller, Ludwig Rauscher, Walter Rothweiler, Wilfried und Erwin Schur, Norbert Schwaigerer und Bernd Siegwarth.

SWP