Unwetter Vier Millionen Euro Schaden

CHRISTINA HÖLZ 02.09.2016
Die Wände abgeklebt, das Parkett herausgerissen - der Raum ist wieder Rohbau: Die Schillerhalle ist eine große Baustelle. Eine von vielen in Dettingen.

Der Blick von außen täuscht. Einzig das große Absperrgitter mit dem Logo der Baufirma lässt darauf schließen, dass in der Dettinger Schillerhalle derzeit Außergewöhnliches vor sich geht. Nur wer in die Innenräume des preisgekrönten Baus vordringt, wird schnell eines Besseren belehrt: Die edlen Holzwände der erst 2009 eingeweihten Halle sind mit Schutzfolie zugepflastert wie ein Kunstwerk des Verhüllungskünstlers Christo. Das schicke Parkett mitsamt Untermaterialien musste weichen,  der Raum ist trostlos und leer (sämtliches Mobiliar wurde zwischengelagert). Uberall stehen Trocknungsgeräte, Arbeiter mit Mundschutz werkeln zwischen den Schuttbergen.

Schuld an diesem Szenario ist das Unwetter Ende Juli, das mit seinem starken Gewitteregen das komplette Areal rund um Schillerhalle und -Schule überflutet hatte. Seitdem sind etliche kommunale  Gebäude eine einzige Baustelle. Besonders hart trifft es die Dettinger aber im Fall der neuen Halle, die sich die Kommune vor sieben Jahren rund  zehn Millionen Euro kosten ließ. Wasser und Schlamm haben dort immense Spuren hinterlassen, nun muss kräftig saniert werden.

„Das Gebäude befindet sich innen praktisch wieder im  Rohbauzustand“, urteilt  Hauptamtsleiter Ralf Barth. Und Michael Gutmann, der Baufachmann der Gemeinde, kommt gleich auf ein weiteres Problem zu sprechen: Auch das Foyer der Halle hat Feuchtigkeit abbekommen. Zum Trocknen müsse nun der dunkle Fliesenboden an einigen Stellen geöffnet werden: „Es ist aber momentan unklar, ob wir die Platten wieder nachbestellen können.“

Unklar ist gut einen Monat nach dem Starkregen noch einiges in Dettingen. Immerhin hat die Versicherung nun den vorläufigen Schaden an den kommunalen Gebäuden des Unwetters beziffert. Er liegt bei  mindestens vier Millionen Euro aufwärts, sagt Ralf Barth. Was die Dettinger ersetzt bekommen, reicht aber seiner Meinung nach nicht aus:  „Auf die Gemeinde kommt  darüberhinaus einiges an Kosten zu“, sagt der Hauptamtsleiter.

Übel erwischt hatte es Ende Juli ja nicht nur die Schillerhalle, sondern auch die Schule (mitsamt Blockheizkraftwerk), die Vereinsräume im Untergeschoss, die Neuwiesenhalle und das Kinderhaus Walter Ellwanger (wir berichteten).

Dort bietet sich überall das selbe Bild: Schutthäufen, aufgerissene Böden, Arbeiter in Spezialanzügen. Und Trocknungsgeräte in jeder Ecke, 80 sind es laut Michael Gutmann auf Dettingens Baustellen insgesamt.

In der Krippe wurde der Kleinkindbereich überflutet. Der Schaden sei auf den zweiten Blick vermutlich höher als erwartet, urteilt Barth. Im Kinderhaus gilt nun das, was die Dettinger in sämtlichen betroffenen  Gebäuden verfolgen: Anhand von Messungen und Probebohrungen soll genau ermittelt werden, wo noch Schäden und Feuchtigkeit in den Räumen sind, dann wird entsprechend saniert. „Wir wollen auf Nummer sicher gehen, das ist auch im Sinn der Versicherung“, so der Hauptamstleiter.

Mindestens sechs bis acht Wochen dauert es nach Ansicht der Experten, bis die ganzen Aufbau- und Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind, sprich, die Hallen und Räume wieder für Vereine zur Verfügung stehen. Eine Zeit, in der die Dettinger  viel improvisieren müssen: Wegen der Schäden im Rundbau  der Schillerschule – wo neben den Vereinsdomizilen auch ein Gymnastikraum untergebracht ist – zieht die Volkshochschule mit ihren Kursen ins Bürgerhaus, ins Alte Rathaus oder ins Gebäude „Sorglos Wohnen“. Gefragt ist auch das Sängerheim und das Entgegenkommen des Liederkranzes. Der nämlich bietet den heimatlosen Ermstalmusikanten einen Raum zum Proben.

Noch fraglich sei, ob die  Rundenspiele der Handballer im Herbst in der Neuwiesenhalle über die Bühnen gehen können, so Barth.

Immerhin kann der Verwaltungsexperte mit einer guten Nachricht dienen: In der Schillerschule kann der Schulbetrieb nach den Ferien wie gewohnt starten.

Alle Räume sind trocken und gereinigt, Strom und Wasser (auch in der Hausmeisterwohnung) wieder verfügbar.