Tübingen Vielschichtiges Spiel mit Identitäten

Regisseur Michael von zur Mühlen will das Publikum mit ins Boot holen. Foto: LTT
Regisseur Michael von zur Mühlen will das Publikum mit ins Boot holen. Foto: LTT
Tübingen / SWP 03.04.2014
Johannes Schrettles Stück "Die Kunden werden unruhig" feiert morgen, Freitag, 4. April, 22.15 Uhr, Premiere in der neu errichteten LTT-Box im Theaterfoyer.

Eine freischaffende Personaltrainerin, ein nervöser Bankangestellter, der seit einem traumatischen Erlebnis nicht mehr schlafen kann, und eine weibliche Führungskraft der Bank, die mit dem nervösen Kollegen ein Verhältnis hat, treffen in einem abgelegenen, anonymen Tagungshotel zusammen. Was wie ein x-beliebiges Coaching beginnt, entpuppt sich schnell als vielschichtiges Spiel mit Identitäten, Theaterverabredungen, Wahrheiten und Klischees, gegenseitigen Abhängigkeiten und Verbindungen, die bestimmt kein Zufall sind Die Trainerin (Margarita Wiesner) entpuppt sich als Hochstaplerin, der nervöse Kollege (Kai Meyer) trifft sie nicht zum ersten Mal, und warum hat die Führungskraft (Britta Hübel) eigentlich gerade sie drei zur Supervision an diesem Ort versammelt?

Der österreichische Autor Johannes Schrettle taucht in seinem Stück ein in eine Gegenwart aus Sicherheit und Kontrolle, eine Welt zwischen Kundenorientierung und Krise, in der nichts mehr gewiss ist und jeder nur seine Rolle(n) spielt. So oszillieren seine Protagonisten ständig zwischen Figur und Darsteller, Vergangenheit und Gegenwart, Schein und Sein.

Regisseur Michael von zur Mühlen, der außer im Bereich des Schauspiels auch viel für Oper und zeitgenössisches Musiktheater arbeitet, setzt das ungewöhnliche Stück gemeinsam mit Bühnen- und Kostümbildner Christoph Ernst in einen passend ungewöhnlichen Rahmen: Die Nähe zwischen Publikum und Darstellern holt alle "in das gleiche Boot". Eine Entgrenzung, die nicht nur die üblichen Sehgewohnheiten im Theater auflöst und damit die Möglichkeiten des Mediums neu erkundet, sondern die Erzeugung eines echten Gefühls von Gemeinschaft im Theater im Sinn hat.