Wild-West-Rituale in Dettingen?. Ja, wenn es um Themen wie Müll und Verkehr geht. Vor allem bei der Parkplatzsuche in den engen und meist mit Autos zugestellten Straßen kochen die Emotionen gerne hoch. Neulich gipfelte das schon in einer Attacke gegenüber dem Vollzugsbeamten der Gemeinde. (wir berichteten): Ein Mann griff den Verwaltungsmitarbeiter erst verbal und dann körperlich an, weil er den eben kassierten Strafzettel nichts akzeptieren wollte.

Eine Anzeige wegen Körperverletzung

Das Ganze endete mit einer Anzeige gegen Körperverletzung – und einer neuerlichen Debatte um den fehlenden Parkraum in Dettingen.

Was tun, damit endlich Ruhe reinkommt in die leidige Diskussion? Immer wieder beklagen Anwohner im Dettinger Ortskern, nach Feierabend „endlos um den Block“ fahren zu müssen, bis sie  einen Platz für ihren Wagen gefunden haben. Komplett zugestellte Straßen und Gehwege (etwa in der Schneckenhofengasse) bezeugen dieses Bild. Und bringen andererseits die Fußgänger auf den Plan: „Mit dem Kinderwagen kommt da kein Mensch durch“, lädt eine junge Mutter dieser Tage ihren Frust in unserer Redaktion ab.

Die Anwohner beäugen Neubauten kritisch

Wachsen in der Ortsmitte Neubauten in die Höhe, beäugen derweil die Anwohner die Entwicklung ängstlich: „Wo sollen die Bewohner jetzt noch parken?“, fragen sie. Den verantwortlichen Kommunalpolitikern ist das Problem bewusst. Im Gemeinderat werden Stimmen lauter, die grundsätzlich Tiefgaragen für Mehrfamilienhäuser fordern.

Denn: Mit den engen Straßen muss Dettingen schon wegen seiner Tallage leben: „Mehr Platz können wir nicht herzaubern“, betont Bürgermeister Michael Hillert immer wieder – und mahnt regelmäßig die Parkdisziplin der Autofahrer an. Bürger, die ihren Wagen „vor statt in den mit Geräten vollgestellten Garagen“ parken sind dem Rathauschef ein Dorn im Auge.

Ebenso jene, die vom Reisebüro mal eben zehn Meter zum Bäcker vorfahren. Was zur Rush Hour in Dettingen keine Seltenheit sei. Kurz: „Es nimmt einfach überhand mit dem Autoverkehr im Ort“, urteilt Hillert.

Es nimmt einfach überhand mit dem Verkehr im Ort

Gerade, was den Verkehr betrifft, gehen Gemeinderat und Verwaltung nun in die Offensive. Gemeint sind allerdings nicht die Autos: Die Politiker wollen das Radwegenetz im Ort ausbauen. Also Platz schaffen für die, die sich bislang schwer tun, in den zugeparkten Straßen vorwärts zu kommen.

Manche Autofahrer fürchten um Parkplätze

Die Biker freut das. Doch manche Autofahrer fürchten schon jetzt um den sowieso knappen Parkraum. Müssen für die Radler Stellplätze weichen? Und was ändert sich generell für den fließenden Verkehr? Was wünschen sich die Dettinger überhaupt in Sachen Radwegenetz? Fragen wie diese werden bei einer Bürgerversammlung zum Thema Radverkehr am kommenden Dienstag, 11. Februar, im Bürgerhaus am Anger geklärt.

Mülldetektive für Dettingen?

Ein externer Verkehrsplaner wird ebenso zu Wort kommen, wie die Dettinger selbst. „Ideen der Bürger sind erwünscht“, sagt Michael Hillert. „Es geht darum, die vernünftigste Lösung zu finden.“

Schon jetzt steht für den Bürgermeister aber fest: „Wenn Dettingen fahrradfreundlicher werden will, kommen wir erst recht nicht ohne Kontrollen aus.“ Parkfrevel im Ort will die Verwaltung in Zukunft verstärkt ahnden und mit Knöllchen bestrafen, kündigt der Verwaltungschef an.

Der Bürgermeister kündigt verstärkte Kontrollen an

Appelle an die Autofahrer reichten nicht aus, diese Erfahrung hat Michael Hillert in seiner gut 18-jährigen Amtszeit gemacht. „Nur was Geld kostet, bringt ein Umdenken.“ Gut möglich also, dass es in Dettingen weiterhin zu unschönen Szenen kommt zwischen Autofahrern und Vollzugsbeamten. Und nicht nur die sollen weiterhin auf den Straßen unterwegs sein. Geht es nach Michel Hillert, so beauftragt Dettingen bald Mülldetektive, die die Sauberkeit im Ort sicher stellen.

Jüngster Aufreger: Unrat im Gewerbegebiet Vogelsang. Achtlos liegengelassener Müll. Den hinterlassen offenbar Lastwagenfahrer dort, wenn sie die Betriebe anfahren, erklärt der Bürgermeister. Und echauffiert sich: „Wir haben schon Gespräche geführt. Natürlich will es wieder keiner gewesen sein.“

In der nächsten Sitzung des  Gemeinderates möchte Hillert das Thema aufs Tapet bringen. Und dem Gremium auch seine Müllsheriffs ans Herzen legen. Wildwest in Dettingen? Hin und wieder schon.

Thema Radverkehr: Bürgerbeteiligung am Dienstag


Um viele Aspekte einfließen zu lassen, wollen Rat und Verwaltung die Bürger beteiligen.

Das Ziel ist, dass Verkehrsteilnehmer mit unterschiedlichsten Interessen ihre Ideen vorbringen. Die erste Versammlung zum Thema Radverkehr ist am Dienstag, 11. Februar, von 19 Uhr bis 21 Uhr, im Bürgerhaus am Anger, Susanna-von-Zillenhart-Saal. Zu Beginn werden Vertreter der Gemeinde über Rahmenbedingungen und rechtliche Möglichkeiten informieren. Anschließend sind Vorschläge der Bürger gefragt.