Die Verkehrssituation auf dem Teilstück der B 27 ist für Pendler völlig unbefriedigend. Wer dort fährt, muss regelmäßig mit Stau rechnen. Passiert dann noch ein Unfall, kommt der Verkehr schnell zum Erliegen. „Trotz starker Pendlerverflechtungen zwischen den Regionen und hohem Fahrzeugaufkommen ist es nicht gelungen, die Verkehrssituation zu verbessern“, sagt Johannes Schmalzl, Hauptgeschäftsführer der IHK Region Stuttgart.

Der Verkehr hat um 40 Prozent zugenommen

Laut automatischer Straßenverkehrszählung nahm in den vergangenen 20 Jahren die Verkehrsstärke am Echterdinger Ei um 40 Prozent zu. Die Straßenkapazität blieb weitgehend gleich.

Die beiden IHKs setzen sich deshalb dafür ein, dass der im Bundesverkehrswegeplan vorgesehene sechsspurige Ausbau samt temporärer Seitenstreifenfreigabe dringend vorangebracht wird. Derzeit ist der Planfeststellungsbeschluss für Ende 2024 vorgesehen. Bau und Fertigstellung werden also noch Jahre benötigen. „Wir brauchen unbedingt mehr Geschwindigkeit im Planungsprozess. Die fertige Strecke wird eine deutliche Entlastung bringen“, so der Reutlinger IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Epp.

Viele Staus, die Fahrzeit ist kaum  kalkulierbar

Dass eine Staureduktion in hohem Maße notwendig ist, zeigt das Beispiel der Schnellbuslinie „Expresso“ von Reutlingen zum Stuttgarter Flughafen. „Gerade zu den Hauptverkehrszeiten ist die Fahrzeit für uns kaum kalkulierbar“, klagt Mark Hogenmüller, Geschäftsführer der Reutlinger Stadtverkehrsgesellschaft.

Er spricht sich für einen Ausbau der B 27 aus. „Eine damit verbundene Freigabe der Standspur für den ÖPNV zwischen dem Aichtalviadukt und der Anschlussstelle Echterdingen würde die Pünktlichkeit deutlich verbessern.“ Aus Sicht der IHKs wäre es als Anreiz für eine umweltfreundlichere Mobilität möglich, nicht nur den ÖPNV, sondern auch Fahrgemeinschaften und Fahrzeuge mit E-Kennzeichen zu privilegieren, denen zumindest in den Hauptverkehrszeiten eine eigene Fahrspur je Richtung zur Verfügung stehen könnte. Die Daten aus dem Bundesverkehrswegeplan zeigen, dass der Ausbau der B 27 aus Umweltgesichtspunkten insgesamt vertretbar erscheint. Sie gehen von einer Veränderung der Abgasemissionen von zusätzlich etwas mehr als 6000 Tonnen CO2 pro Jahr aus.

Der ÖPNV ist Teil der Lösung

Die bessere Verbindung zwischen den Regionen Stuttgart und Neckar-Alb muss aus Sicht der IHKs verkehrsträgerübergreifend angegangen werden. Wichtiger Bestandteil ist der Öffentliche Personennahverkehr. Die Bahnverbindung über das Neckartal ist derzeit ebenfalls am Anschlag ihrer Leistungsfähigkeit und kann zu den Hauptverkehrszeiten kaum mehr Reisende aufnehmen. „Wir versprechen uns viel von Filderbahnhof, Stuttgart 21 und der Großen Wendlinger Kurve, die das Neckartal kreuzungsfrei an den Hauptbahnhof anschließt“, sagt Epp. „Die Pendler bekommen eine Alternative, auch wenn ein Taktausbau nicht alle Probleme lösen wird.“

 „Insgesamt ist es Zeit, die Verbindung zwischen der Region Stuttgart und der Region Neckar-Alb auf die politische Tagesordnung zu bringen“, so Johannes Schmalzl. „Die Verkehrsqualität für Pendler auf Straße und Schiene muss deutlich besser werden. Der Ausbau der Bahnstrecke ist im Gange, die Straße muss nun bald folgen“.