Trennungskinder Väter: „Es bewegt sich einiges“

Grabenstetten/Region / swp 29.05.2017

Die Luft der Veränderung hat eine Gruppe von Trennungsvätern mit ihren Kindern am Vatertag in der Falkensteiner Höhle auf der Schwäbischen Alb geschnuppert. Beim Treffen des „Väteraufbruchs für Kinder“ Baden-Württemberg waren auch die Kreisvereine Ravensburg und Ulm präsent. „Alle sind begeistert gewesen“, berichtet Höhlenforscher Franzjörg Krieg, der den Ausflug organisiert hat und dem Väteraufbruch Karlsruhe samt Landesverein vorsteht. Die mit Neoprenkleidung ausgestatteten Kinder staunten über das in den Höhlengängen stehende Wasser und hatten jede Menge Spaß

Doch momentan tut sich etwas in der Familienpolitik und im deutschen Familienrechtssystem - so der Eindruck von Franzjörg Krieg (69), der sich seit Jahrzehnten für die Rechte von Trennungskindern auf beide Elternteile einsetzt. Das sogenannte Wechselmodell ist derzeit in aller Munde und wird vor der Bundestagswahl im September auch von Parteien eifrig diskutiert. „Man merkt richtig, dass sich etwas bewegt“, sagt Krieg. Er stelle bereits erste positive Reaktionen an regionalen Familiengerichten fest, zu denen er regelmäßig Väter begleite, die sich für mehr „Betreuung“ mit ihren Kindern einsetzten. Richter würden inzwischen früh erkennen wollen, wenn das betreuende Elternteil nur boykottiere, anstatt Kontakt zum getrennt lebenden Kind aktiv zu fördern. Erste Beschlüsse vor dem Hintergrund des aktuellen Urteils des Bundesgerichtshofs, dass ein Wechselmodell auch gegen den Willen eines Elternteils anzuordnen ist, fielen erstaunlich positiv für Kinder und Väter aus, so Krieg.

Warum jetzt Bewegung in die Thematik kommt, die vielen Menschen schon jahrelang bekannt ist, erklärt sich Franzjörg Krieg so: „Die kritische Masse wurde erreicht.“ Viele entfremdete und ausgegrenzte Väter, Mütter und Großeltern und weitere betroffene Angehörige wollten sich die Situation nicht länger bieten lassen; ebenso engagieren sich bereits viele erwachsen gewordene Trennungskinder für den Väteraufbruch für Kinder, die Entfremdung von einem Elternteil in ihrer Kindheit selbst erleben mussten und bis heute unter den Folgen leiden.

Stefan Schrapp vom neu gegründeten Väteraufbruch für Kinder des Kreisvereins Ravensburg berichtet von vielen Neumitgliedern innerhalb von wenigen Tagen und von einem großen Interesse an der Arbeit des Väteraubruchs. „Vielerorts ist man sich offenbar schon lange bewusst, dass sich etwas verändern sollte, um den Bedürfnissen von Trennungskindern besser gerecht zu werden“, sagt Schrapp.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel