Nach dem Großeinsatz der Feuerwehren im Bad Uracher Chemiewerk des Unternehmens Sika geht die Suche nach den Ursachen weiter. Höchstwahrscheinlich handelt es sich um einen technischen Defekt der Löschanlage. Bereits am gestrigen Nachmittag meldete sich das Unternehmen in einer Pressemitteilung zu Wort, die allerdings die Redaktion der SÜDWEST PRESSE in Metzingen nicht erreichte – trotz mehrfacher telefonischer und schriftlicher Aufforderungen per E-Mail.

Kein Brandereignis

In seiner Mitteilung erklärt das Unternehmen zunächst die Funktionsweise der Löschanlage. So soll diese eigentlich erst auslösen, wenn die Umgebungstemperatur infolge eines Brandes auf mehr als 95 Grad Celsius ansteigt. „Ein Brand lag jedoch zu keiner Zeit vor“, betont der Spezialchemiehersteller. Wohl aufgrund eines technischen Defekts setzte sich die automatische Brandmelde- und Löschanlage dennoch in Gang und flutete das Untergeschoss des Werkes mit Kohlenstoffdioxid, welches im Brandfall den Luftsauerstoff verdrängen und damit das Feuer ersticken soll. Um das CO2 aus dem Gebäude herauszupumpen, war anschließend ein umfangreicher Einsatz der Werkfeuerwehr Sika sowie der Freiwilligen Feuerwehren aus Bad Urach und Metzingen notwendig. In den betroffenen Räumlichkeiten befinden sich Rohstofflager und eine Trafostation. „Menschen kamen durch den Vorfall nicht zu Schaden. Eine Gefahr für die Umwelt bestand zu keiner Zeit“, heißt es in dem Schreiben des Unternehmens. Und weiter: „Untersuchungen, die zur Auslösung der Löschanlage geführt haben, sind vor Ort eingeleitet und entsprechende Fachfirmen beauftragt, um die genaue Ursache des Vorfalls zu ermitteln.“

Nachtschicht unterbrochen

Nachdem die Brandmelde- und Löschanlage am Montag kurz vor ein Uhr ausgelöst hatte, war die gesamte Nachtschicht mit 15 Mitarbeitern nach Hause geschickt worden. „Die Mitarbeiter haben in einem anderen Gebäude, 150 Meter von dem betroffenen Objekt entfernt gearbeitet und waren nie in Gefahr“, erklärte Sika-Pressesprecherin Stephanie Schmick auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE. In den betroffenen Räumlichkeiten im Untergeschoss hätten sich keine Mitarbeiter aufgehalten.

Die Frühschicht konnte anschließend wieder „ganz normal arbeiten“, so Schmick weiter. Bis dahin hatten die rund 55 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Metzingen, Bad Urach und von der Werkfeuerwehr Sika ganze Arbeit geleistet und das Kohlenstoffdioxid soweit abgesaugt und verdünnt, dass die Erstickungsgefahr in den Räumen des Untergeschosses gebannt gewesen ist. Der Einsatz dauerte bis gegen 7 Uhr an, der Ortsverein Bad Urach des Deutschen Roten Kreuzes versorgte die Einsatzkräfte.

Fast 70 Einsatzkräfte

An dem Großeinsatz waren schlussendlich fast 70 Einsatzkräfte beteiligt. Die Werkfeuerwehr Sika, die aus Freiwilligen aus dem Mitarbeiterkreis gebildet wird, war mit einem Fahrzeug und neun Einsatzkräften vor Ort. Die Abteilung Stadt der Freiwilligen Feuerwehr Bad Urach eilte mit 20 Einsatzkräften und sieben Fahrzeugen in die Stuttgarter Straße, hinzu kamen sechs Feuerwehrleute und ein Fahrzeug aus der Abteilung Sirchingen. Zur Wachbesetzung, falls es Folgeeinsätze gegeben hätte, wurde die Abteilung Wittlingen alarmiert, die mit neun Einsatzkräften und einem Fahrzeug nach Bad Urach ausrückte. Die Freiwillige Feuerwehr Metzingen war mit drei Fahrzeugen und neun Einsatzkräften vor Ort, hinzu kam Kommandant Hartmut Holder als stellvertretender Kreisbrandmeister. Der Rettungsdienst war mit drei Fahrzeugen und fünf Einsatzkräften vor Ort, der DRK-Ortsverein mit einem Fahrzeug und vier Helfern. Hinzu kamen drei Streifenwagen der Polizei mit insgesamt sechs Beamten.

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Bad Urach

Ein Schweizer Unternehmen mit Niederlassungen in 101 Ländern


Sika ist ein Unternehmen der Spezialitätenchemie, nach eigenen Angaben führend in der Entwicklung und Produktion von Systemen und Produkten zum Kleben, Dichten, Dämpfen, Verstärken und Schützen für die Bau- und produzierende Industrie. Sika ist weltweit präsent mit Tochtergesellschaften in 101 Ländern und produziert in über 200 Fabriken. Ihre mehr als 20 000 Mitarbeitenden haben 2018 einen Jahresumsatz von 7,10 Milliarden Schweizer Franken erwirtschaftet. Der Hauptsitz des 1910 gegründeten Unternehmens ist die Schweiz.

In Deutschland ist Sika mit der Sika Deutschland GmbH und 1500 Mitarbeitern vertreten. Sika Deutschland hat es sich nach eigenen Angaben zudem zur Aufgabe gemacht, Wege und Lösungen aufzuzeigen, die nachhaltiges Bauen ermöglichen – im Hinblick auf Wassermanagement, Energieeinsparung und Klimaschutz. Seit 2010 ist die Sika Deutschland GmbH Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Einen Einblick in das Werk in Bad Urach bietet Sika am 21. September beim „Tag der Industrie“ in der Kurstadt.