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Die Treue zur Partei hat der Kreisverband der SPD in einem feierlichen Rahmen gewürdigt: Im Bindhof kamen die Sozialdemokraten zur Ehrungsrunde zusammen, auch wurden Neumitglieder begrüßt.

KIRSTEN OECHSNER

Den doch eher privaten Entschluss, einst der SPD beizutreten hat Kreisvorsitzender Sebastian Weigel in einen historischen Kontext gestellt. Wer vor 25 Jahren den Entschluss gefällt hatte, tat dies meistens vor dem Mauerfall: „Es hat wohl niemand damit gerechnet, dass dies passiert.“ Vor 40 Jahren seien viele politisch interessierte Deutsche aus Solidarität mit der SPD der Partei beigetreten als Bundeskanzler Willy Brandt nach der Guillaume-Affäre zurückgetreten war: „Man dachte, dass sie sich von diesem Schlag wohl nicht mehr erholen würde. „Wer seit 1964 das Parteibuch besitzt, trat der SPD in einem Jahr bei, das Willy Brandt ebenfalls geprägt hat: Der wurde damals zum Parteivorsitzenden gewählt und hatte das Amt bis 1987 inne. So lange wie kein anderen Sozialdemokrat nach ihm: „Es wäre schön, wenn unsere Parteivorsitzenden ähnlich lange im Amt bleiben würden“, meinte Sebastian Waigel.

Viele der Geehrten Sozialdemokraten haben das Bild der Partei gerade im Kreis oder auf Gemeindeebene geprägt und übernahmen Verantwortung, wie Weigel und Landtagsabgeordneter Klaus Käppeler bei der Ehrung meinten – für jeden gab's eine persönliche Würdigung.

Reinhard Glatzler beispielsweise hatte im September den Vorsitz des Ortsvereins Metzingen übernommen. In den vergangenen Jahren prägte Suse Gnant die Sozialdemokratie in Reutlingen und dem Kreis: „Im Reutlinger Gemeinderat saß sie zunächst für die Freie Frauenliste“, rief der Kreisvorsitzende in Erinnerung, erst später sei sie zur SPD-Fraktion übergewechselt. Harald Fliegner wirkt als Kreiskassierer und Margrit Vollmer-Herrmann als Gemeinderätin in Pfullingen. Sie und die vielen anderen aktiven SPD-Mitglieder prägen das Bild der Partei in der Region, viele wirken indes im Hintergrund und sind trotzdem wichtiger Teil des Ganzen.

Beim Ehrungsmittag bei Kaffee und Kuchen sowie der ausgiebigen Möglichkeit für Gespräche wurde nicht nur ausgezeichnet, sondern auch begrüßt – und zwar die Neumitglieder. Zwei von elf waren in den Bindhof gekommen, die jüngeren waren laut Rebecca Hummel auf einer seit langem terminierten Juso-Ausfahrt unterwegs.

Die SPD-Bundestagskandidatin aus dem vergangenen Jahr zeigte sich am Samstag von einer weiteren, unpolitischen Seite: Sie übernahm die musikalische Begleitung des Ehrungsmittags, überzeugte als Sängerin.

Traditionell wird bei dieser Veranstaltung auch ein Gastredner eingeladen, Bundestagsabgeordneter Christian Lange sprach von einer großen gesamtgesellschaftlichen Herausforderung beim Umgang mit den Salafisten sowie den Rechten und Hooligans in Deutschland. „Wir dürfen nicht überreagieren“, mahnte der Parlamentarische Staatssekretär im Justizministerium an. „Wir brauchen keine zusätzlichen Gesetze, wir müssen die vorhandenen konsequent anwenden.“ Lange zog zufrieden Bilanz über die politische Arbeit in Berlin: „Wir haben einiges besser getan als in der letzten Koalition.“

Die breite Zustimmung bei der Mitgliederbefragung sei eine große Motivation gewesen: „Wir haben ein gutes Klima in der Bundesregierung“, so sein Resümee.