Metzingen Unterschriften hier, Aufkleber

Die Befürworter des Kombibads sammeln keine Unterschriften, sie lassen Aufkleber sprechen. Die Aufkleber gibt es umsonst in bislang fünf Geschäften.
Die Befürworter des Kombibads sammeln keine Unterschriften, sie lassen Aufkleber sprechen. Die Aufkleber gibt es umsonst in bislang fünf Geschäften. © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / Von Peter Kiedaisch 10.08.2018

Von jetzt an wird zurückgeklebt: Der 56-jährige Metzinger Manfred Schmid hat die Debatte um die Bäder in dieser Stadt satt. „Diskutieren“, sagt er, „kann man mit denen doch gar nicht.“ Er meint die Gegner des Kombibads, die seit Wochen Unterschriften sammeln und mit der Fragestellung „Sind Sie dafür, dass die vorhandenen Bäder saniert und erweitert werden sollen?“ seiner Meinung nach unbedarfte und weniger gut informierte Einwohner dieser Stadt bewusst im Unklaren darüber lassen, dass sie mit einer Unterschrift den Bau eines modernen Familien- und Freizeitbads auf dem Bongertwasen, das Frei- und Hallenbad zugleich sein wird, verhindern. „Sobald man im Gespräch eines ihrer Argumente widerlegt, kontern sie mit dem nächsten Argument“, sagt Schmid, schließlich versandet die Diskussion, nachdem sie sich lange genug im Kreis gedreht hatte. „Dabei geht es um Peanuts“, sagt er, also um Kleinigkeiten. Um Schatten spendende Bäume, um geringe Temperaturunterschiede.

„Aber eines sollte allen klar sein: Wer sich jetzt dafür aus­spricht, die alten Bäder zu sanieren und so gut es geht zu erweitern, schafft damit einen Status quo für die kommenden 50 Jahre.“ Darüber wird sich die jüngere Generation sicher maßlos ärgern, zumal sie es sein wird, die mit ihrem Steueraufkommen dann etwas bezahlen wird, „was sie vermutlich gar nicht möchte“, sagt Schmid.

Dass die Bürgerinitiative inzwischen verkündet, die erforderlichen 1300 Unterschriften beisammen zu haben, erschüttert ihn nicht: „Wer unterschreiben will, soll doch.“ Er allerdings habe auf der Liste Namen von Bekannten entdeckt und diese darauf angesprochen und gefragt, ob sie auch unterschrieben hätten, wenn da gestanden wäre „Sind Sie gegen ein Kombibad?“ Alle, versichert Schmid, sind aus allen Wolken gefallen, als ihnen klar wurde, dass ihre Unterschrift diese Konsequenz nach sich zieht.

Mit Politik hat Manfred Schmid nicht viel zu tun, und er möchte auch nicht dazu beitragen, dass aus der Bäderdiskussion ein Politikum wird. Aber er möchte einen Denkanstoß geben. Deswegen hat er etwa 700 Euro investiert und sich im Internet Aufkleber designen lassen und davon 10 000 Stück bestellt. „Zeit, dass hier was geht! Kombibad Metzingen: Freizeit pur auf dem Bongertwasen – Ich bin dafür“ steht darauf zu lesen.

3000 Aufkleber ist er schon los geworden. Parteien, aber auch die DLRG haben bereits geordert, zudem liegen sie in bislang fünf Geschäften aus. „Es kann ja nicht sein, dass wir die Zukunft der Bäder 13 Leuten überlassen, die Unterschriften sammeln, und wir schauen dabei zu.“

Jetzt ist seine Arbeit getan, sagt er. Aber „es ist schön zu beobachten, wie es seine Runde macht.“ Wenn bis zum wahrscheinlichen Bürgerentscheid (eventuell im November) 2000 Aufkleber an Autos oder Schulranzen hängen, ist er zufrieden: „Ich will die Leute doch nur aus ihrem Frust rausholen“, sagt er. Lust auf weitere Diskussionen mit der Bürgerinitiative hat er nicht. Die Argumente sind ausgetauscht, „und man muss sich auch nicht beschimpfen, wir sind ja erwachsen.“ Die haben ihre Meinung und sollen sie, wie in einer Demokratie üblich, auch äußern dürfen. „Und wir haben unsere Meinung.“

Am Donnerstag, 16. August, um 11 Uhr wird die Bürgerinitiative die Unterschriftenliste der Stadt aushändigen, bis heute, 10. August, wird sie noch sammeln. Die Verwaltung wird dann die Gültigkeit jeder einzelnen Unterschrift überprüfen. Sollte auch danach und vor allem nach Abzug derer, die ihre Unterschrift rückgängig machen wollen (das ist möglich), das Quorum von etwa 1300 Unterschriften erreicht sein, könnte der Gemeinderat bereits am 4. Oktober darüber entscheiden, ob das Bürgerbegehren zulässig ist und es einen Bürgerentscheid gibt.

Viel Spielraum indessen hat der Gemeinderat nicht, wenn mit den Unterschriften und der Art, wie sie gesammelt wurden, alles in Ordnung ist. Dann nämlich muss das Gremium zustimmen.

Klebende Argumente

Die Aufkleber pro Kombibad gibt es in folgenden Geschäften und Institutionen:
- Electro Auer, Hindenburgstraße beim Rathaus
- Total Tankstelle, Nürtinger Straße gegenüber REWE-Markt
- Kiosk Lutz, Kelternstraße in Neuhausen
- DLRG Metzingen
- Kneißler GdR Abholmarkt im Neugreuth
- Martinas Frisurenstudio, Metzinger Straße 31 in Neuhausen

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