Am 1. Januar 1980, vor fast genau 40 Jahren also, ließ Rudolf Rampf seine in Grafenberg angesiedelte Rampf Kunststoffsysteme als Gesellschaft mit beschränkter Haftung ins Reutlinger Handelsregister eintragen. Aus dem Ein-Mann-Betrieb des 1944 im niederösterreichischen Kasten bei St. Pölten geborenen Chemotechnikers und Technischen Betriebswirts ist eine internationale Unternehmensgruppe entstanden. Die wird heute in zweiter Generation von seinen Söhnen geführt, beschäftigt – unter anderem weiterhin in Grafenberg – mehr als 900 Mitarbeiter und gehört eigenen Angaben zufolge in einigen Bereichen zu den Weltmarkführern.

Die 40-jährige Erfolgsgeschichte soll im Juli am Hauptsitz in Grafenberg mit einem Festwochenende gefeiert werden.

Äußerlich unspektakulärer Start

„Meteorologisch gesehen war der 1. Januar 1980 eher unspektakulär“, teilt das Unternehmen mit: Rund um die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart sei es trübe und kalt gewesen – „typisches deutsches Winterwetter eben. Am Unternehmenshimmel ging an diesem Dienstag vor 40 Jahren hingegen ein heller Stern auf“, meint der Sprecher der heutigen Rampf Holding.

Der 75-jährige Rudolf Rampf erinnert sich: Als er die GmbH ins Handelsregister eintragen ließ, „konnte ich natürlich nicht ahnen, dass daraus eine Unternehmensgruppe erwachsen würde, die heute rund um den Globus präsent und ein führender Lösungspartner in zahlreichen Industrien ist“. Zunächst entwickelte und produzierte der gelernte Chemietechniker und leidenschaftliche Tüftler in der ausgedienten Grafenberger Turnhalle Reinigungsmittel, Hand­reiniger und Geschirrspülmittel.

Die Produkte verkauften sich gut. Doch bald sollte er mit einer Erfindung den Modellbau revolutionieren und den Grundstein für die bis heute andauernde Erfolgsgeschichte von Rampf legen: Als er im März 1980 beim Besuch eines Modellbaubetriebs beobachtete, wie Platten aus Mahagoniholz zu Automodellen verarbeitet wurden, erkannte er, dass dies „keine besonders günstige, geschweige denn nachhaltige Methode war, um Designmodelle herzustellen“, sagt der Firmengründer. „Zudem waren die Modelle nicht dimensionsstabil, da das Holz sich je nach Raumklima veränderte.“

Vom Spüli zur Polyurethanplatte

Umgehend begann er, an einer für den Modellbau technisch, ökonomisch und ökologisch überlegenen Alternative zu Tropenholz zu forschen. Knapp ein halbes Jahr später hatte er die erste Modellbauplatte aus Polyurethan entwickelt, die sich innerhalb kurzer Zeit als Standardmaterial im Markt etablierte.

Die von ihm entwickelte Polyurethanplatte sei auch heute noch das Maß der Dinge, und die Grafenberger Firma seit vielen Jahren der weltgrößte Hersteller von Blockmaterialien. „Freilich ist das Unternehmen im Modell- und Formenbau aufgrund zahlreicher weiterer Innovationen längst mit einem umfangreichen Portfolio unterschiedlichster Produkte und Services vertreten. Mehr als das: Das mittelständische Familienunternehmen umfasst mittlerweile sechs Kernkompetenzen rund um Reaktionsharze, Maschinensysteme und den Composite-Leichtbau.“

Ausgangs- und Mittelpunkt seien dabei stets reaktive Gießharzsysteme – unter anderem Dichtungsschäume auf Basis von Polyurethan sowie Dosieranlagen für deren Verarbeitung, auf Epoxidharz basierender Mineralguss für Maschinengestelle und chemische Lösungen zum Recyceln von Polyurethan-Reststoffen.

Seit 2011 leiten Michael und Matthias Rampf, die Söhne des Grafenberger Gemeinderats, der 20 Jahre lang bis 2014 zudem stellvertretender Bürgermeister war und bis heute dem von ihm gegründeten Handels- und Gewerbeverein des Ortes vorsteht, die Firma. Sie trieben die Internationalisierung voran und erweiterten die Gruppe 2016 um das in Kanada ansässige Unternehmen Rampf Composite Solutions. Der Leichtbau mit Kohlenstofffaser- und Glasfaser-Composite-Teilen sei ein Geschäftsfeld mit enormen Potenzial, erklärt Michael Rampf diesen Schritt. „Da konnten wir unsere bereits vorhandenen Kenntnisse, Kompetenzen und Synergien von Beginn an gewinnbringend einsetzen.“

Wertschätzung für Mitarbeiter

„Rampf wächst mit seinen Mitarbeitern“, betont Matthias Rampf. „Wir investieren in sie und möchten, dass sie sich wohlfühlen und langfristig bei uns arbeiten.“ Dazu gehörten neben betrieblichem Gesundheitsmanagement „top ausgestattete Arbeitsplätze“, vielfältige Weiterbildungsangebote und offen gezeigte Wertschätzung. Die Märkte, in denen die Rampf-Gruppe tätig ist, haben sich in den vergangenen 40 Jahren stark gewandelt. Sowohl dem Management als auch den Mitarbeitern werde ein hohes Maß an Flexibilität und Wandlungsfähigkeit abverlangt. Langfristige Überlegungen bestimmen deshalb die Zukunft: „Wir orientieren uns an der Nachhaltigkeit unserer unternehmerischen Tätigkeit und legen großen Wert auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren Kunden und Partnern“, sagt Michael Rampf. So wurde etwa vor Jahren schon „eine detaillierte Strategie für die Jahre bis 2030 festgelegt“.

Festwochenende im Sommer


Zum 40-Jährigen spielt am Hauptsitz von Rampf in Grafenberg am Freitag, 24. Juli, die Band „Die Grafenberger“ live zum Partyabend mit großem Festzelt. Tickets soll es demnächst im Vorverkauf geben. Am Sonntag, 26. Juli, lädt Rampf aufs Firmengelände zum Grafenberger Dorffest und Tag der offenen Tür. Dabei kann etwa das Innovationszentrum mit Labor besichtigt werden.