Schreckensmeldungen aus der Industrie sind an der Tagesordnung in diesen Zukunftsangst-Zeiten. Nun muss auch Dettingens größter Arbeitgeber Elring-Klinger auf die Corona-Krise reagieren: Weil Autobauer von Daimler bis VW ihre Bänder gestoppt haben, drosselt der Zulieferer die Produktion. Kurzarbeit steht bevor, teilt das Unternehmen mit.

Das ist ein harter Schlag für die Wirtschaft im Ermstal

Für die Wirtschaft im Ermstal erneut ein harter Schlag: Erst vor wenigen Tagen hat auch die im Gewerbegebiet Vogelsang ansässige Firma Voestalpine ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Der Automobilzulieferer (ehemals Firma Horst Gutbrod) fertigt unter anderem Stanz- und Umformteile.

Kurzarbeit bei Elring und Voestalpine in Dettingen

Gibt es überhaupt Branchen, die sich im Sog der Corona-Tubulenzen noch behaupten? In jeden Fall sind das Handel und Lebensmittelwirtschaft – und in deren Windschatten die alteingesessene Dettinger Industrie: Bei den Verpackungsspezialisten von Uniplast und den Gebrüdern Knauer ist Optimismus angesagt.

Aber der Reihe nach. Die Produktionsstopps bei vielen Autobauern haben direkte Auswirkungen auf die Zulieferer. So reduziert nun auch Elring-Klinger einen Großteil seiner Fertigung. Betroffen seien vor allem die Standorte in Europa und Nordamerika, aber auch die Werke in Indien und Brasilien, teilte das Unternehmen am Montag mit.

Die Produktion werde entweder eingeschränkt oder vorübergehend ganz unterbrochen, heißt es. An den deutschen Standorten trifft das Unternehmen Vorbereitungen zur Einführung von Kurzarbeit. In China dagegen sei die Produktion wieder angelaufen, auch in anderen Regionen wie etwa Südafrika wird wohl gearbeitet.

Lieferketten funktionieren nicht mehr richtig

Elring fertigt unter anderem Zylinderkopfdichtungen für die großen Automobilhersteller. Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, und weil Lieferketten nicht mehr richtig funktionieren, hatten die in der vergangenen Woche vorübergehende Produktionsstopps verfügt. Diverse Zulieferer, unter anderem Bosch, zogen nach.

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen das Herunterfahren der Produktion haben werde, sei noch nicht verlässlich zu ermitteln, lässt Elring-Klinger verlautbaren. Wie viele Unternehmen, sehen auch die Dettinger Dichtungsspezialisten unsicheren Zeiten entgegen.

Unaufgeregter geht es in Branchen zu, deren Margen sich bei Weitem nicht messen lassen mit denen der Automobilindustrie: Bei Verpackungsherstellern für Nahrungsmittel, die in Dettingen seit gut gut Jahren vertreten sind. Die Rede ist von Uniplast und der Gebrüder Knauer GmbH. Beide Firmen haben gemeinsame Wurzeln, wirtschaften aber bekanntlich seit Jahrzehnten getrennt – und melden aktuell eine stabile Nachfrage.

In Zeiten von Homeoffice erlebt der Lebensmittelhandel einen Boom

„Wir sind momentan gut im Geschäft“, teilt etwa das Management der Firma Uniplast auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE mit. Die Kunststoffexperten stellen vor allem Becher für Joghurt und andere Molkereiprodukte her. Der Lebensmittelshandel erlebt einen Run in Zeiten von Homeoffice und reglementiertem öffentlichem Leben, weshalb sich Uniplast an die „Zuwächse der Branche anlehnen kann“, sagte der Unternehmenssprecher weiter.

Wie die Ernährungswirtschaft  zählten auch Verpackungsbetriebe für Nahrungsmittel zur systemrelevanten Branche, also zur „kritischen Infrastruktur“, deren Ausfall Folgen für das Gemeinwesen hätte.

Damit ist klar: Sollte es doch noch zu einer Ausgangssperre kommen, erhalten Mitarbeiter dieser Firmen einen „Passierschein“. Produktionsstopps dürften kaum anstehen.

Knauer: Die Auftragslage ist auch in der Krise gut

Vor diesem Hintergrund fertigt auch die Belegschaft der Gebrüder Knauer in der Uracher Straße unbehelligt weiter. Ob (sekundäre) Papp-Verpackungen für Wurstsalat, Mozarella-Käse oder Falt-Schachteln fürs Bag-in-Box-System des Apfelsafts: „Unsere Auftragslage ist gut“, sagt Thomas Wund, Marketingleiter bei der Firma Knauer, die seit 2013 Mitglied der Memminger Kolb-Gruppe ist.

Damit das Coronavirus die Produktion nicht torpediert, gibt es seit Monaten Pandemiepläne. Hygienevorschriften müssen penibel eingehalten werden, das Vertriebsteam ist zur Schichtarbeit aufgerufen, Verwaltungsmitarbeiter sitzen wie vielerorts im Homeoffice. Ob der Boom im Lebensmittelhandel die Dettinger überrascht hat? „Unsere Mitarbeiter sind es gewohnt, flexibel auf den Markt zu reagieren“, sagt Thomas Wund.

Interaktive Corona-Echtzeitkarte: Aktuelle Zahlen zu Infektionen und Toten

Damit ihr in der Corona-Krise auf dem aktuellen Stand bleibt, findet ihr im unten stehenden Artikel eine interaktive Echtzeitkarte. In dieser könnt ihr euch jederzeit die neuesten Zahlen zu den Infizierten und Toten in ganz Deutschland ansehen.

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Mehr als zehntausend Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen Elring-Klinger nach eigenen Angaben weltweit, und zwar an 45 Standorten des Automobilzulieferers.