Das ist richtig bitter. Die TuS Metzingen musste sich im Halbfinale des Final Four-Turniers dem Thüringer HC mit 25:35 (14:18) beugen. Keine Frage, dass der Sieg des Vizemeisters verdient war, die Deutlichkeit schmerzte aber enorm.


Nicht so schlecht begonnen

Die TuS hatte bis zur 45. Minute (26:21) noch einen akzeptablen Rückstand, ehe in der Schlussviertelstunde alle Dämme brachen. Wer Freie in Serie vergibt, muss sich über eine solche Pokalschlappen nicht wundern. Dabei hatte es gar nicht so schlecht begonnen.

Wenn in der ersten Halbzeit etwas gefehlt hat – dann die nötigen Tore. Man kann sich streiten, ob die Pink Ladies tatsächlich vier schlechter waren. „Den Eindruck hatte ich eigentlich nicht“, sagte TuS-Trainer André Fuhr. Sein Team hat, wie dem 14:18 zu entnehmen ist, auf alle Fälle weniger getroffen. Das war einmal mehr das Problem der TusSies, die viel Freies nicht an Ann-Cathrin Giegerich vorbei brachten. Die Angriffsqualität des Thüringer HC war indes enorm, ganz besonders, wenn die Nationalspielerinnen Alicia Stolle und Emily Bölk zur Tat schritten. „Das ist absolute Extra-Klasse“, sagte Fuhr, und nahm da auch noch Iveta Luzumova ins Boot, die am Samstag mehr als Einfädlerin fungierte.

Einlauf der TuS Metzingen in die Porsche-Arena

Ansonsten machte die TuS-Abwehr keinen schlechten Job, verteidigte sehr offensiv, brachte früh die 5:1-Formation auf die Platte. Wenn es dann aber eng wurde, stiegen die Damen Stolle und Bölk hoch, schweißten Unhaltbares in den pinken Kasten. Es stand 5:5 nach acht Minuten, 9:9 nach 16. Nach dem 12:11 (21.) ging es für Thüringen HC vorwärts, der sich auf seinen Wahnsinns-Rückraum verlassen konnte.

Monika Kobylinska überzeugend

Die TuS hatte einmal mehr in Monika Kobylinska eine eifrige Torschützin (4), Shenia Minevskaja ließ in der ersten Hälfte Präzision bei ruhenden Bällen walten, verwandelte sämtliche vier Siebenmeter. „Wir hatten Schwierigkeiten mit Monika Kobylinska, waren zu offensiv in der Abwehr, was zu etlichen Siebenmetern geführt hat“, sagte Herbert Müller, Trainer des Thüringer HC. Deshalb wurde ein bisschen nachjustiert in der Pause.

DHB-Pokal Final4 in Stuttgart Impressionen: TusSies Metzingen gegen den Thüringer HC

„Machen blöde Fehler“

Es dauerte nicht lange im zweiten Spielabschnitt, bis der THC eine Vorentscheidung herbeigeführt hatte (22:15, 35.). „Es gab Knackpunkte, bei denen wieder Hoffnung aufkam“, sagte TuS-Manager Ferenc Rott. Einer davon war ein Dreierpack von Kelly Vollebregt bis zum 22:18 (38.). Noch einmal Rott: „Dann machen wir blöde Fehler.“ Stimmt. Die Abwehr war zudem nicht mehr so zupackend, was zum Beispiel Thüringens Linksaußen Jovana Sazdovska zu nutzen wusste.

Giegerich blieb ein Faktor im THC-Spiel. „Meine Torhüterinnen brachten nicht so viele Hände an den Ball“, machte der TuS-Trainer einen weiteren Unterschied aus. Und weil der THC über 60 Minuten auf dem Gas blieb, wurde es am Ende noch richtig deutlich.

Letztendlich spielt die Tordifferenz in einem Pokalspiel keine Rolle, zehn Stück tun dann aber schon verdammt weh. „Es hat sich nicht so angefühlt, als würden wir so hoch führen. Es war das erwartet schwere Spiel für uns. Wir haben 60 Minuten alles gegeben, dass es am Ende so deutlich wurde, hat mich verwundert“, sagte die mit zwölf Toren überragende Alicia Stolle.

Alicia und Emily haben wir nie in den Griff bekommen. In der ersten Halbzeit konnten wir mit unserem Tempospiel noch dagegenhalten, das haben wir in der zweiten nicht mehr geschafft“, sagte eine enttäuschte TuS-Spielführerin Julia Behnke. Wie sämtliche Zuschauer in der Halle hatte aber auch sie erkannt, dass der THC ein sehr gutes Spiel gemacht hat. Ein verdienter Sieger, über die Höhe des Ergebnisses kann man geteilter Meinung sein – was letztendlich aber vollkommen egal ist.      
 

Spielstatistik:

Thüringer HC: Krause, Zimmermann, Giederich – Lang, Sazdovska (5), Mazzucco (2), Schmelzer, Stolle (12), Luzumova (4/1), Bölk (9), Großmann (1), Müller, Jakubisova (2), Wohlbold, Huber

TuS Metzingen: Kohorst, Roch – Zapf (1), Kobylinska (5), Kovacs (4), Welser, Minevskaja (8/6), Niederwieser (1), Harsfalvi (1), Vollebregt (4), Haggerty, Beddies, Behnke (1), Korsos 

Siebenmeter: 2/1 (Luzumova scheitert) – 7/6 (Minevskaja scheitert)

Zeitstrafen: Huber (3=Rot 50.) – Minevskaja, Niederwieser (2)

Schiedsrichter: Nils Blümel, Jörg Loppaschewski

Zuschauer: 2749

SG BBM Bietigheim ohne Mühe

Die SG BBM Bietigheim setzt sich mit 32:26 gegen die Wildcats aus Halle-Neustadt durch.

Es war so, wie es Bietigheims Trainer Martin Albertsen schon bei der PK zur Haller Kollegin Tanja Logvin gesagt hatte. „Du musst dir keine Sorgen machen. Die ganze Halle wird hinter euch stehen.“ Gesagt, getan, freilich machten die Bietigheimer Fans eine Ausnahme im zweiten Halbfinale, mussten sich dann aber auch ein bisschen wundern, was ihre Mädels zu Beginn so fabrizierten.

Der Deutsche Meister sah sich einem engagiert auftretenden SV Union Halle-Neustadt gegenüber. Der ließ sich von einem anfänglichen Rückstand nicht im geringsten beeindrucken, hatte beim 5:5 (9.) ausgeglichen – und das Publikum in Wallung gebracht. Der Meister war nicht nur überrascht, sondern machte auch Fehler, die man so nicht jeden Tag sieht. Das zog sich bis zur 25. Minute (12:11) hin, ehe sich die SG BBM einigermaßen standesgemäß auf 17:12 zur Halbzeit absetzte.

Der zweite Abschnitt war recht wechselhaft. Bietigheim brachte keine Konstanz ins Spiel. So wurde es nach dem 28:24 (53.) noch einmal recht stimmungsvoll. Das Endergebnis von 32:26 feierte Halle-Neustadt wie einen kleinen Sieg.