Alle Wege führen zu Konrad Hölz. Wer den hemdsärmeligen Macher nicht kennt, interessiert sich nicht für Fußball, nicht für Kommunalpolitik, nicht fürs Vereinswesen, nicht für dörfliche Strukturen und noch nicht mal für den FC Bayern München. Mit diesem schillerndsten deutschen Club hatte er freilich nichts zu tun, doch während mancher Sitzung des Bad Uracher Gemeinderats schielte er während wichtiger Champions-League-Spiele der Bayern verstohlen auf sein Smartphone. Vom Pressetisch aus konnte man an seiner Mimik in etwa den Spielstand ablesen.

Hoeneß von der Alb

Er selbst war im Fußball Torwart, in seiner zweiten Karriere als Funktionär und Vorsitzender des TSV Wittlingen schaffte er es sogar in die Landesliga und wurde über die Grenzen seines Heimatorts hinaus bekannt. Als „der Hoeneß von der Alb“. Das war durchaus ein Adelstitel. Zumindest, bis das Managervorbild aus der bayerischen Hauptstadt über ein Steuervergehen stolperte.

Es war der 2. April 1945, als Konrad Hölz in Urach zur Welt kam. Sein Vater notierte dazu in seiner Bibel: „In Deutschlands dunkelster Stunde kam mein Sohn zur Welt.“ Dunkel und gleichermaßen gefährlich, denn an jenem Tag herrschte Bombenalarm, ein Abwurf, wie noch wenige Monate zuvor blieb allerdings aus. Und so konnte sich der Bub entwickeln. Zum Maschinenschlosser, zum Meister, schließlich zum Produktionsleiter bei Uniplast in Dettingen.

„Zu mir sagt man übrigens Konrad“

Was ihn von Kindertagen an begleitete, war das spitzbübische Grinsen. Oft verband er es mit einem Handschlag und den Worten: „Zu mir sagt man übrigens Konrad.“ Dieser Verbrüderung entgingen nur hohe Amts- und Würdenträger. Und freilich politisch radikal Andersdenkende, die er irgendwo ganz weit links verortete. Die CDU war seine politische Heimat, gesunder Konservatismus, wie er es gerne nannte. Er war Stadtrat und hat zusammen mit seinen Weggefährten, von denen sein Freund Gerhard Steinhart und Katharina Stäbler wohl die wichtigsten Begleiter waren, manche hitzige Debatte geführt. Er galt als Mann klarer Worte. „Herr Bürgermeister“: Wenn er einen Redebeitrag mit dieser vermeintlichen Höflichkeitsfloskel begann, duckten sich die derart Angesprochenen innerlich, denn sie wussten, jetzt kommt noch was. „Die Volksseele kocht“, war dann meistens die Überleitung zu einer Hölz’schen Analyse des Istzustands, mit dem er sich nicht abfinden wollte, und die nicht immer bequem war für den jeweils amtierenden Rathauschef, von denen er immerhin vier erlebte: Fridhardt Pascher, Markus Hase, Markus Ewald und Elmar Rebmann. Und wenn Konrad Hölz der Meinung war, er werde von der Verwaltung hingehalten, bemühte er schon mal in leicht abgewandelter Form Goethe: „Der Worte“, hub er an, „sind genug gewechselt, jetzt müssen Taten folgen.

Damit kannte er sich aus. Die Dinge, so schien es, lernten von sich aus laufen, wenn er es anordnete. Er war ein Macher. In 36 Jahren als Vorsitzender des TSV hat er den Sportheimausbau vorangetrieben, und dass der Rasen des heutigen Bezirksligisten mit dem in München fast mithalten kann, liegt nicht nur an Greenkeeper Volkmar Holder, sondern auch am Vorsitzenden, dem Qualität auf dem Platz stets wichtig war. Und das bezog sich nicht nur auf die Kicker. Sogar Schafe fühlten sich am Sportplatz wohl. Alle zwei Jahre ist der TSV Gastgeber des Leistungshütens, einem festen Bestandteil des Schäferlaufwochenendes. Konrad Hölz hätte dieses Fest genießen können, aber sich zurücklehnen und zuschauen war nie seine Welt. Wie selbstverständlich arbeitete er mit. Meist dort, wo es gerade notwendig war. Konrad Hölz war von 1999 bis 2014 Ortsvorsteher in Wittlingen. Von 2009 an war er Kreisrat. In jenem Jahr erhielt er das Verdienstabzeichen des Städtetags. In einem der letzten Telefonate, das er mit unserer Redaktion geführt hat, war seine Antwort auf die obligatorische Frage, wie es ihm gehe, verhalten: Nicht so gut, sagte er und klagte über ein Schwindelgefühl. Alsbald bekam er eine niederschmetternde Diagnose.

Die Stauffermedaille des Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg konnte er nicht mehr persönlich entgegennehmen, auch die Bürgermedaille der Stadt Bad Urach nicht. Am Samstag hat sein Körper den Kampf gegen die Krankheit verloren. Konrad Hölz, oder einfach Konrad, wie ihn die meisten nannten, hinterlässt seine Frau Ursula, seine Töchter Christina, Sibylle, Julia und Isabell sowie seine Enkel Johannes und Anna-Maria. Ihnen allen wird nicht nur sein schelmisches Grinsen fehlen.

Die Trauerfeier ist am Mittwoch, 21. November, um 13 Uhr in der Amanduskirche in Bad Urach.