Metzingen Tragekomfort aus der Wohlfühloase

Ulrich Koch, Silke Schönherr, Sabine Makram, Ulla Krämer und Karin Bähr (von links) präsentieren die Büchertasche. Sie wurde von den Büchereien Metzingen, Bad Urach, Dettingen, Münsingen und Eningen gemeinsam entworfen.
Ulrich Koch, Silke Schönherr, Sabine Makram, Ulla Krämer und Karin Bähr (von links) präsentieren die Büchertasche. Sie wurde von den Büchereien Metzingen, Bad Urach, Dettingen, Münsingen und Eningen gemeinsam entworfen. © Foto: Nadine Wilmanns
Metzingen / Nadine Wilmanns 13.06.2018

Zuhause ist, wo meine Bücher sind – Unter diesem Motto laden die Stadt- und Gemeindebibliotheken aus Metzingen, Dettingen, Bad Urach, Riederich, Eningen und Münsingen nun gemeinsam in ihre Bücherhäuser ein. Ein erstes greifbares Ergebnis dieser Kooperation gibt es bereits: ,,Wir haben gemeinsam eine Tasche auf den Weg gebracht“, sagt der Metzinger Büchereileiter Ulrich Koch. Wer Bücher ausleihen möchte und nur das Handtäschchen dabei hat, kann sich für zwei Euro die stabile Tasche kaufen und ungehemmt mit Büchern füllen. ,,Wir haben jeden Tag Situationen, in denen zum Beispiel Kinder keine Tasche für die ausgeliehenen Bücher haben“, sagt Koch. ,,Außerdem ist unsere Tasche auch unter ökologischen Gesichtspunkten wertvoll, da sie robust ist und immer wieder verwendet werden kann.“

Voneinander lernen

Bisher habe jeder ,,doch sehr für sich allein gearbeitet“, wie Koch bemerkt. Das hat sich mit den regelmäßigen Treffen, die Büchereileiter kommen alle zwei Monate zusammen, geändert. Vom Erfahrungsaustausch haben alle profitiert, man könne viel voneinander lernen, sagen die Beteiligten. ,,Auch der Austausch über ganz alltägliche Themen tut uns allen sehr gut, so kann jeder seine Konzepte weiter verbessern“, sagt die Leiterin der Münsinger Stadtbibliothek, Ulla Krämer. Zu schauen, wie es die anderen machen, spare letztlich auch unheimlich viel Zeit und erleichtere vieles, so Krämer. Sie möchte für ihr Münsinger Bücherhaus neue, bequeme Sitzmöbel kaufen und die in der Metzinger Stadtbücherei gefallen ihr sehr gut. ,,Wir sind ja keine Konkurrenten, sondern Partner“, sagt Krämer. Jeder sei gerne bereit, seine Erfahrungen an die anderen weiterzugeben. ,,Unsere Kooperation gibt es nun seit etwas mehr als zwei Jahren“, berichtet Koch. ,,Wir ergänzen uns wirklich sehr gut.“ Das Projekt Bibliothekstasche hätte eine Bücherei alleine gar nicht stemmen können, gemeinsam konnte das Vorhaben nun aber realisiert werden.

Die Herausforderungen und etwaige Veränderungen lassen sich besser meistern, wenn man sich mit anderen austauschen kann. Im Zeitalter der digitalen Medien haben alle Büchereien zu kämpfen, so die Leiterin der Gemeindebücherei Dettingen, Sabine Makram.

Treffpunkt für den Ort

Ulrich Koch wird konkret: ,,Die Metzinger Bücherei ist 30 Jahre alt und funktioniert so nicht mehr.“ Die wenigen Computerplätze seien überlaufen. Mit dem neuen Bildungsplan gebe es außerdem noch mehr Zusammenarbeit mit den Schulen. ,,Da öffnen sich für uns vermehrt neue Aufgabengebiete im medienpädagogischen Bereich.“ Die Bibliothek gebe den Kindern oft Hilfestellung dabei, Recherche- und Medienkompetenz zu entwickeln.

Der Bibliotheksalltag entwickle sich weg vom klassischen Bild, ausleihen, zu Hause lesen, zurückbringen. Vielmehr werden Büchereien zu Treffpunkten, Kommunikationszentren und zum Ort des gegenseitigen Austauschs. ,,Wir sind ein Ort, an dem Menschen aus allen Bevölkerungsschichten zusammen kommen“, sagt Koch. ,,Wir möchten ein Treffpunkt für die Bevölkerung sein“, erklärt Makram. In Dettingen könne jeder auch auf eine Tasse Kaffee vorbeischauen, in einer Zeitung blättern und auf diese Weise Wartezeit überbrücken. Gerade wegen der übersichtlichen Größe der jeweiligen Büchereien habe man die Chance, mehr auf die Leser einzugehen und bewusst eine persönliche Atmosphäre zu pflegen. Als ,,nicht kommerzielles Kommunikationsforum“ soll die Bibliothek eine Oase und ein Rückzugsort für ihre Besucher sein. Wie zu Hause eben – die Bücher sind ja da.

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