Für Josef und Petra Kübler ging am Montag eine kleine Ewigkeit zu Ende. Die passionierten Wohnmobilisten aus Kirchberg an der Iller (Kreis Biberach) waren unter den ersten, die es sich auf dem Wohnmobilstellplatz unweit des Bad Uracher Kurgebiets häuslich eingerichtet hatten. Seit Beginn der Woche ist er, wie auch die Campingplätze Pfählhof oder Lauberg in Böhringen, unter Einschränkungen wieder geöffnet.

Eingeschränkt offen

Offen stehen die Anlagen nach vielen Wochen derweil nur für Gäste, die sich autark versorgen können. Gemeinschaftseinrichtungen wie Sanitäranlagen, Außenwaschbecken oder Waschmaschinenräume bleiben vorerst geschlossen. Camper, die spontan mit ihrem Zelt anreisen wollen, haben vorerst noch das Nachsehen.

Ein Stück Freiheit in Zeiten von Corona

Dem Tag, an dem sie mit ihrem Wohnmobil wieder unterwegs sein durften, um einen kleinen Miniurlaub samt Übernachtung einzulegen, fieberten Josef und Petra Kübler lange entgegen. Für sie war klar: Sobald es die Gesetzeslage erlaubt, sind sie am Start. Nun ist Bad Urach zwar nicht Schottland – ein Ziel das sie eigentlich im Visier hatten bevor Corona kam – aber: „Jetzt sind wir einfach mal wieder weg gewesen“, freut sich der 67-Jährige über die zurückgewonnene Freiheit und eine Auszeit von den eigenen vier Wänden.

Die Menschen scharren mit den Hufen

Und mit diesem Wunsch stehen die Küblers ganz offensichtlich nicht alleine da. Die ersten touristischen Lockerungen sorgten für eine erhöhte Betriebsamkeit bei der Bad Uracher Kurverwaltung. „Wir hatten heute Morgen jede Menge Anrufe“, berichtete Bad Urachs Tourismuschef Torsten Clement am Montag. „Die Leute scharren mit den Hufen.“ Dauercamper aber insbesondere Wohnmobilisten dränge es wieder nach draußen. Zahlreiche Reservierungswünsche mussten beantwortet werden, geordert wurde aber auch Werbematerial in Form von Prospekten.

Hohe Zahl an Reservierungen

Dieser Tage zeigt sich der Stellplatz der Wohnmobilfreunde zwar noch recht übersichtlich bestückt, doch zahlreiche rote Zettel markieren jene Stellplätze, die für die kommenden Tage bereits reserviert sind. Gut die Hälfte der insgesamt 26 sind schon weg. Vor allem die Tage um Christi Himmelfahrt wollen offenbar viele Menschen nutzen, zumindest etwas Urlaubsfeeling aufkommen zu lassen.

Tourismus-Flüchtlinge aus Bayern

Dabei fällt ins Auge, dass viele Gäste, die in Bad Urach mehrere Tage Station machen wollen, aus dem benachbarten Bundesland Bayern anreisen werden. Ob aus München, Augsburg, Erlangen oder dem Allgäu: Im Land mit dem weiß-blau karierten Himmel öffnen Stellplätze und Campingplätze voraussichtlich erst wieder zu Pfingsten.

Verstärktes Marketing

Die Nachfrage nach Urlaubsmöglichkeiten in der nahen Ferne, anlässlich weitgehend ungewisser Reiseaussichten ins europäische Ausland, ist für Clement Anlass, verhalten optimistisch in die Zukunft zu blicken. „Ich hoffe auf einen guten Sommer“, sagt er und hat auch die darbenden Hotels und Besitzer von Ferienwohnungen im Blick. Man wolle nun verstärkt Marketingmaßnahmen ergreifen, um etwas vom innerdeutschen Tourismus-Kuchen abzubekommen. Alleine, derzeit sei unklar, wie groß der Kuchen eigentlich ist. „Es kann sein, dass es nur das ausgleicht, was bisher gefehlt hat.“

Neue Gäste als Chance

Gleichwohl sieht Clement in der jetzigen Situation auch Chancen. Manch einer, der sonst nach Schottland gefahren wäre, entdeckt nun eben Bad Urach. „Es ist ganz schon hier“, sagt ein solcher: Josef Kübler.

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Stellplätze für Wohnmobile unterhält die Stadt Bad Urach. Gut die Hälfte ist für die Tage um Christi Himmelfahrt bereits reserviert. Viele Gäste kommen aus Bayern.