Schon seit etlichen Jahren besteht eine Partnerschaft zwischen der Brasilien AG des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums und dem Gonzalinho-Projekt in Brasilien. Auch dieses Jahr war eine Gruppe junger Metzinger wieder in dem südamerikanischen Land. Lucy Hentschel, eine der beiden Freiwilligen im Gonzalinho-Partnerprojekt, berichtet im folgenden und letzten Teil über den Besuch der Metzinger.

"Hier bei uns in Brasilien klettert das Thermometer weiter und statt bunter Blätter an den Bäumen reifen jetzt die Mangos. Der Brasilien-Austausch 2014 liegt hinter uns und zurück bleiben viele tolle Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse, eine frisch bemalte Mauer, ein neuer Gehweg, neue Schaukeln an den Bäumen des Projekts und die Fragen der Kinder nach den Austauschschülern. Im Kinderprojekt hält wieder der Alltag Einzug und für uns beginnt nach den Wochen des Austauschs nun der reguläre Freiwilligendienst. Ein normaler Tag im Projekt splittet sich in eine Vormittagsschicht mit den Kindern und einer Schicht am Nachmittag mit den Jugendlichen. Zu den jeweils entgegengesetzten Zeiten besuchen die Kinder die Schule.

Mich hat besonders am Anfang die Frage beschäftigt, welchen Effekt das Projekt auf das Leben der Kinder und ihre Familien hat und wie groß die Notwendigkeit der außerschulischen Betreuung ist. Zuerst einmal ist es sehr spannend mit den Kindern zu spielen und auch ohne gute Sprachkenntnisse auf eine Weise zu kommunizieren und sie so kennen zu lernen. Die Art, wie sie spielen und miteinander umgehen, lässt ahnen, dass das Projekt einen sehr positiven Einfluss auf sie hat und ihre Sozialkompetenz schult. An jedem Tag steht eine Aktivität, also ein bestimmtes Thema, im Mittelpunkt. So fand während der Zeit des Austauschs zum Beispiel eine Einheit zu Regeln und gutem Verhalten statt, bei der die Kinder selbst Regeln aufschreiben konnten und im Anschluss passende Bilder dazu (aus)gemalt haben. Es war offensichtlich, dass sie genau wussten, was die wichtigen Regeln sind und vor allem auch, warum diese Regeln für die Gemeinschaft bedeutend sind.

Um jedoch noch intensiver zu verstehen, wie wichtig die Betreuung ist, haben wir - also die ganze Brasilien-AG - in Kleingruppen die Kinder, deren Eltern sich dazu bereiterklärten, im häuslichen Umfeld besucht. Jede Kleingruppe wurde durch eine Person mit guten Portugiesisch-Kenntnissen begleitet, so konnten wir auch mit den Eltern gute Gespräche über ihre Lebenssituation und die Bedeutung des Projektes für sie führen.

Der Tenor ist eindeutig: Alle besuchten Eltern sind sehr dankbar für die Vormittags- beziehungsweise Nachmittagsbetreuung, da sie selbst durch Arbeit oder andere häusliche Pflichten eine kindgerechte Betreuung nicht gewährleisten können. Ohne das Projekt würden die Kinder unbeaufsichtigt einen Großteil des Tages verbringen und möglicherweise sogar Drogenhandel oder Kriminalität ausgesetzt sein. Es gab Eltern, die berichtet haben, dass sie ihre Kinder früher im Haus eingeschlossen haben, bevor es das Projekt gab. Die Familie eines Geschwisterpaares aus dem Projekt, Luan und Luana, ist beispielsweise von einer ländlichen Gegend in die Stadt gezogen, da dort die Schulbildung besser ist und sie ihren Kindern eine chancenreichere Zukunft ermöglichen wollen. Das Landleben war jedoch sicherer und schöner. Einen großen Teil dieser Sicherheit in der Freizeit der Kinder kann jetzt das Projekt leisten, was die Mutter sehr froh macht".

Gabriel, der seit acht Jahren im Projekt mitmacht und inzwischen 13 Jahre alt ist, antwortet auf die Frage, was ihm das Projekt bedeute: "Das Projekt ist mein Leben. Ich möchte einmal Lehrer werden und auch hier arbeiten, wenn ich groß bin." Die Motivation der Kinder färbt auf uns ab und gibt uns viel Antrieb und Vorfreude auf alles Kommende in diesem Jahr.