Metzingen / Susanne Eckstein  Uhr

Dieser spanische Abend fand regen Zuspruch. Oliver Bensch und die Seinen haben eine ansprechende Werkfolge zusammengestellt, offenbar intensiv geprobt und nun mit viel Können und Spielfreude aufgeführt. Auch die Werkeinführungen im Programmheft boten Interessantes: Luigi Boccherini war eigentlich Italiener, lebte aber in Spanien. An die Stelle seines früheren Hits, das Menuett, ist mittlerweile die „Musica notturna delle strade di Madrid“ getreten, eine Schilderung des nächtlichen Straßenlebens in Madrid.

Eigentlich für Streichquintett gedacht, wurde diese Nachtmusik nun von Oliver Bensch und seinen etwa 30 Streichern im Wechsel von Solo und Ensemblespiel aufgeführt. Teilweise werden hier die klassischen Streichinstrumente als Gitarren behandelt: zwar nicht übers Knie gelegt, aber spanisch angeschlagen oder kunstvoll gezupft. Die Straßen-Episoden vom Glockenschlag bis zum fern verklingenden Zapfenstreich wurden gekrönt durch eine hinreißende Solokadenz von Konzertmeisterin Beatrice Erhart.

Echt war die Gitarre von Peter Graneis, der den Solopart in Joaquín Rodrigos „Fantasía para un Gentilhombre“ übernahm; um die Balance zum Orchester zu wahren, benutzte er (dezent) die elektrische Verstärkung. Sein makelloses und klangschönes Spiel kam so fesselnd herüber, dass es am Ende lebhaft bejubelt wurde und er sich mit einer Solozugabe bedankte. Dabei ist die aus alter und neuer Musik gemixte Fantasía nicht ganz einfach umzusetzen: Den harmonischen Klängen von Sologitarre und Streichern steht ein kleiner Bläsertrupp gegenüber, der gewollt misstönend dazwischenzufunken hat. Wer macht schon gern den Störenfried?

Wenn man das jetzige Metzinger Kammerorchester mit seinen Auftritten vor etwa 15 Jahren vergleicht, hat es enorm zugelegt: Nicht nur an jungen Mitstreitern, sondern auch an spontaner Musizierfreude. Laienorchester können keine Profi-Präzision erreichen, aber sie können sich – unter Anleitung eines klugen Dirigenten – mit der Musik auseinandersetzen und sie mutig, differenziert und mitreißend gestalten. Das ist dem Metzinger Kammerorchester unter der engagierten Leitung von Oliver Bensch in bemerkenswerter Weise gelungen. So kann es sich auch an sinfonische Raritäten wagen, dieses Mal an die einzige Sinfonie von Juan Crisóstomo de Arriaga. Er war Spanier, kam als hochbegabter Kompositionsstudent nach Paris und starb dort tragischerweise kurz vor seinem 20. Geburtstag. Seine Sinfonie in d aus dem Jahr 1824 ist nicht eigentlich „spanisch“ im späteren nationalromantischen Sinn, sondern sozusagen europäisch; manches erinnert an Schubert.

Bensch und das Kammerorchester betonten die romantische Seite, indem sie Spannung aufbauten, Kontraste schärften und dem Stück insgesamt eine differenzierte, tiefgründige und quasi südlich glühende Interpretation angedeihen ließen. Während die Rhythmen im „Minuetto“ mehr Prägnanz hätten brauchen können, gelang der Rest vorzüglich. Besonders eindrucksvoll: die schön phrasierten Kantilenen im zweiten Satz, die beseelten Flötensoli und der spannungsreiche Finalsatz, dem lang anhaltender Beifall folgte.

Orchester ist als Verein organisiert

Das Kammerorchester Metzingen ist 1971 entstanden, es firmiert seit 1999 als eingetragener Verein. Zweck des Vereins ist die Förderung von Kunst und Kultur durch gemeinsames Musizieren in klassischer Orchesterbesetzung und unter fachkundiger Leitung. Der Orchesterverein ist bemüht, mit Solisten, Chören und anderen geeigneten Orchestern zusammenzuarbeiten. Der Verein fördert insbesondere jugendliche aktive Mitglieder. Der Verein hat 35 Mitglieder. Weitere Informationen gibt es unter www.kammerorchester-metzingen.de.