Die lange und intensive Debatte ums Kombibad hat die Metzinger politisiert und ihr Interesse an der Kommunalpolitik angefacht. Dieses Interesse wach zu halten und die Bürger auch künftig in die Entscheidungsprozesse einzubinden, darin sehen die Freien Wähler eine zentrale Aufgabe für die kommenden Jahre. Am 26. Mai stellen sie sich dem Votum der Wähler mit einer Liste, deren Bewerber ein Durchschnittsalter von 57 Jahren aufweisen. „Die Zahl“, sagt Peter Rogosch, Fraktionsvorsitzender der FWV im Gemeinderat, „stellt uns nicht ganz zufrieden.“ Wiewohl die Erfahrung der Älteren durchaus wertvoll für eine gute Entscheidungsfindung sei. „Aber“, sagt Rogosch, „wir warten auf die Jungen.“

Der Wille, sich am eigenen Wohnort ins politische Geschehen einzumischen, sei dabei sowohl in der Kernstadt als auch in den Stadtteilen vorhanden. Gerade in Neuhausen und Glems gebe es viele Einwohner, die sich einbringen möchten. Ablesen lässt sich das unter anderem an den Kandidatenlisten für die Ortschaftsräte. Sowohl in Neuhausen als auch in Glems bewerben sich dieses Mal Frauen und Männer um ein Mandat, die vor fünf Jahren noch nicht im Ort gelebt haben, sagen Lilli Reusch und Andreas Seiz. Ein Trend, den beide Ortsvorsteher höchst positiv bewerten. Nun gelte es, dieses Interesse wach zu halten, sagt Dr. Christiane Hauber, auch um den kommunalpolitischen Nachwuchs an die wichtigen Themen heranzuführen und in die Gremienarbeit einzubinden.

Ein Paradigmenwechsel

In der FWV, sagt Lilli Reusch, werden die Neuen jedenfalls auf eine höchst lebhafte Debattenkultur treffen, die auch deshalb so gut gedeihe, weil es einen gesunden Mix aus altgedienten und neuen Mitgliedern gebe. In einigen Bereichen, etwa auf dem Feld der Kinderbetreuung, seien nun allerdings die Jungen gefragt, ihre Meinungen zu vertreten, erklärt Reusch.

Mitsprechen, gefragt werden, das wollen die Bürger heutzutage, betont auch Peter Rogosch, der seit 24 Jahren als Metzinger Stadtrat tätig ist. Hier habe sich in den vergangenen Jahren ein Paradigmenwechsel vollzogen. Heute würden die politischen Themen zwar vom Gemeinderat und von den Kommunalpolitikern benannt. „Wir gehen aber davon aus, das gemeinsam mit den Bürgern umzusetzen.“ Dieser neue Politikstil komme bei den Metzingern gut an, „wie wir bei der Kandidatensuche gemerkt haben“.

Mehr als ein Jahr lang habe sich die FWV auf die Kommunalwahl vorbereitet, Themen definiert und ein klares Profil entwickelt, schildert Rogosch. Was nicht ganz einfach gewesen sei, wie Christiane Hauber betont. Schließlich gebe es bei vielen kommunalpolitischen Themen  Einigkeit unter den Parteien. „Aber wir trauen uns auch, an Themen furchtlos heranzugehen.“ Im Sinn hat sie dabei das ewig aktuelle Thema „Verkehr“ oder den geplanten Neubau in der Ohmstraße. Gleichzeitig müssten die Kommunalpolitiker gemeinsam mit den Bürgern darüber diskutieren, wie viel Zuzug Metzingen noch vertragen könne, sowohl im Bereich der Industrieansiedlung als auch beim Wohnungsbau. „Wir wollen“, sagt Peter Rogosch, „eine Debatte über die Grenzen des Wachstums führen.“

„Dort wird angepackt“

Trotz kommunalpolitischer Einigkeit in wichtigen Fragen, dürften die Unterschiede nicht vergessen werden, betont Andreas Seiz. Ohne die FWV würde es in Neuhausen keine Hofbühlbrücke geben, sagt er. Gleichwohl bedürfe es einer guten interfraktionellen Zusammenarbeit, um die anstehenden Projekte erfolgreich voranzubringen. In den vergangenen drei Jahren sei unheimlich viel angestoßen worden, wie etwa das neue Feuerwehrmagazin und das Kombibad. Vorhaben, die der neue Gemeinderat nun erst einmal abarbeiten müsse.

Die Ortschaftsverfassung, an deren Fundament der eine oder andere gerne rütteln würde, möchte die FWV unberührt lassen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl in Neuhausen und Glems sei mustergültig, urteilt Peter Rogosch. „Dort wird angepackt.“ Dass die Themen aus den Stadtteilen mitunter sehr direkt im Metzinger Rathaus ankommen, sei nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass beide Ortsvorsteher für die FWV im Gemeinderat sitzen, betont Andreas Seiz. „Das ist ein Glücksfall für die Ortsteile.“

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Serie zur Kommunalwahl am 26. Mai


Die Bürger in Metzingen sind aufgerufen, am 26. Mai ihr neues Kommunalparlament zu wählen. Um die Sitze im Gemeinderat bewerben sich Kandidaten auf fünf Listen (CDU, Freie Wähler, Bündnis 90/Die Grünen, SPD, FDP). In den kommenden zwei Wochen werden wir die kommunalpolitischen Ziele aller Listen vorstellen. Zum Auftakt haben wir mit vier Vertretern der FWV-Fraktion gesprochen.