Das Amt von Hengens Ortsvorsteher Gerhard Stooß war schon einmal leichter als dieser Tage. Er ist Ziel von Nachfragen, aber auch von Ärger, und kann doch nur mit den Schultern zucken. „Die Volksseele kocht“, beschreibt er kurzatmig die gegenwärtige Situation.

Der Grund für die Aufregung in Hengen, aber auch in Wittlingen, ist die Bekanntgabe von Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann, wonach die Straßenverkehrsbehörde im Reutlinger Landratsamt eine verkehrsrechtliche Anordnung erlassen hat, die Autofahrern bei einer Querung der beiden Orte Tempo 30 vorschreibt. Anlass der Maßnahme, so richtete es Rebmann bereits Ende Juni im Bad Uracher Rat aus, sei der zunehmende Ausweichverkehr, der sich nach der sanierungsbedingten Sperrung der Ulmer Steige seither seine eigenen Wege sucht. Die Anordnung habe derweil temporären Charakter und soll nach der Freigabe der Ulmer Steige, Ende September, wieder aufgehoben werden.

Bislang wurden noch keine Schilder aufgestellt

Viele Einwohner in Wittlingen und Hengen fieberten der baldigen Temporeduzierung an den Ortsdurchfahrten entgegen. Umso größer ist nun der Ärger, denn seit Ende Juni ist nichts passiert. Heißt: Bislang wurden noch keine Schilder aufgestellt, die die vorbeieilenden Autofahrer auf die neue Situation aufmerksam machen. Den Ärger nur noch vergrößert hat der Umstand, das nur etwas hangabwärts, just jene Schilder aufgestellt wurden, die die beiden Albgemeinden doch so gerne auch bei sich gesehen hätten. An der Durchfahrt Georgiisiedlung jedenfalls gilt seit einiger Zeit Tempo 30. Wurden Hengen und Wittlingen von der Welt, oder doch zumindest vom Landratsamt im fernen Reutlingen vergessen? Ein Telefonat mit der Behörde bringt Klärung.

Die 30 bestellten Tafeln waren wohl zu viel für den Lieferanten

Selbstverständlich habe die angeordnete Temporeduzierung von 50 auf 30 weiterhin auch in Hengen und Wittlingen Bestand, erklärt Frank Söll, im Landratsamt als Geschäftsteilleiter Bau und Betrieb auch für den Straßenbau zuständig. Dafür, dass dies nicht auch entsprechend beschildert ist, macht er indessen den Lieferanten der Schilder verantwortlich. Dieser sei im Verzug und konnte die 30 bestellten Tafeln bislang nicht aushändigen.

Dabei geht es nicht nur um die kreisrunden mit der 30 in der Mitte, sondern vor allem um den erklärenden Zusatz darunter, wonach es sich um eine Maßnahme des Lärmschutzes handelt. „Dass 30 Stück auf einmal benötigt werden, kommt nicht so oft vor“, sagt er. Obendrein sei mit der verkehrlichen Belastung der beiden Bad Uracher Teilorte nicht zu rechnen gewesen, erklärt er. Schließlich handle es sich nicht um die offizielle Umleitungsstrecke. Findige Autofahrer im Zusammenspiel mit ihren nicht minder findigen Navis jedoch, lehren nun etwas anderes.

Doch Söll hat auch gute Nachrichten für die verkehrsgeplagten Anwohner in Hengen und Wittlingen. Der entsprechende Lieferant habe fest zugesagt, dass die metallenen Verkehrszeichen im Verlauf dieser Woche eintreffen werden.

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Verkehrsschilder fehlen, um in Hengen und Wittlingen über Tempo 30 zu informieren. Nach Lieferengpässen sollen sie nun Ende der Woche montiert sein. wag