Am Samstag hat Metzingens Feuerwehrkommandant Hartmut Holder in seinem Garten die Ankunft von Sabine vorbereitet. Sabine ist keine, mit der man verwandt sein möchte. Sie ist das seit Tagen angekündigte Orkantief, das von einem Jetstream befeuert mit Windstärken von bis zu 160 Stundenkilometern auch aufs Ermstal zurast. „Wenn es kommt, haben wir ein Problem“, sagt der Kommandant. „Dann fliegen Dachziegel und alles, was nicht gesichert ist, durch die Luft.“ Bäume werden entwurzelt, Äste fallen herab. Windstärke elf bis zwölf ist eine Dimension, bei der ernste Schäden wahrscheinlich sind.

Drohender Sturm

In seinem Garten hat Hartmut Holder alles angebunden, was anzubinden war. Schwerer hat er es in seiner Funktion als oberster Feuerwehrmann in Metzingen: „Wir rüsten uns gegen alles“, berichtet er, aber bei einem drohenden Sturm besteht die Haupttätigkeit aus Warten. Am Sonntag gegen 11 Uhr hört er, dass die Windstärke am Feldberg schon auf 100 Stundenkilometer beschleunigt hat. In Metzingen sieht er, wenn er aus dem Fenster schaut, wie sich die Zweige eines Nadelbaums sanft im Wind wiegen, der eher ein laues Lüftchen ist. Sechs Stundenkilometer zeigt die App des Deutschen Wetterdiensts fürs Ermstal an.

Feuerwehr mit Kettensägen

Die Ankunft Sabines wird seit Tagen vorhergesagt. Deswegen hat die Freiwillige Feuerwehr Metzingen den Bestand an Kettensägen überprüft und gewartet. Erfahrungsgemäß werden die Sägen zu einem wichtigen Werkzeug, wenn es darum geht, die Sturmschäden zu beseitigen, beispielsweise Bäume, die quer über Straßen liegen. „Es ist eine doofe Situation“, sagt Holder, „man kann nur warten.“ Der Führungsdienst der Metzinger Abteilung ist wie gewohnt organisiert: Ein hauptamtlicher Feuerwehrmann arbeitet im so genannten 24-Stunden-Rhythmus, das heißt, er ist von 6 bis 18 Uhr zusammen mit einem Zugführer auf der Wache, von 18 bis 6 Uhr hat er zu Hause Rufbereitschaft.

Der Orkan kommt

Zu wissen, dass es vermutlich bald krachen wird, ist ein eher seltenes Phänomen bei der Feuerwehr. Bei drohendem Hochwasser nach lang anhaltenden Regenfällen kommt das schon mal vor. Dann rüstet sich die Wehr entsprechen und sorgt für ausreichend Sandsäcke. Im Falle des Coronavirus haben sämtliche Einsatzkräfte ein Merkblatt erhalten, das allgemeine Schutzmaßnahmen vorschreibt. Einsatzkräfte wurden mit Masken und Schutzbrillen sowie Handschuhen ausgestattet, um eine Tröpfcheninfektion nach Möglichkeit zu verhindern: „So ganz wohl ist mir da nicht“, gibt Holder zu, denn in Metzingen hat es nun mal viele internationale Gäste, die des Shoppens wegen kommen, auch aus China.

Der Orkan aber kommt nicht vielleicht. Er kommt. Schon ein Mal hat es Metzingens Feuerwehrkommandant erlebt, dass ein Orkan Tage vorher angekündigt wurde. Das war um die Weihnachtszeit im Jahr 1999.

Wird es so schlimm wie „Lothar“ 1999?

Der Wetterexperte Jörg Kachelmann warnte massiv vor den Folgen eines herannahenden Sturmtiefs, der Deutsche Wetterdienst blieb hingegen vorsichtig zurückhaltend. Was dann über Deutschland hinwegfegte, ist heute noch als „Lothar“ in Erinnerung. Ganze Gebiete wurden entwaldet, Bäume lagen neben- und übereinander als seien sie Teil eines überdimensionalen Mikado-Spiels.

Ein anderes Ereignis war im Voraus bekannt, wurde aber unterschätzt: Vor dem Hagel im Jahr 2013 warnte der Deutsche Wetterdienst vor mächtigen Gewittern. Dass sie in den Landkreisen Reutlingen und Esslingen in einer Hagelkatastrophe mündeten, war freilich nicht abzusehen.

Kinder müssen am Montag nicht zur Schule


Die Vorabinformationen des Deutschen Wetterdienstes weisen auf potenzielle Unwetterlagen, insbesondere auch auf Orkanböen, in Baden-Württemberg für Sonntag und Montag hin. Für den Schulbetrieb am Montag, 10. Februar, gibt das Kultusministerium Baden-Württemberg deshalb folgende Hinweise:

Eltern beziehungsweise Erziehungsberechtigte können entscheiden, ob der Schulweg für ihre Kinder zumutbar ist. Falls der Weg zur Schule auf Grund extremer Wetterlagen vor Ort nicht zumutbar ist, können Eltern ihr Kind vom Unterricht befreien lassen. Die Schule ist in diesem Fall zu informieren.