Die Mistel, früher als wertvolle, seltene Pflanze  verehrt, stellt heute etwa im streuobstreichen Ermstal eine Gefahr für Obstbäume dar. Besonders im Winter und Frühjahr fallen an den kahlen Ästen die kugeligen Büsche mit bis zu einem Meter Durchmesser auf. Der Name der Weißbeerigen Mistel (Viscum album), eine von weltweit 1400 Mistelarten, gehe wahrscheinlich auf die Römer zurück, die die klebrigen Beeren zum Vogelfang nutzten. „Viscum“ ist Lateinisch für Leim oder Klebstoff.
Heute werden in der Medizin Blattextrakte zur Blutdrucksenkung, bei Arteriosklerose und zur Krebsbehandlung verwendet. Die Beeren der wurzellosen Misteln, die halbschmarotzend auf Laubgehölzen wie Pappeln, Weiden, Weißdorn, Birken, Hasel, Robinien, Linden, Ahorn, Hainbuche und Apfelbäumen wachsen, sind zudem im Winter eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel, nicht nur die Misteldrossel. „Doch wie bei vielen Dingen ist auch hier des einen Freud des anderen Leid“, warnt der Nabu. Denn die sich über ihre klebrigen Beeren an Vogelschnäbeln ab dem fünften Jahr, wenn sie erstmals blühen, explosionsartig vermehrenden Pflanzen entziehen ihrem Wirt Wasser und darin gelöste Mineralsalze.

Bäume sterben im Extremfall ab

Geschwächte und wenig gepflegte Obstbestände könnten stark geschädigt werden: Dichter Mistelbefall führt zu verminderter Wuchsleistung, zu herabfallenden Ästen und im Extremfall zum Absterben des Baums. Da Streuobstwiesen als artenreichste Lebensräume Mitteleuropas gelten, schlägt der Nabu-Bundesfachausschuss Streuobst Alarm: Auch in Baden-Württemberg sei der flächendeckende Befall etwa von Apfel- und Birnbäumen bereits bestandsgefährdend. Obgleich die Mistel in Deutschland unter allgemeinem Artenschutz stehe, dürfe sie bedenkenlos von Obstbäumen entfernt werden, durch Abpflücken oder -schneiden – am besten jetzt, bevor die Wirtsbäume Blätter tragen.