Metzingen Wie geht es mit Buchhandlung Stoll weiter?

Wie geht es mit der Buchhandlung Stoll weiter?
Wie geht es mit der Buchhandlung Stoll weiter? © Foto: Thomas Kiehl
Regine Lotterer 07.12.2018

Die traditionsreiche Buchhandlung Stoll mit dem dazugehörigen Schreibwarengeschäft steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Die Inhaberin des Geschäfts, Jasmin Waidmann, hat deshalb in der vergangenen Woche beim dafür zuständigen Amtsgericht Tübingen Insolvenz angemeldet. Das Gericht bestellte daraufhin am Dienstag den Tübinger Rechtsanwalt Dr. Michael Riegger zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

Riegger hat nun zunächst den Bestand aufnehmen lassen. Aus diesem Grund waren die Läden, die beide in der Schönbeinstraße zu finden sind, diese Woche zwei Tage lang „wegen Inventur geschlossen“, wie an den Eingangstüren zu lesen war. Ab Samstag soll der Verkauf aber wieder wie gewohnt weitergehen, schließlich können über das Weihnachtsgeschäft Umsätze generiert werden. Ziel des gesamten Verfahrens ist es, den Betrieb aufrecht zu erhalten, sagt Jasmin Waidmann, die Inhaberin von „Buch und Papier Stoll“. Zumal es sich derzeit nur um ein vorläufiges Insolvenzverfahren handelt, wie sie betont.

Die Aufgabe von Insolvenzverwalter Michael Riegger ist es nun zu prüfen, ob genug Masse vorhanden ist, um die Kosten eines Insolvenzverfahrens zu decken. Falls ein Insolvenzverfahren eröffnet wird, könnte Riegger nach einem Käufer oder einem Investor suchen. Im Raum steht allerdings auch die Möglichkeit, dass die beiden Geschäfte ihre Türen schließen müssen. Einen Zeitrahmen, bis wann eine Entscheidung zur Zukunft fällt, gibt es derzeit noch nicht, betont Jasmin Waidmann. Sie hat „Buch und Papier Stoll“ im Jahr 2012 von ihrem damaligen Chef erworben. Insgesamt sieben Teilzeit-Angestellte sind in den beiden Läden beschäftigt.

In finanzielle Schwierigkeiten geriet das Geschäft aus verschiedenen Gründen, wie Waidmann sagt. Zum einen habe es finanzielle Fehler bei der Übernahme der Buchhandlung gegeben. „Da hat auch Unwissenheit eine Rolle gespielt“, gibt Waidmann zu. Um den Kauf zu finanzieren, muss ihr Betrieb bestimmte Umsätze erzielen, die lassen sich aber wegen eines sich verändernden Umfelds immer schwerer generieren. Das liegt zum einen am stetig wachsenden Onlinehandel und damit an einem Faktor, der allen klassischen Ladengeschäften zu schaffen macht. Die Kunden bestellen lieber vom heimischen Sofa aus und lassen sich die Waren an die Haustüre liefern, statt selbst in die Stadt zum Einkaufen zu gehen.

Zu diesen generellen Trends gesellten sich Probleme, die mit der Situation in Metzingen zusammenhängen. Weil die Parkplätze an der Sieben-Keltern-Schule während der Sanierung des Gebäudes ebenso fehlten wie während der Bauarbeiten am Posthof-Areal blieben zunehmend Kunden weg. Zumal freie Stellplätze in der Schönbeinstraße generell Mangelware sind. Denn allzu weite Wege bis zur Ladentüre nehmen Einkäufer nur noch ungern auf sich. Dazu fanden immer seltener Laufkunden den Weg in die Schönbeinstraße. Das hängt nach Meinung von Jasmin Waidmann auch damit zusammen, dass die Eisdiele auf dem Kelternplatz geschlossen hat.

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Jahre ist es her, seit die Buchhandlung Stoll in Metzingen eröffnet hat. Seither gibt es dort Romane, Reiseführer, Krimis und vieles mehr zu kaufen.

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