Die Stickkunst kann wahrlich vielseitig zum Einsatz kommen, wie die Arbeiten des Stickkreises beweisen: Bestickte Handtücher, Lätzchen mit liebevollen Motiven, Taschen oder Tischdecken. In akribischer Feinarbeit gestickte Decken, die frisch gestärkt und gemangelt jede Tafel verschönern, sind eben bleibende Werte.

Im Metzinger Stickkreis schwingt der harte Kern schon seit 25 Jahren gemeinsam die Nadel. Erna Feuchter gründete den Kreis damals kurz nachdem ihr Mann gestorben war. "Ich habe eine Beschäftigung gesucht", erinnert sie sich an die Anfänge des Stickkreises. Dank Mundpropaganda fand sich schnell eine nette Runde handarbeitender Frauen zusammen, die sich bis heute 14-tägig treffen. Wegen der jährlichen Ausstellungen gesellen sich auch immer wieder neue Handarbeiterinnen zum Stickkreis.

Langweilig wird es den Damen auch nach vielen Jahren Handarbeit nicht, gibt es doch zahlreiche verschiedene Techniken und Motive. "Man muss sich konzentrieren, kann aber gleichzeitig wunderbar dabei entspannen", schwärmt eine passionierte Stickerin von ihrem Hobby.

Am Ende des Jahres werden dann alle Arbeiten zu einer Ausstellung im Klosterhof zusammengetragen. Bei Kaffee und mehr als 30 leckeren, selbstgebackenen Kuchen können die Besucher des Metzinger Weihnachtsmarktes dann die filigranen Stickarbeiten bewundern und natürlich käuflich erwerben. Den gesamten Erlös spendete der Stickkreis in diesem Jahr wieder für einen guten Zweck. Michael Breuer vom Tafelladen Metzingen hat seinen Anteil schon in Lebensmittel umgesetzt. "Seit immer mehr Flüchtlinge in den Tafelladen kommen, brauchen wir viel mehr Reis und Speiseöl", erklärte er den geänderten Bedarf an Lebensmittel.

Mehr als 300 Kundenkarten wurden für den Tafelladen zwischenzeitlich ausgegeben. "Man darf aber nicht vergessen, dass an einer Karte meistens zwei oder drei Leute hängen, sodass also 600 bis 700 Personen von uns versorgt werden", gab Breuer zu bedenken. Davon sind ungefähr 100 Flüchtlinge. "Alles anständige junge Männer. Da gibt es gar keine Probleme", betont Michael Breuer. Auch wenn sich im Tafelladen gerade alles die Waage hält, wird doch jede Spende gebraucht und der Beitrag der fleißigen Stickdamen dankbar angenommen.

Auch Gerda Ott von der Seyboldschule in Metzingen freute sich über einen Scheck in Höhe von 300 Euro. Das Geld soll für verschiedene Kursangebote und Ausflüge genutzt werden, die sich bedürftige Kinder sonst nicht leisten könnten.

Der größte Teil des erstickten Geldes ging wieder an den Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen. Damit die Familien krebskranker Kinder, die in Tübingen behandelt werden, bei ihren Kindern sein können, wurde das Familienhaus frisch renoviert. In den sieben Zimmern mit zwei Küchen und einem Wohnzimmer können Eltern und Geschwister so lange wohnen, bis die Behandlung beendet ist. Manchmal handelt es sich dabei um einige Wochen, in manchen Fällen aber sogar um Monate.

Damit die betroffenen Eltern immer wieder Zeit und Möglichkeit zum Reden haben, gibt es einmal in der Woche ein gemeinsames Frühstück und ein Abendessen. Das alles ist ausschließlich dank Spenden möglich. Deshalb freute sich Gerti Weigner vom Förderverein natürlich besonders über den Scheck in Höhe von 1000 Euro aus Metzingen. "Den hängen wir uns im Wohnzimmer auf", versprach sie dem Stickkreis. Bei so viel Dankbarkeit fühlten sich die Damen rund um Leiterin Sonja David natürlich beflügelt sofort wieder zur Sticknadel zu greifen, damit es für die kommende Ausstellung wieder reichlich Verkaufsmaterial gibt. "Die meisten sticken auch viele Stunden zu Hause", lobte Sonja David das Engagement und die Begeisterung ihres Stickkreises.

An neuen Ideen mangelt es den Damen nicht, nur ein wenig am Nachwuchs. "Es wäre schön, wenn noch ein paar jüngere Frauen dazukommen würden", wünscht sich der Stickkreis. Angesichts des Trends modische Strickmützen und Schlauchschals wieder selbst zu produzieren, gar kein abwegiger Wunsch. So kann doch jeder, der ein wenig Fingerfertigkeit und die nötige Freude dran mitbringt, Sticken lernen. Und schafft so in netter Atmosphäre etwas Bleibendes, an dem sich vielleicht auch die folgende Generation erfreuen kann.