Städtebaulich schien die Idee der Verwaltung, im Neugreuth zwischen dem Schulkomplex mit Sportplatz und dem KBF-Kindergarten fünf oder gar sechs Wohngebäude zu errichten, gar nicht schlecht zu sein, wie sich CDU-Fraktionsvorsitzender Eckart Ruopp im Gespräch mit unserer Zeitung an eine fast genau zwei Jahre zurückliegende Bürgerversammlung und eine nachfolgende Gemeinderatssitzung erinnert. „Das hat auf den Plänen richtig schön ausgesehen.“

Es ging damals um bezahlbaren Wohnraum für 200 bis 300 Menschen: „Wir waren angetan von den Plänen“, räumt Ruopp ein. Doch seitdem scheint das Projekt stehengeblieben zu sein. Vielleicht, so mutmaßt Ruopp, sollte die Herangehensweise an Projekte von solchen Ausmaßen überdacht werden. Reihenhäuser dort kategorisch ausgeschlossen zu haben, könnte ein Fehler gewesen sein, wie er sich und dem gesamten Gremium samt Verwaltung nun vorhält.

Als Folge dieser Einsicht fordert die CDU-Fraktion im Gemeinderat (freilich auf andere Vorhaben bezogen) immer vehementer eine Abkehr von Architektenwettbewerben. Eine Forderung, die die Christdemokraten im Kommunalwahlkampf erneut aufgreifen. Auch deswegen, weil es aus Sicht der CDU mindestens einen Architektenwettbewerb gibt, der der Stadt derzeit große Probleme bereitet.

Es geht um das noch zu bauende Gebäude für Feuerwehr und Bauhof, dessen Planungen bis ins Jahr 2014 zurückreichen. Damals ging die Stadt von 7,3 Millionen Euro Gesamtkosten aus, nach einem Architektenwettbewerb, an dem sich 85  Büros beteiligt hatten und dessen Ergebnis Anfang 2017 vorgestellt wurde, ging es darum, den Siegerentwurf weiterzuentwickeln und Anregungen von Feuerwehr, Bauhof und Preisgericht einzuarbeiten. Inzwischen rechnet man mit Kosten von mehr als 19 Millionen Euro, doch ein Spatenstich ist noch nicht in Sicht: „Das ist bitter“, sagt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Dominik Ohly: „Wir sollten andere Verfahren ausprobieren.“

Mit dieser Haltung bestreitet die CDU ihren Wahlkampf. Und weil es, wie Ruopp sagt, an hochwertigem Wohnraum nicht mangelt, möchte die CDU Konzepte ins Feld führen, die möglicherweise die Stadt mehr in die Pflicht nehmen. Die Idee: Mehr mit Generalunternehmern zusammenzuarbeiten, wobei der Stadt die Aufgabe zuteil würde, die erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen. Würde beispielsweise eine Baugenossenschaft günstige Wohnungen errichten, könnten die Mieten nur dann auf einem bezahlbaren Niveau gehalten werden, wenn die Stadt eigene Grundstücke zum Bodenrichtwert verkauft.

Möglicherweise, wie Ruopp einräumt, im Zusammenspiel mit Erbbaupachtverträgen, die wiederum die Baugenossenschaften in die Pflicht nehmen, die Mieten, je nach Vertrag, über 30 oder 50 Jahre allenfalls moderat zu erhöhen. Dazu aber braucht es ein Liegenschaftsmanagement der Stadt, wie Karin Theis betont, zumindest wäre es nach Ansicht der CDU-Kandidaten hilfreich für das Ratsgremium, wüssten alle umfassend in Sachen städtische Gebäude und Flächen Bescheid.

Auch für Dominik Ohly wäre manchmal etwas mehr Information wünschendwert, insbesondere bei den auch von der CDU geschätzten Bürgerbeteiligungen: „Wenn sich die Leute schon engagieren, dann sollte man ihnen klipp und klar sagen, was machbar ist und was nicht.“

Die oft gehörte Forderung, das Hallenbad zu erhalten, sei so ein Beispiel. Die von der EU erlassene Ökodesignrichtlinie war es, die einer Sanierung im Weg stand. „Hätten das alle gewusst, wäre die Diskussion nicht so aufgeladen geführt worden“, mutmaßt Ohly, der sich namens seiner Fraktion künftig auch dafür einsetzen möchte, dass die Verwaltung bei Großprojekten einer klaren Priorisierung folgt: „Bahnhofsvorplatz, Adenauer-Platz, Parken am Bahnhof: Alles wird skizziert, aber nichts verwirklicht.“

Derart kritisch geht die CDU auch mit ihren vermeintlich stärksten Widersachern um, den Freien Wählern, die gerne betonen, frei von verordneten Parteiinteressen zu sein. Wie hilfreich aber parteipolitische Querverbindungen sein können, habe der Streit zwischen den Städten Tübingen und Reutlingen auf der einen Seite und Metzingen auf der anderen gezeigt, als es um die Erweiterung der Outletcity auf dem ehemaligen G&V-Areal ging: „Im Gegensatz zu anderen Fraktionen haben wir es fertig gebracht, mit unseren Kollegen in Reutlingen zu sprechen“, sagt Ruopp und ergänzt: „Wir waren mindestens so erfolgreich, dass ein Nachdenkprozess einsetzte.“