Metzingen Städte feiern ihre Silberhochzeit

Metzingen / Von Regine Lotterer 12.10.2018

Als die ersten Besucher aus Nagykálló ins Ermstal gereist sind, trennte noch der Eiserne Vorhang  die Länder Europas. Seinerzeit, Mitte der 1980er Jahre, kamen die Ungarn mit dem Wunsch nach Metzingen, mehr über moderne Fertigungsmethoden in der Textilindustrie zu erfahren. Dazu hatten sie Kontakte zur alteingesessenen Firma Gaenslen & Völter geknüpft. Aus diesen ersten geschäftlichen Beziehungen entstand schnell mehr, Bürger und Vereine knüpften Freundschaften.

Ein ereignisreiches Vierteljahrhundert ist vergangen, seit der damalige Metzinger Oberbürgermeister Gotthard Herzig und sein ungarischer Amtskollege János Fodor die Freundschaft zwischen beiden Städten offiziell besiegelten. Am Freitag ist eine große Delegation aus Nagykálló in der Sieben-Keltern-Stadt angekommen, um mit den deutschen Freunden auf dieses Jubiläum anzustoßen und um gemeinsam auf das Erreichte zurückzublicken.

Viele Gruppen, Vereine, Bürger und Offizielle aus beiden Städten haben in den vergangenen 25 Jahren eine 1200-Kilometer-Reise auf sich genommen, um miteinander am Haus Europa zu bauen. Dass dies nach Jahrzehnten des Kalten Krieges möglich wurde, ist nicht zuletzt den Ungarn zu verdanken, die 1989 die ersten waren, die den Eisernen Vorhang öffneten. Bereits 1990 fuhren dann die ersten Metzinger nach Nagykálló, der Trachtenverein Glems und die Trachtenträger der Sudetendeutschen Landsmannschaft vertraten damals erfolgreich die Metzinger Farben in Ungarn. Die Magyaren revanchierten sich mit einem temperamentvollen Auftritt während der 900-Jahrfeier Neuhausens.

Fruchtbringende Kontakte entstanden zudem zwischen dem Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium  und dem Korányi-Frigyes-Gymnasium, das schon in den 1990er Jahren einen bilingualen Zug besaß. Deshalb konnten die älteren Schüler praktischer Weise bei den gegenseitigen Besuchen als Dolmetscher fungieren.

Der 1993 gegründete Partnerschaftsverein Metzingen-Nagykálló hat sich nicht zuletzt die Aufgabe gestellt, den Nachwuchs in seine Arbeit einzubinden. Aus diesem Grund werden für Jugendliche aus Ungarn seit vielen Jahren Praktika und Ferienjobs in Metzingen organisiert, damit diese Deutsch lernen und ihren Horizont erweitern können. Mindestens vier Jugendliche sind jeden Sommer zu Gast im Ermstal. Einblicke erhalten sie unter anderem in die Arbeit des Bauhofs, der städtischen Kindergärten oder des Ferientagheims. Im Jubiläumsjahr waren sogar acht junge Ungarn zu Besuch.

Die wirtschaftlichen Kontakte, die am Anfang der deutsch-ungarischen Freundschaft standen, sind übrigens schnell im Sande verlaufen. Die Textilindustrie in Nagyálló überlebte das Ende des Ostblocks und damit den Wegfall der alten Absatzmärkte in den so genannten sozialistischen Bruderländern nur um wenige Jahre. Auch die Traditionsfirma Gaenslen und Völter existiert inzwischen nicht mehr. Auf dem ehemaligen Werksgelände entstehen im Augenblick neue Gebäude der Outletcity. Geblieben und gewachsen sind dagegen die Freundschaften zwischen den Bürgern beider Städte, zwischen Fußballern und Musikern, zwischen Feuerwehrleuten und Tänzern, die alle gemeinsam an einer Brücke bauen, die mehr als 1000 Kilometer zu überspannen vermag.

Partnerstadt und Partnerschaftsverein

Die Metzinger Partnerstadt Nagykálló liegt im äußersten Nordosten Ungarns und damit gut 1200 Kilometer von Metzingen entfernt. Der Bezirk ­­­Szabolcs-Szatmár grenzt im Osten an die Ukraine und an Rumänien. In der Stadt mit etwa 10 000 Einwohnern sind das ehemalige Komitatshaus im Zentrum und die reformierte Kirche mit ihrem alleinstehenden Turm sehenswert. Der Harangod, ein in der Nähe liegendes Freizeitzentrum mit Gebäuden im Wikingerstil, ist ein beliebtes Ausflugsziel. Der Partnerschaftsverein Metzingen-Nagykálló wurde 1993 gegründet. Erster Vorsitzender war Dr. Emmerich Bakonyi, seit 1995 steht Eckart Ruopp an der Spitze.

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