Metzingen Stadthalle mit Fragezeichen

© Foto: Archiv/Thomas Kiehl
PETER KIEDAISCH 03.03.2015
Eigentlich hätte das Mobiliar der Stadthalle erneuert werden sollen. Im Haushaltsplanentwurf war dafür Geld vorgesehen. Doch im Gemeinderat herrscht Skepsis: Lohnt die Investition überhaupt noch?

Die Stühle für die Stadthalle werden wohl so schnell nicht ersetzt. Zumindest gibt es aus den Fraktionen im Gemeinderat entsprechende Anträge, eine Neumöbelierung zu verschieben. Erstens, weil es die Haushaltslage nicht zulasse, noch funktionstüchtige Stühle ohne Not auszutauschen, zweitens, so war es vergangenen Donnerstag einer Haushaltsrede zu entnehmen, wegen der ohnehin offenen Zukunft des Gebäudes.

In der Tat existieren seit Jahren Überlegungen, das gesamte Areal des Konrad-Adenauer-Platzes neu zu planen. Ein zunächst geplanter städtebaulicher Wettbewerb wurde zwar nie verwirklicht, doch zwischenzeitlich interessierte sich ein Investor für einen Teil des Areals, um dort ein Hotel zu bauen. Auch daraus wurde nichts.

Nun also wird öffentlich die Zukunft der Stadthalle zumindest in Frage gestellt. Kritikern zufolge entspreche sie nicht mehr den heutigen Anforderungen. Vor allem im Sommer klagen Besucher über manchmal unerträglich hohe Temperaturen. Der 1960er-Jahre-Bau hat keine Lüftungs- oder gar Klimaanlage, insofern sind schweißtreibende Veranstaltungen keine Seltenheit. Die Akkustik in der Halle indes wird allseits gelobt. Manche Dirigenten gerieten diesbezüglich geradezu ins Schwärmen. Andere, oft diskutierte, aber deswegen nicht weniger gewichtige Fakten sprechen eine andere Sprache: Die Stadthalle muss gänzlich ohne Nebenräume auskommen. Tagungen in eigens dafür vorgesehenen und dementsprechend ausgestatteten Konferenzräumen kann es nie geben. Eine schwere Bürde für eine Stadthalle, deren Vorzüge sich im Lauf der Jahre auf so subjektive Einschätzungen reduzieren wie „schön“ und „bedingt funktional“. Kurzfristig allerdings gibt es keine Pläne für einen Umbau oder einen Abriss der Halle, wie Metzingens Erste Bürgermeisterin, die parteilose Jacqueline Lohde, berichtet. Die Frage, ob die Halle noch zeitgemäß ist, korreliert mit einem grundsätzlichen Bedürfnis, das die Ratsfraktionen dieser Tage anlässlich der Haushaltsberatungen allesamt geäußert haben: Sie wünschen bezüglich der städtischen Gebäude eine Bestandsanalyse, um daraus ein städtebauliches Konzept ableiten zu können. Die Stadthalle ist nämlich nur eines von vielen Gebäuden, das in die Jahre gekommen ist, grundsätzlich über eine gute Architektur verfügt, keine offensichtlichen Baumängel und nach Ansicht Jacqueline Lohdes „eine schöne Bühne hat .“ Ein anderer Aspekt spricht für die Stadthalle: Der städtische Abmangel ist mit 100.000 Euro vergleichsweise gering.

So ein Gebäudemanagement allerdings ist nicht im Handstreich realisiert. Dazu gehört auch eine Substanzanalyse, das wiederum bedeutet, in jedes Haus zu gehen, den Putz abzuklopfen, den Anstrich der Holzfenster zu begutachten, die gesamte Hülle energetisch einzuschätzen und dergleichen Fitzelarbeit mehr. Ein bis zwei Jahre, schätzt Jacqueline Lohde, wird es wohl dauern, bis die Daten eingepflegt sind. Möglicherweise schlägt der Stadthalle ja aus einem ganz anderen Grund die Stunde: Was, wenn sich der Gemeinderat entschließt, die Sieben-Keltern-Schule in einen Ganztagsbetrieb umzuwandeln? Eine Mensa mit etwa 100 Plätzen wäre in dem Fall dringend notwendig. Doch wo würde die gebaut? „Das wäre sicher kein Platzproblem“, sagt Jacqueline Lohde, die freilich andeutet, dass die Zukunft der Stadthalle langfristig auch mit der Frage verbunden ist, ob jede Kommune sämtliche Infrastruktur vorhalten muss. Insbesondere wegen der Anforderungen, die der Profi-Handball, auch bezüglich der Sporthallendiskussion, an die Stadt stellt, könnte in Sachen multifunktionaler Halle eine interkommunale Lösung angestrebt werden. Eine solche ist derzeit noch nicht angestrebt. Die Stadthalle, so Jacqueline Lohde, „hat Zukunft. Sie wird genutzt und angenommen.“ Auch architektonisch sieht sie den Betonbau nicht als Sündenfall: „Die Halle spricht die Sprache der Zeit, aus der sie stammt.“ Das gesamte Gebäudeensemble auf dem Konrad-Adenauer-Platz, bestehend aus Stadthalle, Hallenbad, Schiller-Turnhalle und Sieben-Keltern-Schule, hat „städtebaulich großes Potenzial“, sagt sie.

Wer freilich in einem Fußballspiel großes Potenzial nach oben hat, wird gerne mal ausgewechselt.