Metzingen Stadtbücherei und Musikschule sind vorbildlich

Barrierefreiheit in der Stadt ist eines der Ziele, die die Inklusionsbeauftragte erreichen möchte.
Barrierefreiheit in der Stadt ist eines der Ziele, die die Inklusionsbeauftragte erreichen möchte. © Foto: Uwe Anspach/dpa
Metzingen / Von Peter Kiedaisch 02.07.2018

Was ist besser: Ein behindertes Kind in einer eigens auf solche Bedürfnisse zugeschnittenen Schule zu unterrichten, oder dem Inklusionsgedanken folgend zwischen nichtbehinderten Kindern? Eine pauschale Antwort ist schwierig, das hat Metzingens Inklusionsbeauftragte, Ute Kern-Waidelich, dieser Tage verdeutlicht, als sie dem Gemeinderat ihren Jahresbericht präsentierte. Vorweg: Ihre Arbeit kommt im Gremium gut an. Metzingens Kindertagesstätten beispielsweise haben ein Qualitätshandbuch, an dem sich Erzieherinnen orientieren können. Was im Alltag möglicherweise zu noch mehr Bürokratie führt, kann im Einzelfall das Leben für betroffene spürbar erleichtern.

Dass die Sieben-Keltern-Schule Metzingens einzige barrierefreie Schule ist, liegt freilich auch daran, dass sie erst vor wenigen Monaten wieder eröffnet und zuvor für fast zwölf Millionen Euro saniert und dementsprechend umgebaut wurde. Jetzt hat sie einen Aufzug, für Rollstuhlfahrer ist also jedes Stockwerk gut erreichbar. Ähnliches gilt fürs Familienzentrum in der Pfleghofstraße. Handlungsbedarf sieht Ute-Kern-Waidelich freilich in der Volkshochschule Metzingen: „Die ist für Behinderte nicht gut geeignet“, sagte sie während der Ratssitzung am Donnerstag. Vor allem die Angebote sind für sie nicht ansprechend genug. Als vorbildlich hingegen bezeichnete sie in dieser Hinsicht die Musikschule (Kinder und Jugendliche mit Behinderung werden in den Alltag integriert) und die Stadtbücherei, wo es Bücher in einfacher Sprache auszuleihen gibt. Dort fehle nur ein automatischer Türöffner, wie er im Rathaus beispielsweise angebracht ist. Die Situation in Restaurants und Cafés in der Stadt bewertet sie hingegen als schlecht. Noch im Juli wird eine Projektgruppe der Realschule die Läden und Geschäfte in der Innenstadt auf Rollstuhlgerechtigkeit überprüfen. Die Ergebnisse sollen dann öffentlich zugänglich gemacht werden in Form einer so genannten „Wheelmap-App“ für Smart- und i-Phones.

Dr. Christiane Hauber (FWV) regte nochmals an, die Situation an der Ecke Reutlinger Straße/Hindenburgstraße erneut zu überprüfen. Sie hatte vor einigen Wochen im Gemeinderat angeprangert, dort stünden zu viele Bistrotische und Kundenstopper (Werbetafeln) vor den Läden und erschweren Rollstuhlfahrern und Menschen, die auf den Rollator angewiesen sind, das Durchkommen. Die Inklusionsbeauftragte stimmte er ihr zu: „Ja, da besteht Handlungsbedarf“. Aber sie warnte davor, zu sehr die Konfrontation zu suchen: „Interessenkonflikte sollten wir vermeiden.“

Manche durchaus als positiv zu bewertende Einrichtung stößt freilich schnell mal an Kapazitätsgrenzen. Beispielsweise das Wim-Haus. „Wim“ steht für Wohnen und Inklusion in Metzingen. In dem Gebäude in Neuhausen leben zwölf behinderte Menschen zusammen in einer Gruppe. Zurzeit gibt es keinen freien Platz.

Doch zur eingangs gestellten Frage, ob behinderte Kinder in einer eigens dafür auch personell ausgestatteten Einrichtung oder in einer Schule für nicht Behinderte unterrichtet werden sollten: Das ist vom Einzelfall abhängig, denn nicht immer tut man mit Einzelinklusion behinderten Kindern einen Gefallen.

Manchmal werden sie dadurch stigmatisiert. Sie sitzen isoliert in der Klasse.

Damit sie nicht stören, dürfen sie sich still mit allerlei Dingen beschäftigen, dabei lernen sie freilich nicht all zu viel. Das hat zumindest Grünen-Stadträtin Susanne Bernauer berichtet.

Sie ist Lehrerin an der Metzinger Seyboldschule: „Manchmal ist es auch gut, Kinder exklusiv zu unterrichten, sonst wird ein Kind ruhig gestellt.“ Das kann auch nicht der richtige Weg sein.

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