Metzingen Stadt, Kultur und Natur

Für sein Legoland ist Günzburg bekannt, für seine Altstadt weniger: Der Albverein hat sich dort umgesehen. Foto: Privat
Für sein Legoland ist Günzburg bekannt, für seine Altstadt weniger: Der Albverein hat sich dort umgesehen. Foto: Privat
Metzingen / SWP 27.09.2012
"Der Tag hat sich gelohnt." So lautete das Urteil der Wanderer aus Metzingen und Umgebung nach dem reichlichen Abendessen in Waldstetten. Ein abwechslungsreicher Tag in Günzburg war vorausgegangen.

Nicht nur der Speisen wegen war alles glücklich und zufrieden, hatte doch ein farbenfroher Herbsttag dank der Touren- und Spurensuche von Klaus Dieter und Rose Lipp viele neue, interessante und schöne Eindrücke vermittelt.

Auf der Autobahnfahrt Richtung München - Salzburg kommt man bald nach Ulm an der Ausfahrt Günzburg und am Kernkraftwerk Gundremmingen vorbei; Günzburg ist inzwischen durch das "Legoland" bekannt geworden. Aber in aller Regel reicht es nur zum Besuch dieser Kinder- und Familienattraktion, nicht aber hinein in das alte Günzburg, das seit der Kastellgründung Guntia durch die Römer wahrscheinlich durchgängig besiedelt war und in seiner Altstadt mit vielen öffentlichen Gebäuden, zahlreichen Gasthäusern und stattlichen Bürgerhäusern den Eindruck einer kleinen vorderösterreichischen Residenz- und Handelsstadt vermittelt - einer schwäbischen Stadt, die gern österreichisch war und höchst ungern bayrisch geworden ist.

In beinahe zwei Stunden lernte die Metzinger Wandergruppe unter der gewissenhaften Führung von Klaus Dieter Lipp das von den Habsburgern erbaute Schloss im Renaissancestil, Teile der Stadtbefestigung mit dem Unteren Torturm als Günzburger Wahrzeichen, die bedeutende Münzstätte (jetziges Rathaus), in der Österreich bis ins 19. Jahrhundert den Maria-Theresientaler prägen ließ, die von Barockgiebelhäusern gesäumte riesige Marktstraße, enge Gassen, die prächtige von Dominikus Zimmermann (dem Erbauer der Wieskirche) errichtete Frauenkirche und noch viele andere Gebäude kennen. Ein deutliches Zeichen für die seit den Römern nicht unterbrochene Bautradition liefern übrigens die Steinbauten - die auf die Germanen zurückgehende Fachwerkbaukunst findet man in Günzburg sehr selten.

Stadtspaziergänge strengen an, machen hungrig und durstig. So war es auf der Fahrt nach Ichishausen Zeit für ein Rucksackvesper, bevor man den Keltenweg unter die Schuhe nehmen durfte. Dieser Weg erinnert mit zahlreichen archäologischen Denkmälern und mit guten Hinweisen auf der Wegstrecke durch Feld und Wald an die jahrhundertelange Besiedlung Schwabens durch die Kelten, die anschließend von den Römern nicht vertrieben, sondern in ihren Herrschaftsbereich einbezogen wurden.

Dem Keltenweg folgte der Aufstieg zum Kalvarienberg im Kammeltal, einem eindrucksvollen Stationenweg mit Darstellungen des Leidenswegs Jesu zur Kreuzigungsstätte. Im Gegensatz zu den meisten Kalvarienbergen verdankt dieser fast vollständig in altem Laubwald angelegte Weg seine Entstehung der Romantik im 19. Jahrhundert.

Danach kam aber gleich wieder und noch eindrucksvoller als in Günzburg der Barockstil zu Wort, denn bald war Wettenhausen erreicht, das als Dorf seine Bedeutung dem ehemaligen Reichsstift mit gleichem Namen verdankt. Hier - in einem weithin kaum bekannten Winkel von Bayrisch Schwaben - erlebten die Wanderer mit dem 1694 fertiggestellten Kaisersaal im Stiftsgebäude und mit der Stiftskirche Mariä Himmelfahrt eine unglaubliche barocke Prachtentfaltung mit beispiellosen Stuckarbeiten im Kaisersaal und dem verschwenderischen Umgang mit Gold an den Altären, der Kanzel und der Orgel der Kirche. Es ist kaum zu fassen, dass diese vom Bayrischen Staat nach der Säkularisation 60 Jahre lang vernachlässigte und missbrauchte Klosteranlage so gut wie unbekannt ist. Umso erfreulicher war die Entdeckung dieses Kleinodes durch Wanderführer Lipp für seine Wanderfreunde vom Albverein.

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