Metzingen Stadt sucht das Gespräch

Die Jagdpachtverträge laufen zum 31. März 2019 aus. Die neuen Verträge laufen dann zunächst sechs Jahre, können aber um weitere sechs Jahre verlängert werden.
Die Jagdpachtverträge laufen zum 31. März 2019 aus. Die neuen Verträge laufen dann zunächst sechs Jahre, können aber um weitere sechs Jahre verlängert werden. © Foto: Thomas Kiehl
Metzingen / Regine Lotterer 06.10.2018

Der Gemeinderat hat am Donnerstag intensiv über die anstehende Neuverpachtung der Metzinger Jagdreviere diskutiert. Am Ende der mitunter emotional geführten Debatte wurde mehrheitlich ein von der CDU eingebrachter Antrag gebilligt, der vorsieht, vor einer Ausschreibung zunächst ein Gespräch mit den Jägern zu führen. Dabei sollen auch die Pachtbedingungen auf den Tisch kommen. Stein des Anstoßes ist dabei insbesondere die Entschädigung, die Jäger an Landwirte zahlen müssen, falls es zu Wildschäden kommt. Bislang übernahm die Stadt Metzingen einen Teil des dafür fälligen Betrags. Künftig, so sieht es der Verwaltungsvorschlag vor, soll diese Summe komplett von den Jägern getragen werden. Falls die Schäden allerdings besonders hoch ausfallen, werde die Stadt den Betroffenen selbstverständlich helfen, betonte Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler am Donnerstag: „Wir haben noch nie jemanden im Regen stehen lassen.“

Im Vorfeld der Gemeinderatssitzung hatten die Jäger ihre Kritik am Verwaltungsvorschlag in einem Brief an die einzelnen Fraktionen formuliert. Ihnen missfällt demnach auch die Idee, einzelne Jagdbögen zu teilen und sie dadurch zu verkleinern. Das sei mit der Unteren Jagdbehörde abgestimmt, sagt die Verwaltung, weil sich daraus Vorteile für die Bewirtschaftung ergäben. Allerdings sei es auch möglich, zwei Jagdbögen an einen Pächter zu vergeben, betonte Jochen Krohmer von der Stadtverwaltung gegenüber dem Gemeinderat. Dass die Pachtverträge künftig nur noch sechs Jahre laufen, wie von den Jägern ebenfalls  bemängelt, sei dem neuen Wildtiermanagementgesetz geschuldet, das 2015 in Kraft trat. An dieses Gesetz sei die Stadt nun einmal gebunden, sagt Krohmer. Indessen könnten die bestehenden Verträge nach Ablauf der Frist relativ problemlos um weitere sechs Jahre verlängert werden.

Schäden sind nicht hoch

Im übrigen, erklärte Krohmer, stünden Stadt und Jäger in regem Austausch miteinander, Probleme oder gar Streit zwischen den Parteien gebe es nicht. Metzingen sei bislang eine der wenigen Kommunen im Land, die bereit sei, sich an der Regulierung von Wildschäden zu beteiligen. Dazu verpflichtet habe sie sich 2013. Das bestätigte der Glemser Ortsvorsteher Andreas Seiz. Damals hätten die Jäger im kleinsten Metzinger Stadtteil so viele Schäden begleichen müssen, dass sie mit dem Gedanken gespielt hätten, ihre Reviere aufzugeben. Darauf habe die Stadt reagiert. Die Wildschäden, die pro Jahr im gesamten Stadtgebiet zu regulieren seien, betrügen im übrigen nicht einmal 4000 Euro, führte Jochen Krohmer aus.

Während die Ortschaftsräte Glems und Neuhausen dem Verwaltungsvorschlag einstimmig gefolgt sind, sah der Gemeinderat am Donnerstag noch erheblichen Diskussionsbedarf. Eckart Ruopp, der CDU-Fraktionsvorsitzende, kritisierte den seiner Meinung nach mangelnden Informationsfluss in dieser Sache. Das liege auch daran, dass es schon seit Jahren keinen Waldumgang mehr gegeben habe. Seine Fraktion sehe zudem keinen Grund, die Jagdbögen zu teilen. Außerdem wolle die CDU beim bislang praktizierten Verfahren des Wildschadensausgleichs bleiben. Auch Robert Schmid (FWV) beantragte, in Sachen Wildschäden beim seither gültigen Prozedere zu bleiben: „Es kann nicht sein, dass ein Jagdpächter allein dem Risiko eines Wildschadens ausgesetzt ist.“ Er könne keine Not erkennen, diese Regelung abzuschaffen.

Verträge laufen aus

Über den Verlauf der Gemeinderatsdebatte zeigte sich OB Fiedler einigermaßen erstaunt. Er habe das Gefühl, dem Gremium fehle an der einen oder anderen Stelle das Vertrauen in die Arbeit der Verwaltung. Gleichzeitig halte er es für „höchst bedenklich“ in der Sache nur eine Seite zu hören und daraus Handlungsempfehlungen an die Verwaltung zu formulieren. Diesen Vorwurf wollte der Gemeinderat aber nicht auf sich sitzen lassen. Aus der Sitzungsvorlage, so Bernhard Mohr (FDP), ergäben sich einfach viele Fragen, weil die Materie „so fern von unserem Alltag ist“. Die Antworten der Verwaltung seien notwendig, damit das Gremium die richtige Entscheidung treffen könne.

Ähnlich argumentierte Peter Rogosch (FWV). Der Brief der Jäger zeige, dass es Gesprächsbedarf gibt. Ein Treffen, so sein Vorschlag, könne gerne mit einem gemütlichen Wildschweinessen verknüpft werden: „Vielleicht hilft uns Obelix dabei.“ Nach dem Gemeinderatsbeschluss vom Donnerstag kann die Stadt nun trotz des anstehenden Gesprächs mit den Jägern die Jagdgenossenschaft einberufen. Das ist formal notwendig, um die Jagdverpachtung ausschreiben zu können. Die alten Verträge laufen zum 31. März kommenden Jahres aus.

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