Metzingen Stadt ehrt Heinz Scheffler mit der Bürgermedaille

Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler (links) hat Heinz Scheffler die Bürgermedaille verliehen. Nach Metzingen zog der gebürtige Ostpreuße einst der Liebe wegen, seine Frau Ilse stammt aus der Kelternstadt.
Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler (links) hat Heinz Scheffler die Bürgermedaille verliehen. Nach Metzingen zog der gebürtige Ostpreuße einst der Liebe wegen, seine Frau Ilse stammt aus der Kelternstadt. © Foto: Thomas Kiehl
Regine Lotterer 13.01.2019

Der Krieg mit all seiner Grausamkeit, mit all seiner Gnadenlosigkeit hat sich früh ins Leben von Heinz Scheffler gedrängt. Geboren am 24. März 1928 in Ostpreußen erlebte er verheerende Bombennächte, die große Teile seiner Heimatstadt Königsberg in Schutt und Asche legten. Dann, mit 16 Jahren, wurde er von seiner Familie weggerissen, als Soldat sollte er Ostpreußen gegen die herannahende Rote Armee verteidigen. Eine russische Patrouille nahm ihn schließlich gefangen. Mitte August 1945 wurde er ins russische Wjasma transportiert, eine Stadt, die etwa dreieinhalb Stunden westlich von Moskau entfernt liegt.

Die Mutter lebte in Urach

Viele bittere Tage musste Heinz Scheffler in der Fremde erleben, bis er 1948 endlich aus dem Lager entlassen wurde. Wie es mit seinem Leben weitergehen sollte, war ungewiss. In die alte Heimat konnte der damals 20-Jährige nicht zurück, Familie und Freunde waren entweder geflohen oder vertrieben. Dann, ein erster Hoffnungsschimmer, die Mutter lebte noch und hatte sich in der württembergischen Kleinstadt Urach niedergelassen. „Als ich sie in meine Arme schließen konnte, war ich der glücklichste Mensch der Welt“, erinnert sich Heinz Scheffler heute an den Augenblick des Wiedersehens.

Sieben Jahrzehnte sind seither vergangenen, im März kann Scheffler seinen 91. Geburtstag feiern. Wie viele andere aus seiner Generation packte er nach Kriegsende mutig an, den Blick zuversichtlich nach vorne gerichtet. Und er fand eine neue Heimat in Metzingen: „Ein echter Glücksfall für unser Stadt“, wie Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler am Sonntag betonte, als er Heinz Scheffler mit der Bürgermedaille ehrte. Der Neujahrsempfang der Stadt bot für diese Würdigung den passenden Rahmen.

Die Bürgermedaille der Stadt erhielt Scheffler für seine „außergewöhnlichen Leistungen und seinen vielfältigen Einsatz für die Bürgerschaft in unserem schönen Metzingen“, wie es der OB formulierte. Über Jahrzehnte engagierte sich Scheffler für seine Mitbürger, etwa bei der Deutschen Angestellten Gewerkschaft, als ehrenamtlicher Richter am Arbeitsgericht in Stuttgart sowie als leidenschaftlicher Tischtennisspieler bei der TuS Metzingen.

Besonders am Herzen lagen ihm jene Menschen, die wie er ihre alte Heimat verloren und später in Metzingen eine neue gefunden haben. 1992 trat er deshalb der Metzinger Ortsgruppe der Landsmannschaft der Ostpreußen, Westpreußen und Pommern bei, von 2000 bis 2018 leitete er deren Geschicke. Während dieser Zeit organisierte er unter anderem mehrere Reisen in die ehemaligen deutschen Ostgebiete und eröffnete damit vielen die Chance, ihre einstige Heimat wiederzusehen. „Für die Teilnehmer“, so OB Fiedler, „waren diese Reisen von unschätzbarem Wert.“ Im Herbst vergangenen Jahres endete die Vereinsarbeit der Landsmannschaft. Als Erinnerung an jene, die aus der Fremde kamen und im Ermstal neue Wurzeln schlugen, steht seither eine Bank vor der Bonifatiuskirche. Dass die Vertriebenen in Metzingen eine neue, gute Heimat fanden, dass sie sich hier geboren gefühlt haben und fühlen, dazu trug Heinz Scheffler entscheidend bei, betonte Ulrich Fiedler in seiner Laudatio.

Nach Metzingen ist Heinz Scheffler übrigens der Liebe wegen gezogen. 1952, er absolvierte gerade eine Ausbildung zum Textiltechniker in Reutlingen, lernte er während der Fahrt mit dem „Urächerle“ seine zukünftige Frau Ilse kennen. Deren Familie ist seit Generationen in Metzingen ansässig, und als das Paar 1954 heiratete, siedelte es sich in der Sieben-Keltern-Stadt an.

Seine Erinnerungen an die schrecklichen Jahre des Krieges, an die Leiden der Vertreibungen und den Schmerz über den Verlust der Heimat hat Heinz Scheffler aufgeschrieben. „Als Sechzehnjähriger in den Krieg“ lautet der Titel des Bandes, der Kindern und Enkeln die Möglichkeit eröffnet, Anteil an dem Schicksal der Kriegsgeneration zu nehmen. Bitter über all diese schlimmen Erlebnisse ist Heinz Scheffler glücklicherweise nicht geworden. Er sei, so berichtete er es am Sonntag dem Festpublikum, im Laufe seines Lebens zum Schluss gekommen, dass es keine schlechten Völker gebe. Schlechte Menschen aber schon.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel