Grötzingen Spielzeiteröffnung: Fernab der Ruhe und Gemütlichkeit

Zwei Klassiker kommen in diesem Jahr in Grötzingen auf die Bühne: „Der Mann mit der eisernen Maske“ und für die kleinen Zuschauer „Das Dschungelbuch“. Am Wochenende feiern beide Premiere.
Zwei Klassiker kommen in diesem Jahr in Grötzingen auf die Bühne: „Der Mann mit der eisernen Maske“ und für die kleinen Zuschauer „Das Dschungelbuch“. Am Wochenende feiern beide Premiere. © Foto: Naturtheater Grötzingen
Grötzingen / Nicole Wieden 09.06.2018

Die kommende Spielzeit am Naturtheater Grötzingen wird ganz unter dem Zeichen des Abenteuers stehen. Wie auch in den vergangenen Jahren wartet der Theaterverein im Aichtal mit je einem Erwachsenen- und einem Kinderstück auf, wobei sich das Laienensemble für diese Saison an zwei große Klassiker gewagt hat. Am Samstag, 9. Juni, findet auf dem Galgenberg die Erstaufführung von Alexandre Dumas „Der Mann mit der eisernen Maske“ in der Bühnenfassung des Litag Verlags statt. Kinder und Anhänger der Balu’schen Lebensart dürfen sich am darauffolgenden Tag auf die Premiere von Rudyard Kiplings „Das Dschungelbuch“ freuen. Bis zum 19. August werden an 35 Vorstellungen die zwei Eigenproduktionen und drei Gastspiele aufgeführt. Das Programm ist in dieser Saison mit den Regisseuren Rob Doornbos und Lars Kajuiter fest in niederländischer Hand.

Machtgefüge als Thema

Der 33-jährige Doornbos konnte in der Vergangenheit unter anderem an der Landesbühne Esslingen sowie am Schauspiel Stuttgart bereits Erfahrungen in der deutschen Theaterlandschaft sammeln. In der Geschichte um den Versuch der drei Musketiere, Ludwig XIV. zu entthronen und im daraus resultierenden Gewissenskonflikt für ihren königstreuen Hauptmann D‘Artagnan, interessiert sich der Theaterdozent vor allem für das unstete Machtgefüge: „Mit den Darstellern habe ich viel ausprobiert, wie Macht räumlich und szenisch dargestellt werden kann. Erhöht man im Raum zum Beispiel die anderen Figuren über den König, verändert sich sofort die Atmosphäre,“ erklärt Doornbos. In seinem Regieansatz verfolgte er zudem das Ziel, seine Darsteller unablässig herauszufordern: „Sie sollten ihre Rollen wirklich kennenlernen und sich im Spiel ihre Freiräume schaffen.“

Um das temporeiche Abenteuer im barocken Frankreich auch in der Gegenwart zu verorten, hat Textildesignerin Heike Pautkin in ihren Kostümen historische und moderne Elemente verarbeitet. Die Garde beispielsweise gleicht in ihrer Erscheinung einer Gang, sodass auch in der Kostümierung das Thema Status hervorgehoben wird.

Besonders aufwendig gestalteten sich die Kostümarbeiten bei Kajuiters Produktion. Entwurfsdirektrice Kerstin Rosin hat sich bei der Gestaltung der Tiere auch menschlicher Elemente bedient und damit ihre Identifikationsfläche vergrößert. Wie auch Doornbos setzt Kajuiter darauf, seine Darsteller herauszufordern und damit die Spieldynamik zu erhöhen. Die Arbeit mit den Laien sei dabei Dank ihres Engagements ungemein befriedigend gewesen, wie auch Doornbos zu verstehen gibt: „Natürlich kennen sie ihren Körper und ihre Stimme nicht so gut wie Profis. Das ist aber kein Nachteil, die Regieanweisungen müssen einfach anders vermittelt werden.“ Am wichtigsten sei es, sich gut kennenzulernen und offen für das Spiel zu sein. Die Darstellung einiger Laien reiche dabei fast an die Präsenz professioneller Schauspieler, fügt Kajuiter hinzu.

Für sein Stück hat sich der freiberufliche Theaterpädagoge von Disney – dessen Version er dennoch schätzt – bewusst distanziert. Auch die jüngste Verfilmung mit Scarlett Johansson und Idris Elba aus dem Jahr 2016 hat wenig mit seiner Fassung zu tun: „Mir kommt das am Ende zu einfach vor, wie Mogli aus seinem Dilemma herauskommt; das gilt für beide Filme. Bei unserem Stück ist das nicht der Fall,“ erklärt er.

Highlight: die Musik

Ein besonderes Highlight ist in beiden Produktionen die musikalische Untermalung: Doornbos holte dafür den 22-jährigen Magnus Reichel nach Grötzingen, den es Dank seiner Begabung von Baiersbronn an die  niederländische „ArtEZ hogeschool voor de kunsten Arnhem“  verschlagen hat. Beachtlich ist in dieser Saison zudem das Bühnenbild: In unzähligen Stunden haben die Vereinsmitglieder Kai Feldmaier und Andreas Rilli ihre Entwürfe mit zahlreichen freiwilligen Helfern umgesetzt und eine Kulisse geschaffen, die ohne all zu große Umbauten auskommt und dennoch beeindruckt. Das Publikum darf sich in dieser Spielzeit auf zwei meisterliche Umsetzungen freuen.

Naturtheater Grötzingen: Spielzeit 2018

Die Premiere von „Der Mann mit der eisernen Maske“ findet am 9. Juni um 20.30 Uhr statt. Das Dschungelbuch wird am 10. Juni um 15 Uhr aufgeführt. Die weiteren Vorstellungstermine können der Homepage (www.naturtheater-groetzingen.de) entnommen werden.
Zu den Gästen
gehören in diesem Jahr Jörg Knör und Kay Ray, die an der Comedy-Night am 29. Juni gemeinsam auftreten werden. Am 6. Juli findet eine theatersportliche Impro-Show und am 13. Juli eine Musical Night statt.

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