Metzingen Spende für Hospizgruppe

Hans-Jürgen Geiger hat am Mittwoch an Ulrike Ruf (links) und Helga Toschka eine Spende für die Hospizgruppe überreicht.
Hans-Jürgen Geiger hat am Mittwoch an Ulrike Ruf (links) und Helga Toschka eine Spende für die Hospizgruppe überreicht. © Foto: Hans-Jürgen Geiger hat am Mittwoch an Ulrike Ruf (links) und Helga Toschka eine Spende für die Hospizgruppe überreicht. Foto: Nicole Wieden
Metzingen / Von Nicole Wieden 15.08.2018

Was ich noch zu sagen hätte, dauert eine Zigarette und ein letztes Glas im Steh’n. So hat Reinhard Mey einmal gesungen. Häufig ist es nicht viel, was am Ende noch gesagt werden muss, aber es ist immer wichtig. Und manchmal geht es einem Sterbenden auch nicht so sehr darum, noch etwas zu sagen. Bei Zerwürfnissen etwa braucht es manchmal nur die Ankunft desjenigen, mit dem noch eine Versöhnung aussteht, weiß die ehrenamtlichen Sterbe- und Trauerbegleiterin Helga Toschka zu berichten.

Toschka ist Mitglied der Hospizgruppe Metzingen/Ermstal. Der 2001 gegründete Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten. Dabei liegt die Betonung bewusst auf dem Stichwort der Lebensqualität: „Soweit ist es bei uns noch nicht“, bekomme die Einsatzleiterin Ulrike Ruf häufig zu hören, wenn das Palliativteam oder etwa die Diakonie Angehörigen eines Pflegefalls die Hospizgruppe empfiehlt.

Das Hospiz werde immer mit dem Tod verbunden, so Ruf. Aber die letzten Tage gehörten eben doch noch dem Leben, und die Hospizarbeit müsse mehr in das Bewusstsein der Leute gerückt werden. Dieser Meinung ist auch Hans-Jürgen Geiger, der Geschäftsführer des gleichnamigen Metzinger Maschinen-Vertriebs.

Er hat vor fünfzig Jahren mit dem Handel gebrauchter Maschinen begonnen und war dabei von Beginn an im Ausland aktiv. In der Anfangszeit noch ist er mit Visitenkarten auf Messen in Frankreich und in der Schweiz unterwegs, um bald darauf selbst als Aussteller aufzutreten. Heute lagert er im Metzinger Industriegebiet unzählige Maschinen – von der Drehmaschine, über die Hydraulikpresse bis zum Prüfgerät für Zahnräder.

Hans-Jürgen Geiger verbindet eine langjährige Freundschaft mit dem Ehepaar Toschka. An seinem 70. Geburtstag bittet er zum ersten Mal darum, ihm keine Geschenke zukommen zu lassen, sondern stattdessen an die Hospizgruppe zu spenden. Zu seinem 75. Geburtstag hat er sich nun entschlossen, ihr 10 000 Euro zu stiften.

Einjährige Schulung

Die Spende kommt gewogen, weil die Hospizgruppe in den vergangenen Jahren immer häufiger von Sterbenden und ihren Angehörigen in Anspruch genommen wird. Der Verein hofft entsprechend auf weitere Unterstützung durch ehrenamtlichen Nachwuchs.

Im September dieses Jahres ist ein Informationsabend geplant, an dem sich Interessierte anschließend für eine Schulung anmelden können. 32 ehrenamtliche Trauer- und Sterbebegleiter sind derzeit aktiv. Sie alle haben die einjährige Ausbildung durchlaufen und wurden von Fachkräften aus der Sozialarbeit, Psychologie, Seelsorge und der Krankenpflege unterrichtet.

Um aber ein Gespür für die Bedürfnisse von Sterbenden zu entwickeln, braucht es vor allem Erfahrung und Zeit. Gerade Letzteres ist heute ein kostbares Gut: „Dank der Palliativmedizin können Schmerzen gelindert werden; sie gehört mittlerweile zur Ausbildung eines Hausarztes“, sagt Ruf. „Aber wer hat heute schon Zeit, um ein paar Stunden neben jemandem zu sitzen?“ Die Ehrenamtlichen bieten den Sterbenden, aber eben auch den Angehörigen Entlastung und Beratung. Die Konfession spielt dabei keine Rolle, man achtet schlicht auf die individuellen spirituellen Bedürfnisse. Je nachdem, wann die Hospizgruppe hinzugerufen wird, dauert die Begleitung einige wenige Tage, kann sich aber auch über Wochen und Monate hinziehen. Die Betreuung erfolgt dabei im eigenen Zuhause, im Pflegeheim, im Krankenhaus oder auch im stationären Hospiz „Veronika“ in Eningen.

Für die Angehörigen besteht außerdem im Brückencafé in Dettingen die Möglichkeit, sich mit Menschen in ähnlicher Situation auszutauschen: „Über das Sterben wird nicht gerne geredet. Es wird in unserer Gesellschaft ausgeklammert“, so Ruf. Aber wenn man sich schließlich doch mit dem Tod konfrontiert sieht, helfe vor allem das Gespräch.

Auffangen von Ängsten

Größere Beachtung in der Öffentlichkeit erhielt die Sterbebegleitung vor einigen Jahren im Zuge der Diskussionen um die Sterbehilfe in der Schweiz. Schmerzen sowie die Angst, den Angehörigen unnötig zur Last zu fallen, sind die beiden wichtigsten Gründe, die Sterbehilfe in Erwägung zu ziehen. Mit der Hospizarbeit können diese Sorgen in manchen Fällen jedoch aufgefangen werden.

Es werden ehrenamtliche Begleiter gesucht

Am 17. September findet um 19 Uhr eine Infoveranstaltung in der Christophstraße 20 statt. Hier können sich Interessierte über die ehrenamtliche Hospizarbeit informieren und für das kommende Ausbildungsprogramm ab Januar 2019 anmelden. Die einjährige Schulung setzt sich aus einem jeweils sechsmonatigen Grund- und Aufbaukurs zusammen sowie aus mehreren Hospitationen in Alten- und Pflegeheimen. Besonders willkommen sind übrigens Männer, weil derzeit überwiegend Frauen engagiert sind.

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