SPÄTLESE: Schiefe Sicht

CHRISTINA HÖLZ 18.10.2012

Der menschliche Körper ist ein Wunder. Beweglich, biegsam, belastbar. So richtig schätzen lernt unsereiner das aber erst, wenn ein Bauteil mal nicht mehr richtig funktioniert. In meinem Fall ists die Nackenmuskulatur. Erst einer Freundin beim Umzug geholfen, die Spülmaschine aus der Wohnung geschleppt. Dann wohl noch beim Radfahren einen Zug geholt - zack, ist es aus mit der Beweglichkeit: Der Hals will nicht mehr nach links, nicht mehr nach rechts, einfach gar nichts mehr. Jede Kopfbewegung schmerzt. Der Nacken? So steif wie ein Bambusrohr.

Ungelenk wie eine Marionette bewege ich mich zum Orthopäden. Nach zehn Anrufen ("den nächste Termin haben wir in sieben Wochen frei!") hat sich ein Arzt erbarmt. Verpasst mir Halskrause und Schmerztabletten. Lächelt. "In zwei Wochen ists vorbei."

Schöne Aussichten. Bei der Arbeit am Computer fühlt sich der Kopf an wie ein Sack Blei, die Apfelernte auf der Alb muss warten, die Nächte werden zum Höllentrip in Schieflage. Noch was: Fußballspiele, die 4:4 enden, sind eine Qual für Zuschauer mit Nackenlähmung. Sie können weder jubeln - noch die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.