Spätlese: Kröten

PETER KIEDAISCH 03.03.2015

Der asiatische Zipfelfrosch versteht sich wie kaum ein Tier seiner Provenienz aufs Tarnen und Täuschen. Seine Haut vermag es veritabel, den Farbton jener Blätter anzunehmen, die ihn momentan umgeben. Das bringt dem Tier in der Disziplin "Fressen und gefressen werden" eine Ausgangsposition von durchaus entspannter Behaglichkeit, weil ihn zu verspeisen meist daran scheitert, dass er im dichten Laub verschwindet wie einst die Vietcong im teilweisen unterirdischen Ho-Chi-Minh-Pfad. Eines freilich dürfte der asiatische Zipfelfrosch noch nicht ins Kalkül gezogen haben: der Straßenverkehr und die mit den darin enthaltenen Gefahren für Fußgänger, zumal solche, die von anderen Verkehrsteilnehmern nicht gesehen werden. Eine in Neckartenzlingen wohnende Kröte hat gestern den Farbenzauber des Zipfelfrosches konterkariert und hat die B 297 zwischen Neckartenzlingen und Pliezhausen überquert. Weil sie ohne asiatisches Tarnkleid gemächlichen Ganges fürbass schritt, erblickte sie ein Autofahrer noch rechtzeitig genug, um tüchtig abzubremsen. Leider fuhr ihm das nachfolgende Fahrzeug hinten drauf, sodass ein Schaden entstand von 13 000 Euro. Auch Kröten genannt.

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