SPÄTLESE: Gleichzeitig

PETER ANDEL 31.03.2014

Bisweilen fühle ich mich an Heinrich Hoffmanns "Hans guck in die Luft" erinnert. Für die Jüngeren: Das ist der Bursche, der ständig in den Himmel schaut, nichts bemerkt, was vor ihm so geht und am Ende im Wasser landet. Nicht unähnlich verhalten sich jene Zeitgenossen, die in der Stadt unterwegs sind und an ihrem Smartphone herumfummeln. Gut, wenns gegen einen Laternenpfahl geht, ist das nicht weiter schlimm, das gibt vielleicht eine Beule. Kritisch wirds aber im Straßenverkehr. Vor lauter Konzentration auf das Gerät nimmt der fußgängernde Eintipper nicht mehr wahr, dass die Ampel just auf "Rot" geschaltet hat. Lautes Gehupe und ein vorwurfsvoller Blick, als ob jemand aus den süßesten Träumen geholt wurde. Saugefährlich ist das aber im fahrenden Auto. Obwohl verboten, spielen die Hartnäckigen einfach weiter. Die Polizei hat sich lange gewundert, warum etliche Fahrzeuge - ohne Bremsspur - in schwere Unfälle verwickelt wurden, bis sie herausfand, dass im Auto ein Smartphone in der Nähe des Fahrers lag. Das war dann mehr als die berühmte Sekunde im Blindflug. Vielleicht nützt ja eine alte Bauernregel: Man kann nicht gleichzeitig sch... und Kraut hacken.