SPÄTLESE: Der Punzer

GUDRUN GROSSMANN 02.02.2013

Neulich im Theater. Bei einer sportlichen Veranstaltung, die sich Impro nennt. Die schlagkräftigen Mauerbrecher aus Freiburg treten gegen das witzige Duo WildWechsel aus Stuttgart an. Das Publikum legt vor. Szenen werden durch Stichworte angeschubst und mit viel Fantasie ausgefüllt. Es wird querbeet gesungen, auf Teufel komm raus gereimt, in Windeseile eine hanebüchene Geschichte erfunden. Der Spielleiter passt auf, dass die Regeln eingehalten werden und notiert die Punkte, die sich am Applaus mehr schlecht als recht ablesen lassen. Vor einer neuen turbulenten Runde, richtet er das Wort an die verehrten Gäste. Sie sollen durch Zuruf einen Beruf benennen, der dann sogleich ins Spiel einfließen wird. Aber bitte nicht wieder Maurer, Müller und Bäcker. Das sei langweilig. Lieber etwas Seltenes. Die Zuschauer überlegen. Schließlich meldet sich ein Mann zu Wort und ruft: "Punzer." Was? "Es geht um das Verzieren und die Veredelung von Leder", wird als Erklärung nachgeschoben, nur ein Mann übe in Deutschland diesen Beruf noch aus. Die Schauspieler grinsen. Im Stück wird dann gepunzt was das Zeug hält. Bis am Ende dann ein großes Punzwerk vollendet ist.

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