Bad Urach Späte Liebe zum Saxophon

Bad Urach / CHRISTINA HÖLZ OTTO PAUL BURKHARDT 28.09.2012
Der Mann ist ein Garant für Einschaltquoten. Aber neben dem Filmgeschäft hat Friedrich von Thun eine Passion: kleine Lesungen. Wir sprachen mit dem Schauspieler vor seinem Auftritt beim Uracher Musikherbst.

SÜDWEST PRESSE: Herr von Thun, die Herbstlichen Musiktage Bad Urach ehren Sie zu Ihrem 70. Geburtstag mit einer Lesung. Darf man fragen, wie Sie Ihren "Runden" im Juni gefeiert haben?

FRIEDRICH VON THUN: Wirklich, die ehren mich - das ist aber nett! Ich war an meinem Geburtstag auf der Flucht (lacht). Gemeinsam mit meinem Sohn und meiner Tochter habe ich ein paar Tage in Barcelona verbracht. Dort haben wir entspannt die Kunstgalerien besucht und sind am Strand spazieren gewesen. Ich wollte keinen Rummel.

Schnauzer, blaue Augen, verschmitztes Lächeln, so schildert die Presse Ihr Image - die "Süddeutsche" schrieb Ihnen zum 70. den "Charme des Beiläufigen" zu: Wie haben Ihnen die Geburtstagsartikel gefallen?

Sagen wir mal so: Ich bin in meinem Beruf nicht undankbar, dass ich nicht übersehen werde. Und die meisten Artikel haben mich schon mit einem gewissen Respekt behandelt. . .

Ihr Sohn Max von Thun wird in den Medien ja ebenfalls als begabter Schauspieler gefeiert. Viele bekannte Vater-Sohn-Paare stehen gemeinsam vor der Kamera, zuletzt etwa Howard und Wayne Carpendale. Sie auch?

Ja, wir jetzt auch. Aber ehrlich gesagt, es ist nicht leicht, einen geeigneten Stoff zu finden - ein Drehbuch, das uns beiden passt. Wir haben jetzt gemeinsam mit Iris Berben gedreht. Ein guter Film, eine Familiengeschichte, die im November ausgestrahlt werden soll.

Ihre filmische Bandbreite reicht vom "Schulmädchen-Report" über "Das Erbe der Guldenburgs" bis hin zu "Schindlers Liste": In welchen Filmen würden Sie heute nicht mehr mitspielen?

Wenn man, wie ich, seit fast 50 Jahren Filme macht, gibt es immer welche, in denen man nicht mehr spielen würde. Zu Zeiten des "Schulmädchen-Report" war ich Moderator der Abendschau beim bayerischen Fernsehen. Plötzlich hat man mir für die Rolle eine Gage in Höhe von vier Monatsmieten angeboten. Das war ein Grund, und die Zeiten waren andere. Heute würde ich anders entscheiden. Aber wie gesagt, in jedem schauspielerischen Schaffen gibt es Licht und Schatten.

Gab es dann so etwas wie einen Wendepunkt in Ihrer Laufbahn?

Ich hatte das große Glück, Anfang der 1980er-Jahre zwei Filme mit dem großen Regisseur Axel Corti zu machen. Das war eine Wende in meinem Qualitätsanspruch und in meiner Berufseinstellung. Ich wollte keine Notlösungen zum Geldverdienen mehr machen, sondern nur noch richtig gute Sachen. Und durch die bin ich dann aufgefallen - mit Anfang 40.

Sie drehen inzwischen hauptsächlich fürs Fernsehen - als Schauspieler im Theater sind Sie kaum mehr zu sehen. Warum?

Ja, ich drehe gerade hauptsächlich. Momentan stehe ich für ein Familiendrama vor der Kamera, gemeinsam mit Günther Maria Halmer. Ein sehr psychologischer Stoff.

Ich habe das Problem, dass die Proben am Theater sehr aufwendig sind und sich über einen langen Zeitraum ziehen. Das lässt sich oft nicht mit meinen TV-Projekten vereinbaren - ich kann ja nicht einfach mal für einen Drehtermin verschwinden.

Lesungen, wie jetzt die aus Hemingways Novelle "Der alte Mann und das Meer" in Bad Urach, haben dennoch einen Platz in Ihrem Zeitplan?

Ja, diese Lesungen sind für mich praktisch ein wichtiger Ersatz für die Schauspielerei auf der Bühne. Wenn ich lese, habe ich noch den direkten Kontakt zum Publikum. Das ist schön. Darauf muss man als Fernsehschauspieler ja verzichten.

Wie ist der Hemingway-Abend am Samstag bei den Herbstlichen Musiktagen aufgebaut?

Die Musik wird die Literatur untermalen. Beim Lesen von "Der alte Mann und das Meer" hatte ich ein konkretes Bild vor Augen. Viel Landschaft, die amerikanischen Südstaaten.

Ich fragte einen befreundeten Komponisten, ob er diese Stimmung einfangen könne. Er improvisiert jetzt, während ich lese. Es gibt viel bluesige Töne, fast ein bisschen Lautmalerei im Sinne von Debussy. Es soll eine Atmosphäre entstehen wie im Melodram. Man sieht diesen alten Mann richtig vor sich, einen blindwütigen Jäger, der mit seinem großen Fang ringt.

Stimmt es, dass Sie Saxophon spielen, wenn ja, welche Musik?

Ja, das Saxophon habe ich mir zu meinem 60. Geburtstag gegönnt, es ist praktisch eine späte Liebe. Ich spiele alles Mögliche und bei meiner Lesung zum "Ozeanpianisten" (wie 2007 in Urach) auch live auf der Bühne - allerdings mit viel Schweiß auf den Händen. Es macht mir Spaß, obwohl ich weiß, dass ich von Perfektion weit entfernt bin.

Was wünschen Sie sich noch für Ihre weitere Laufbahn?

Ich wünsche mir, dass ich auch in Zukunft viele gute Rollen angeboten bekomme - Komödien, psychologische Stoffe, auch weiterhin schöne Lesungen.

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