SO GESEHEN · Neue Strategien: Flucht nach vorne

HARTMUT HOLDER 02.02.2013

Zahlreiche Hersteller fahren angesichts des demografischen Wandels und eines Spielwarenmarktes, der immer stärker von TV bestimmt wird, seit Jahren eine Doppelstrategie, um in einem stagnierenden Markt Impulse zu setzen.

Wohl oder übel, könnte man sagen, denn tatsächlich fehlt den mittelständischen Holzspielzeugherstellern aufgrund ihrer Größe oft der Außendienst, um die Produkte adäquat im Fachhandel zu präsentieren; zum anderen wandern immer mehr Umsätze ins Internet ab, was die Situation eher noch verschärft. Eine Situation, die auch Doris Kächele von der Firma Christof Beck in Hülben beklagt.

Der eine Eckpfeiler der Strategie lautet, Spielthemen zu verjüngen, indem vorhandene, etablierte Systeme, wie etwa die Kugelbahn, durch konstruktive Modifikationen auch für jüngere Kinder spielbar sind; zum anderen springen sie auf einen immer schneller werdenden Konzentrationsprozess auf, um das Portfolio durch neue Themen und Produktbereiche zu erweitern.

So integrierte allein die schwäbische Premiummarke nic Spiel + Art GmbH in den letzten zwölf Jahren die Marken Bodo Henning, Walter und unlängst auch Glückskäfer aus Reutlingen.

Gleichzeitig rundeten die Schwaben das Marken-Portfolio mit der thailändischen Marke Blue Ribbon nach unten hin ab, um auch weniger potente Zielgruppen zu erreichen.

Glücklicherweise muss man unterm Strich feststellen, dass sich der Markt für Holzspielzeug nach wie vor robust zeigt, trotz iToys und des Siegeszuges von Lego & Co. Firmen, wie Beck aus Hülben, aber auch die Bruderhaus Diakonie aus Bad Urach profitieren davon.

Das Geschäft verlagert sich allerdings zunehmend ins Internet.

Der demografische Wandel tangiert nicht zuletzt die Hersteller und Anbieter von Holzspielzeug, denn alle bisherigen Versuche, Holzspielzeug auch als Best Ager-Spielzeug zu etablieren, waren bisher zum Scheitern verurteilt oder kamen nie über eine Art Nischenexistenz hinaus.

Umgekehrt wird das Zeitfenster, in dem Holzspielzeug für Kinder überhaupt attraktiv ist, immer kleiner. Dazu trug auch der Siegeszug des Kunststoffspielzeugs bei, das zahlreiche klassische Themen besetzt hat.

Experten glauben deshalb auch, dass sich das Spielalter für Holzspielzeug auf null bis maximal vier Jahre konzentriert, darüber hinaus würden alle Versuche, den Nachwuchs für Holzspielzeug zu gewinnen, äußerst schwer werden.