Manche reisten sogar aus London und Berlin an. Andere kamen von nebenan - aus Auingen. Die erste Kunstbiennale Interim im Alten Lager bei Münsingen ist vorüber: Es war ein Pilotversuch, und ob es ein weiteres Interim geben wird, steht noch nicht fest. Gestern legte Kuratorin Ulrike Böhme erste Zahlen vor. Insgesamt besuchten 3700 Leute das dreiwöchige Festival. 2500 davon nutzten das Tagesprogramm, 1200 kamen zum abendlichen Parcours.

Gut, ein bisschen mehr Zuschauer hätte die Kunstbiennale durchaus verdient gehabt. Doch manche Ideen brauchen ihre Zeit, um sich durchzusetzen. Der Gedanke, ein kaum genutztes und weitgehend unbekanntes ehemaliges Militär-Areal neu zu beleben - und zwar mit Bildender Kunst, Theater und Musik - , hat ein Gesamtkunstwerk hervorgebracht. Sowohl die künstlerische Bespielung des Geländes wie auch der abendliche Parcours haben starke Bilder, geschichtsträchtige Szenerien, unerhörte Sounds und magische Stimmungen kreiert, die sich nicht so einfach in Cent und Euro umrechnen lassen.

Mehr noch: Das Festival hat so etwas wie regionale Identität gestiftet. Das Biosphärengebiethat erstmals auch kulturell Flagge gezeigt. Geworben wurde dabei - unter anderem - mit einem pfiffigen Slogan, der sinngemäß etwa so ging: Venedig, Istanbul - sie alle haben eine Biennale, und jetzt eben auch Münsingen!

Interim hat zwar überregional bekannte Künstler eingeladen, konnte sich aber auch auf eine rege Beteiligung aus der Region stützen: 560 Schüler aus Schulen des Biosphärengebiets haben mitgemacht, außerdem 95 Chorsänger, die ihre Freizeit für sechs Proben und neun Aufführungen drangegeben haben.

Damit erwies sich das Konzept der beiden Kuratorinnen Ulrike Böhme und Susanne Hinkelbein - überregionaler Anspruch und regionale Verankerung - als durchaus tragfähig. Ja, sogar als ausbaubar. Die Macherinnen wollten kein weiteres Festival mit allüberall präsenten Szenestars etablieren, sondern den Spagat wagen zwischen anspruchsvollem, über die Region hinaus strahlendem Gesamtzuschnitt und hoher Beteiligung von Bürgerschaft, örtlichen Firmen und Institutionen.

70 Prozent der Besucher kamen nicht aus den umliegenden Gemeinden. Befragt nach dem, was Interim nun bewirkt hat, zählt Ulrike Böhme daher mit Recht auf: "Besucher kamen von weither, die sonst nie in das Biosphärengebiet reisen würden" - ein, wie sie sagt, "Leuchtturmeffekt". Gleichzeitig hat das Festival viele mitwirkenden Menschen aus der Region im Zeichen der Kunst kreativ zusammen gebracht - Stichwort "Identität". Schließlich und endlich kam auch "ein touristischer Mehrwert" zustande - was Gastronomie und Übernachtungen angeht.

Das erste Gespräch der Kuratorinnen mit Bürgermeister Mike Münzing fand 2007 statt. Nach sechs Jahren wurde der Plan endlich Wirklichkeit: Interim fand statt, verwandelte das Areal und lockte 3700 Besucher an. Viele davon dürften berührt, inspiriert und verzaubert gewesen sein. In diesem Sinne: Hoffen wir was Paradoxes, hoffen wir, dass Interim bleibt - trotz des Namens, der eher an Vorübergehendes, an Zwischenlösungen und ans Hire and Fire im Sportgeschäft denken lässt. Idee sehr gut, Realisierung optimierbar. Möge es 2015 ein weiteres Interim geben - wieder im Biosphärengebiet, an andrer Stelle.