Sirchingen Sirchingen erwartet ein neuer Ortsvorstand

Gemeinsam mit Fritz Goller hat Katrin Reichenecker seit 2012 als Ortsvorsteherin die Geschicke Sirchingens geleitet. Nun gibt sie ihren Posten ab.
Gemeinsam mit Fritz Goller hat Katrin Reichenecker seit 2012 als Ortsvorsteherin die Geschicke Sirchingens geleitet. Nun gibt sie ihren Posten ab. © Foto: SWP-Archiv
Sirchingen / Nicole Wieden 09.11.2018

Ob Frauen in Sachen Multitasking tatsächlich über ein natürliches Talent verfügen, darüber ist man sich in der Wissenschaft nach wie vor völlig uneins. Frauen wie Sirchingens Ortsvorsteherin Katrin Reichenecker jedoch bilden den beeindruckenden Boden, der dieses Geschlechterklischee weiterhin nährt: Seit nunmehr sechs Jahren nämlich ist die dreifache Mutter und studierte Agrarbiologin in der Kommunalpolitik des Bad Uracher Stadtteils aktiv.

Nachdem sie allerdings im April dieses Jahres nach einer längeren Familienpause wieder in den Beruf eingestiegen ist, hat sie sich ein halbes Jahr später nun doch dazu entschlossen, ihr Amt als Ortsvorsteherin aufzugeben: „Das Ehrenamt erfordert Anwesenheit, Konzentration und Herzblut“, erklärt Reichenecker. Und während sie zwar mit Begeisterung auf ihre Amtszeit zurückblickt, sieht sie sich mit ihrer neuen Anstellung als Sachbearbeiterin für Natur- und Artenschutz bei der Stadtverwaltung Reutlingen nicht mehr in der Lage, Beruf, Familie und Ehrenamt unter einen Hut zu bringen.

Aus diesem Grund wird sie am 20. November von Bürgermeister Elmar Rebmann und dem Uracher Gemeinderat als Ortsvorsteherin verabschiedet. Der Ortschaftsrat Sirchingens wird schon bald über ihre Nachfolge bestimmen.

Wie die Jungfrau zum Kind

Wäre ihre Vorgängerin, die langjährige Ortsvorsteherin Sigrun Hinderer, im Jahr 2012 nicht ebenfalls aus beruflichen Gründen aus ihrem Amt geschieden, hätte sich Reichenecker womöglich niemals in der Kommunalpolitik engagiert. Auch Hinderer hatte damals während einer laufenden Legislaturperiode auf das Amt verzichtet und daraufhin Reichenecker als Nachfolgerin empfohlen. Der achtköpfige Ortschaftsrat des 957 Einwohner zählenden Bad Uracher Stadtteils folgte bei der Wahl diesem Vorschlag. „Das war eine Überraschung für mich“, erinnert sich Reichenecker mit einem Lachen.

Die eingeheiratete Sirchingerin hatte bis zu diesem Zeitpunkt nämlich keinerlei Erfahrungen im Bereich der Kommunalpolitik. „Aber ich war von Anfang an sehr aktiv in Vereinen, zum Beispiel im Liederkranz“, erzählt sie weiter. Das habe sie im Ort wahrscheinlich zu einem vertrauten Gesicht werden lassen.

Während sie nach eigenen Worten also zur Politik gekommen war, wie die Jungfrau zum Kind, habe sie doch sehr schnell Feuer gefangen. Der Einstieg sei vor allem deshalb gut gelungen, weil Reichenecker sich auch auf die Unterstützung ihrer Stellvertreter habe verlassen können: „Die konnten auch einspringen, wenn es mal nötig wurde.“ Bei Fragen seien außerdem die Fachbereichleiter der Stadtverwaltung Bad Urach stets eine Hilfe gewesen.

Ihre Begeisterung für die Lokalpolitik stellte die Ortsvorsteherin 2014 nochmals unter Beweis, als sie ihre Kandidatur für den Ortschaftsrat bekannt gab und erfolgreich in das Gremium gewählt wurde. Im darauf folgenden Jahr ließ sie sich zudem zur Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins Bad Urach/Dettingen wählen.

Ihr Engagement begründet die Sirchingerin mit den zahlreichen schönen Momenten, die ein politisches Ehrenamt bei aller Verantwortung mit sich bringe: „Man erhält viele ungeahnte Einblicke und als Teil der Verwaltung ist es interessant zu sehen, wie eine Gemeinde hinter den Kulissen arbeitet.“ Dazu kommen Einladungen und Begegnungen, die auch ihr privates soziales Netz bereichert haben: „Ich gehe nicht gerne,“ bemerkt sie nüchtern. Aber es bleibe ja schließlich noch ihr Amt als Ortschaftsrätin, fügt sie mit Nachdruck hinzu.

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