Viertklässler der Sieben-Keltern-Schule haben sich gestern ihr vielleicht erstes Eis der Saison verdient: Dass den Bahnhofsvorplatz neuerdings bunt bemalte, aus Holzplatten gesägte Kinderfiguren zieren, ist das Werk der Buben und Mädchen aus der 4b, ihrer Lehrerin Lena Halmburger sowie der Kunsttherapeutin Christine Thomas von der Metzinger Initiative "Kunst in der Werkstatt integrativ" (Kiwi) und freilich der Galeristin und Künstlerin Bettina Scharping, die ein Jahr lang mit den Kindern gearbeitet hat. "Ich bin ja so stolz auf euch", rief sie gestern den jungen Kreativen zu, als das Kunstprojekt offiziell eingeweiht wurde: "Metzinger und Touristen aus aller Welt lächeln beim Anblick dieser Figuren."

Die ersten Touristen haben sich bereits mit den Figuren angefreundet, wie Bettina Scharping und Doris Hertkorn-Gärtner, die Leiterin der Sieben-Keltern-Schule, gestern beobachtet haben: Chinesen vermutlich, jedenfalls lasse deren Aussehen auf eine asiatische Herkunft schließen, posierten neben den Holzkameraden und ließen sich fürs Familienerinnerungsfoto ablichten. Eventuell haben sie sich an dem schönen Wort "Willkommen" erfreut, das die Kinder in neun Sprachen auf die hölzernen Figuren geschrieben haben. Auf Deutsch, Englisch und Französisch, auf Hindi und Kroatisch, auf Hebräisch, Arabisch, Serbisch und eben Mandarin.

"Lernen fürs Leben", nennt das Doris Hertkorn-Gärtner, wenn ihre Schüler den Sozialraum Stadt gestalten. Für Bettina Scharping hat das Projekt indes eine tiefere Bedeutung: "Kunst ist ein Geschenk", sagte sie, "das Gegenteil von Konkurrenzkampf, ein Miteinander." Die bunte Holztruppe spiegelt die Lebensfreude der Kinder wider, die bar jedweden schulischen Leistungsdrucks mit Schere, Papier und Pinsel hantierten, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. "Loben Sie Ihre Kinder, wenn sie kreativ sind", gab Bettina Scharping den Eltern mit auf den Weg. Ohne diese zu bewerten oder zu benoten. Zwei Jahre werden die Figuren wohl als städtischer Willkommensgruß Regen, Schnee, Wind und Wetter trotzen, ehe sie dem alles zersetzenden Einfluss der Natur nachgeben und schlicht verrotten, wie Bettina Scharping sagt. Das aber schade nichts. Für die Ewigkeit ist nichts gebaut, und gute Kunst war noch nie abhängig vom jeweiligen Medium. Denn Kunst ist Freude.