Schwäbisch ist wieder in Mode

Filmproduzent Frieder Scheiffele
Filmproduzent Frieder Scheiffele
FRIEDER SCHEIFFELE 26.04.2014

Der schwäbische Dialekt kommt immer mal wieder in Mode - so auch beim Film. In den 1970ern zum Beispiel durch Thaddäus Troll und seine Serie "Deutschland deine Schwaben". Doch schon damals war für Troll nicht alles was schwäbisch war ein Synonym für Qualität. So mahnte er, dass der Dialekt auf den Strich geschickt wurde, weil man ihn vermarktet und den Gaudesmachern, den Vereinsmaiern, Rundfunk-Fritzles und Blätteshansele überlassen hat. Seiner Meinung nach sollte man den Dialekt wieder in Literatur- Nähe bringen.

In den 80er und 90er Jahren gab es Dank Felix Huby ("Der Eugen", "Oh Gott Herr Pfarrer", "Der König von Bärenbach") oder Oliver Storz ("Drei Tage im April" ) durchaus Serien und Filme in Dialekt mit zeitkritischem Inhalt, ehe mit der Einstellung des "Bienzle-Tatort" das Schwäbisch fast wieder aus filmischen Produktionen verschwunden war.

Als ich 2005 begonnen hatte, an "Laible und Frisch" zu arbeiten, wollte sich dem Thema schwäbischer Mundart in Film und Serien kaum jemand annehmen. Das hat sich zwischenzeitlich geändert. Schwäbisch ist wieder in Mode gekommen. So gibt es eine ganze Fülle an neuen Filmproduktionen, die den schwäbischen Dialekt einsetzen.

Rein akustisch klingt das erst einmal alles gut, ja herrlich vertraut. Doch was ist mit dem Inhalt? Sind wir da nicht auch wieder auf dem Strich unterwegs? Wer achtet eigentlich darauf?

Entspricht das, was uns da gezeigt wird tatsächlich dem Bild der Schwaben? Ordinäre Hinterwäldler? Ständig fluchend? Altmodisch? Sind wir so? Regisseur Alfred Kirchner ("Dr Entaklemmer") erläutert, man müsse im Schwäbischen nur eine blöde hohe Stimme machen und wenn dann noch etwas Komisches erzählt wird, dann würden die Leute lachen. Sind wir so einfach gestrickt? Ist denn alles Schwäbische schlecht? Nein! Man denke nur an den Kinofilm "Global Player - wo wir sind isch vorne" mit Walter Schultheiß, der sich im Dialekt ernsten Themen, wie der Globalisierung und der Nazi-Vergangenheitsbewältigung, annimmt. Oder Dodokays "Die Welt auf Schwäbisch", die der Künstler in erster Linie als Satire und nicht als Lobhudelei auf die schwäbischen Klischees versteht. Es lohnt sich nach dem ersten Dialekt-Freudenrausch über die Rückkehr des Schwäbischen nicht nur beim Film wieder genauer hinzuhören und kritisch zu sein. Dann hat die Mode das Zeug zum Klassiker.

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