Schwäbisch ischd Hoimad dr Seele

Humorist, Schriftsteller und Schauspieler Winfried Wagner
Humorist, Schriftsteller und Schauspieler Winfried Wagner
WINFRIED WAGNER 26.04.2014

Wenn so an Provokateur behaupdad, d schwäbischa Sproch hedd sai Ursach en ra Kieferfehlstellung, no ischd er entweder koin Schwob, beziehungsweise spricht selber koin Dialekt ond ischd deshalb aufgrund von saim Schriftdeutsch sprachlich bedauerlicherweise hoimadlos, oder er will bewusst aufmerksam macha auf des Abflacha vom schwäbischa Dialekt, auf des Vrschwenda von regionale Begrifflichkeita ond auf dui emmer mehr om sich greifenda sprachlicha Entfremdung der oigena Mundart.

Om es glei vorweg zom saga, schwäbisch ischd dui aus onserer Vrgangaheit stammenda Ursproch ond Hochdeutsch ischd a Kunstsproch, als Verbindungsglied zur Vrständigung zwischa dene deutsche, sich en ihrem jeweiliga Dialekt onderhaltende Volksstämm.

Mir duad des end Seel nai weh, wenn diea Jonge em Kendergarta hochdeutsch schwätzad ond englisch lerna müssad, om se auf dui emmer internationaler werdenda Zukunft vorzombereita. Do wird dene Kender a Stück Geborgaheit, Identität, Hoimadvrbondaheit, Zemmaghörigkeitsempfinda ond Formulierungsfeingfühl vorenthalta.

Es gibt en dr schwäbischa Sproch viel mehr Möglichkeita Nuancierunga zom beschreiba, Stimmunga auszudrücka ond Gemütsbewegunga zom formuliera. Es ischd onser Ursproch, onser Nablschnur zom uroigena Volksstamm ond zo onserer Hoimad!

Dädad se de Jonge lieaber zerscht amol ordentlich Rechtschreibung ond Kopfrechna beibrenga, om se auf ihr Zukunft vorzombereita.

Als Abiturienta könnad se zwor englisch, lateinisch oder sonschd no a Sproch, machad aber, trotz Hochdeutschkenntnis ab Kendergarta, Schreibfehler dass oim"s graust, ond mit em Kopfrechna hend de meischde ao Schwierigkeita, was sich em Gschäftsleba ned grad als Vorteil erweist.

Als Dialektsprecher ischd mer ned automatisch dr Dubbaler, wie des manche nahstellad, ond als Hochsprachler hod mer ned automatisch d Weisheit mit Löffl gessa! Dr Thaddäus Troll hod ao en dem Zwiespalt glebt. Wenn mir mitnander bei Lesunga oder Diskussiona auftreta send, hod er meischdens hochdeutsch gschbrocha ond bloß als Textbeispiel schwäbisch zitiert, om jo ned als Heimatdichter bezeichnad zom werda, wiea wenn ma sich wega sainer Muttersproch schäma müsst. Ond trotzdem hod er grad zom Bossa mit sainer schwäbischa Literatur den riesagroßa Erfolg ghed. Do hod er wahnsinnig dronder glitta, dass saine schriftdeutsche Sacha ned den Durchbruch erzielt hend. Wenn mir zemmagsessa send, hod er oft noch a baar Viertala deshalb Träna en de Auga ghed.

Aus viele Schwoba ischd ebbas worda, ao wenn se em Kendergarta ned hochdeutsch hend schwätza ond englisch lerna müssa. Wenn i bei ra Zwischalandung en Mailand em Flugzeug sitz ond a baar Dutzend Gschäftsleut schdeigad zua ond onderhaldad sich em schönschda Schwäbisch über ihre abgschlossane Gschäftserfolg, no ben i glücklich ond selig, weil i woiß, dass i ned dr letschde Schwob ben, den se gao noch saim Ableba em Heimatmuseum ausschdopfad, amol abgseha von dem finanziella Aufwand für dui viela Stopfwolle wo se en maim Fall braucha dädad.

Herzlichschd, Ihr

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