Malawi ist ein friedliches, aber armes Land im südöstlichen Afrika. Nachdem die Ernte durch starke Regenfälle im März 2019 schlecht ausfiel, war in vielen Haushalten Hunger angesagt. So war die Freude groß, als die Regenzeit von November 2019 bis März 2020 genügend Regen brachte und eine reichliche Ernte vielen Betroffenen Erleichterung brachte. Diese Freude wurde allerdings von der aufkommenden Corona-Pandemie getrübt.

Teststationen dank Entwicklungshilfe

Aus Südafrika, wo viele Malawier arbeiten, kamen Berichte über die vielen Infizierten und dann auch die Ankündigung der Regierung, einen kompletten Lockdock zu verhängen. In Malawi gab es zu dem Zeitpunkt noch gar keine Tests, aber mit Entwicklungshilfe wurden kurzfristig zwei Teststationen in den beiden größten Städten eingerichtet. Dadurch wurde bekannt, dass es mindestens drei Fälle von Covid-19 gab. Wie in so vielen anderen Ländern hat auch die Regierung von Malawi daraufhin im April beschlossen, die Grenzen zu schließen und eine dreiwöchige Ausgangssperre zu verhängen. Aber sie hat nicht damit gerechnet, dass die vielen Leute, die von der Hand in den Mund leben, so entschieden protestieren würden. Und dazu hat eine Menschenrechtsorganisation bei Gericht eine Klage eingereicht.

Ausgangssperre unrechtmäßig

Im Eilverfahren beschlossen die Richter, dass es unrechtmäßig sei, eine Ausgangssperre zu verhängen, ohne entsprechende Vorkehrungen für all diese Tagelöhner zu treffen.
Nur etwa zehn Prozent aller 18 Millionen Malawier sind in einer geregelten Anstellung. Millionen leben von Gelegenheitsarbeit, Marktständen, Straßenverkäufen, Fahrradtaxis, Landwirtschaft und vieles mehr. Die Richter befanden, die Regierung müsse während eines Lock-down sicherstellen, dass die Betroffenen wenigstens Nahrung für diese drei Wochen hätten. Somit war eine Ausgangssperre zumindest vorläufig vom Tisch.

438 Infizierte bei 1700 Tests

Inzwischen ist die Zahl der Infizierten auf 438 gestiegen. Vier sind gestorben, 55 wieder genesen. Allerdings sind erst etwa 1700 Tests durchgeführt worden (Stand 16. Mai).
Weil so wenige Fälle konkret im Raum stehen, wendet sich die Aufmerksamkeit jetzt mehr dem Wahlkampf zu. Am 2. Juli soll neu gewählt werden, nachdem das Gericht die Wahl im Mai 2019 wegen etlichen Unregelmäßigkeiten annulliert hatte. Obwohl offiziell „social distancing“ gilt, also Abstand halten, macht die Regierungspartei mitsamt der Opposition große Wahlkampfveranstaltungen, bei denen sich die Leute dicht an dicht drängen.

Ein fast normaler Alltag trotz „social distancing“

Der Gesundheitsminister sitzt in der Zwickmühle. Er predigt dem Volk, die Corona-Gefahr nicht zu unterschätzen, und kann seinem Präsidenten als seinem Vorgesetzten sowie der Partei nicht sagen, dass diese Veranstaltungen massiv gegen die Regeln verstoßen.
Das öffentliche Leben geht fast normal vonstatten. Nur die Schulen sind geschlossen, Versammlungen mit mehr als 20 Personen sind theoretisch verboten. Vor den Läden und am Eingang zum Markt stehen Wassereimer und Seife. Vieles ist den Menschen bewusst, aber weil es keine Erkrankten in ihrem Umfeld gibt, lässt das Interesse und das Regeln-einhalten nach. Polizisten haben meistens eine Gesichtsmaske, aber bei den meisten hängt sie unter dem Kinn.

Das Radio als Medium der Wahl

Umso mehr fühlen sich die Kränzlers über das Radio gefordert. Das Corona-Thema gibt ihnen zusätzliche Arbeit, verschiedene Organisationen möchten Tipps und Information an die Leuten bringen, neue Sendungen müssen neben dem üblichen Betrieb produziert werden. Auch die Belegschaft einer Vorschule kam vorbei und fragte, ob man ihr Vorschulprogramm  aufnehmen und senden könnte. Die Idee haben Dorothe und Paul Kränzler aufgenommen, ebenso für Grundschüler. Wenigstens eine Stunde täglich will man nun über das Radio Schülern die Chance geben, Neues zu lernen und Altes nicht zu vergessen.
Noch ist nicht abzuschätzen, ob die Krise Malawi nur leicht streifen oder noch ganz massiv betreffen wird. Die Kränzlers sind jedenfalls froh, dass sie sich relativ frei in der Stadt bewegen können und auch ihr Arbeitsalltag weitgehend normal fortgeführt werden kann.

Das Ehepar Kränzler lebt seit 2016 in Mangochi


Paul und Dorothe Kränzler aus Dettingen sind seit 2016 in Mangochi, Malawi. Sie haben ein Kommunalradio für den Mangochi Distrikt aufgebaut. Etwa 20 MitarbeiterInnen produzieren Sendungen in der lokalen Sprache, die der Bevölkerung helfen sollen, ihr Leben in verschiedensten Bereichen zu verbessern.