Glems Schlafende Löwen und Regen im Mai

Die Sänger begeisterten die Zuhörer mit ihrem Auftritt.
Die Sänger begeisterten die Zuhörer mit ihrem Auftritt. © Foto: Wieland Lehmann
Wieland Lehmann 04.07.2018

Eine Serenade ist ein Abendständchen. Doch wenn man jemandem ein Ständchen bringt, dann muss schon etwas ganz Besonderes dahinter stecken. Es ist eben auch eine Würdigung. Der Chor „Fortissimo“ des Glemser Gesangvereins veranstaltete am Samstagabend eine solche Serenade – und das für seine Chorleiterin. Dabei ist Yvonne Nielitz gar nicht aus Glems, sondern aus Altdorf. Sie hatte auf eine Annonce in der Sängerzeitung reagiert, die ihr durch die Gestaltung besonders aufgefallen war. Und nun leitet sie schon seit zehn Jahren den Chor. Und der Abend war eben nicht nur eine verbale Würdigung, sondern zugleich ein Erlebnis ihrer musikalischen Qualitäten und ihrer einfühlsamen Chor-Führung.

Hymne an die Reiselust

Mit „Hello my baby“, einem Song von 1899, eröffnete der Chor sein Konzert. Da wurde eben noch telefonisch um einen Kuss gebeten. Wie haben sich die Zeiten doch geändert. Geändert hat sich der Stolz der Schwaben auf ihr Ländle aber nicht. „Mir im Süden“, geradezu eine Schwabenhymne, zeigte das humoristisch. Da soll noch jemand sagen „Wir haben nicht so viel Humor wie die Bayern“, wie es zum Liedbeginn über das „kleine Volk im Süden“ heißt.

Dem Song „Indian Summer“ von Gary Bolstad hatte Hannes Wader einen neuen Text geschrieben. So unterstrich der Chor seine Reiselust mit „Heute hier, morgen dort“, wobei jeder schon die Erfahrung gemacht hat „dass nichts bleibt, wie es war“. Erinnerte man sich daran, welchen Weg der Chor unter Yvonne Nielitz genommen hat?

Mit drei Gospels bewiesen die Sänger ihre ausdrucksvolle Interpretation der Weitergabe der „frohen Botschaft“. Ob die Hoffnung, dass das Glück an die Tür klopft, oder das Wissen über die Fahrt auf dem Fluss, die an ein segensreiches Ziel führt – die Besinnung auf den Herren hat den Leidenden immer wieder Auftrieb gegeben. Da hatte der Chor dann eine Überraschung für seine Chorleiterin. Ganz allein hatte er ihr Lieblingslied einstudiert: „The Sound of Silence“. Mit ihrem Wirken in Glems hat Yvonne Nielitz wahrlich auf musikalische Weise dazu beigetragen, sich der eigentlichen Werte in den modernen Zeiten zu besinnen.

Aus dem 17. Jahrhundert

Nach der Pause zog der Chor mit Gesang wieder vor das Publikum, das zwar sprachlich, aber ohne Text. Das „Intrada a cappella“ aus dem 17. Jahrhundert besticht durch seine Bestimmtheit, seine Kraft. Und da konnte man durchaus auf das Durchsetzungsvermögen der Chorleiterin in diesen zehn Jahren ihrer Tätigkeit schließen. Wer kennt nicht das Lied „Auf der schwäbsche Eisenbahne“. Doch der Chor wich am Schluss von der sängerischen  Art ab. Ein Sänger sprach den Text vom Bauern, der dem Kondukteur den Kopf der Geiß an den Schädel knallt.

Wurde im ersten Programmteil schon vom schlafenden Löwen in der Nacht gesungen, so wurde mit „Can you feel the love tonight“, einer Komposition von Elton John, an das  Musical „König der Löwen“ erinnert. Wie ist die Liebe? Mit dem Titel „The Rose“, von Amanda McBroom für den gleichnamigen Film geschrieben, ging es auch um Erinnerung, nämlich daran, dass aus einem Samenkorn mit der Liebe der Sonne eine Rose wird. Und die Sonne war es dann auch, die mit „Lass die Sonne in dein Herz“ zum Ende der Serenade hinleitete. Man erinnere sich an die Gruppe Wind beim Eurovision Song Contest von 1987. Auch wenn mit „Cups“ die Sorge um das Vermissen bei einer Trennung wehmütige Stimmung hätte aufkommen können, mit „Ice in the sunshine“ dürfte sie sich wieder verflüchtigt haben.

Regen im Mai

Am Klavier begleitete Tanja Groth, für akustisch rhythmische Klänge sorgten Lucas Schmauder und Fabienne Nielitz. Das Publikum dankte dem Chor und seiner Leiterin mit stürmischem Applaus, eine Zugabe war selbstverständlich. Mit „Rain in May“, ebenfalls einem Lieblingslied von Yvonne Nielitz, ehrte man sie auch auf diese Art.

10

Jahre ist Yvonne Nielitz als Chorleiterin in Glems tätig. Die Zusammenarbeit hat reiche Früchte getragen, wie das Konzert am Wochenende unter Beweis stellte.

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