Zehntausende sind am Wochenende nach Bad Urach geströmt, um den Uracher Schäferlauf mitzuerleben. Bereits am Freitag lockte das Fest, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1723 zurückreichen, die Massen in die ehemalige Residenzstadt.

Das Festzelt an der Elsach war rappelvoll. Lediglich zwei Schläge hatte Bürgermeister Elmar Rebmann benötigt, um das erste Fass Festbier anzustechen. Zu mitternächtlicher Stunde strömte Alt und Jung auf den Marktplatz zur Laurentia.

„Es war so voll wie nie“, konstatierte Eberhard Knauer, Cheforganisator des Schäferlaufs. Gefeiert wurde übrigens friedlich, die Bad Uracher Polizei meldete „keine besonderen Vorkommnisse“.

Schäfer sind Naturschützer

Immer mehr Besucher lockt auch das Leistungshüten an: Verloren sich vor Jahren noch hundert oder zweihundert Besucher auf dem Gelände des TSV Wittlinge, auf dem der Wettkampf der Berufsschäfer ausgetragen wird, kommen inzwischen Tausende. Gewonnen hat das Leistungshüten Herbert Schaible aus Aidlingen mit seinem Rüden Pan. Zweiter wurde Jushua Seeberger aus Baden-Baden mit seinem Rüden Ilyas.

Diese lebendige Tradition, die die Schäfer in Wittlingen demonstrieren, ist freilich bedroht, wie Alfons Gimber, der Vorsitzende des Landesschafzuchtverbandes, erklärte. Er sprach am Sonntagmorgen zur Festgesellschaft, die bereit stand, um den Uracher Bürgermeister und die Ehrengäste abzuholen. Die Schäferei, betonte Gimber, sei außerordentlich wichtig für die Pflege der Landschaft und für den Erhalt der Artenvielfalt. Ihren Beruf auszuüben falle den Schäfern aber zunehmend schwer. Zum einen hätten sie mit großem bürokratischem Aufwand zu kämpfen, zum anderen fürchten sie wegen der Rückkehr der Wölfe um ihre Zukunft. Deshalb forderte Gimber die Politik auf, sich dieses Problems anzunehmen und die Existenz der Schäfer zu sichern.

Schäfermädchen Anna Schneider

Von seinem Platz auf der Bühne des Uracher Rathauses konnte Gimber auf all jene Blaskapellen blicken, die morgens zum kleinen Festzug auf den Marktplatz ziehen. Als erste Abordnung marschiert dabei der Fanfarenzug mit seinen Fahnenschwingern über die Neue Straße heran, ihm folgen die Vertreter der Metzgerzunft, angeführt von Vorreiter Wilfried Schneider und seinen fünf Kreisreiterpaaren. Diesen kommt am Sonntagmorgen auch die Ehre zu, vor großem Publikum ihre Tänze vor dem Rathaus aufzuführen. Für den traditionellen Bürgermeisterwalzer wählte Elmar Rebmann in diesem Jahr das Schäfermädchen Anna Schneider aus. Den Preisgockel gewann das Kreisreiterpaar Franziska Weber und Alexander Hummel. Die Jury, bestehend aus den Vorsitzenden der Bad Uracher Gemeinderatsfraktionen, war sich einig, dass diese beiden den Bechertanz am besten absolviert hatten.

Viele tausend Zuschauer in der Zittelstatt

Den Wettlauf der Schäfer und Schäfermädchen entschieden Sophia Hagenlocher und Dominik Fröschle jeweils klar für sich. Beide tragen allerdings bereits zwei Königskronen. Im vergangenen Jahr siegten sie jeweils beim Schäferlauf in Wildberg und in Markgröningen.

Beifall spendeten den beiden am Sonntag nicht nur viele tausend Zuschauer in der Zittelstatt, sondern auch zahlreiche Ehrengäste, die alle von Bürgermeister Elmar Rebmann zum „schönsten Heimatfest im Land“ begrüßt worden waren. Besonders viel Applaus der Zuschauer gab es für den Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir, der es sich auch in diesem Jahr nicht nehmen ließ, in seiner Heimatstadt beim Schäferlauf dabei zu sein, wie es Elmar Rebmann formuliert hat.

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