Das Virus, das alle zwei Jahre die Bad Uracher und Menschen in der gesamten Region erfasst, ist nur schwer unter Kontrolle zu bringen. Die Symptome sind: leuchtende Augen, wohlgelaunte Vorfreude und geschäftige Betriebsamkeit.

Schönstes Heimatfest im Land

Das Schäferlauf-Fieber greift auch jetzt, fünf Wochen vor dem großen Heimatfest, in der ehemaligen Residenzstadt wieder deutlich spürbar um sich. Die Farben Rot, Weiß, Blau erobern in Form von Fahnen, Blumen und allerlei Zierde allmählich die Stadt am Fuße der Alb – und auf der Homepage der Stadt zählt der Countdown bereits die Tage bis zum 19. Juli. An diesem Tag eröffnet das große Heimatfest, von dem die Uracher sagen, es sei das schönste im ganzen Land, im Festzelt zusammen mit den Schäferlaufgruppen.

Bad Urach

Rund 40 000 Besucher

Spätestens dann beginnen sie wieder, die tollen Tage, und die Uracher erleben mit den rund 40 000 Gästen aus dem ganzen Land wieder ein Stück gelebter Tradition. Spätestens wenn am Sonntagmorgen, 21. Juli, die ersten Trachtenträger auf den Marktplatz strömen, die Kapellen mit klingendem Spiel durch die Straßen ziehen und vor dem großen Festumzug durch die Stadt spontane Platzkonzerte geben, hat das Schäferlauf-Virus wieder voll zugeschlagen. „Da hat das Leben einen anderen Schlag“, berichten schäferlauferfahrene Kurstädter. Ob Fahnenweihe, Grillfeste, der Ausflug zur „D’Schäferlies“, die Hauptprobe des Schäferreigens oder die heimliche Nationalhymne des Schäferlaufs, der Martha-Marsch: Die Traditionen, die sich um den Uracher Schäferlauf ranken, sind weit verzweigt und reichen bis tief in die Stadtgesellschaft hinein. Der Schäferlauf gehört sozusagen zur DNA der Stadt und ihrer Einwohner.

Von der Unesco geadelt

So dürfte es schwer fallen, dieser Tage jemanden zu finden, der sich nicht in irgendeiner Weise auf das Fest vorbereitet. Eben das beeindruckte auch die Expertenkommission der deutschen UNESCO-Kommission, die dem Schäferlauf im vergangenen Jahr das Siegel des immateriellen Kulturerbes verlieh. Der Schäferlauf, so die Begründung der Kommission, zeige sich als wandlungsfähige und lebendige Kulturform mit jahrhundertelanger Tradition. Vor allem die generations- und herkunftsübergreifende Mitwirkung der lokalen Bevölkerung wurde von den Experten positiv bewertet.

Schwarz auf weiß haben es die Kurstädter nun also, was sie schon immer wussten oder geahnt haben: Das alle zwei Jahre stattfindende Fest ist alles andere als gewöhnlich,  vielmehr Ausdruck der Identität und des historisch gewachsenen  Selbstverständnisses. Seit 1723 feiern die Uracher in den Jahren mit den ungeraden Zahlen den Schäferlauf, der auf eine Anordnung des Herzogs Eberhard Ludwig zurückgeht. Dieser hatte den Schäfern auf der Alb die lange Reise zum Markgröninger Schäfertag ersparen wollen.

Volksfest und Podium

Auch wenn sich die Zeiten seither deutlich geändert haben, ist der Schäferlauf nicht eine zur Salzsäule erstarrte Tradition, sondern bis heute nicht nur ein Volksfest, sondern auch ein Podium für die Zunft der Schäfer geblieben.

Auch in diesem Jahr wird es wieder das große Leistungshüten in Wittlingen geben. Erstmals mit dabei sein wird heuer Christoph Röhner, Bad Urachs neuer Stadtschäfer. Just im Jahr des Schäferlaufs übernahm er den Ehrentitel von Dietmar Stotz. Ein neues Gesicht wird es auch beim Festspiel „D‘Schäferlies“ geben. Ottmar Todtenhaupt übergab die Büttelschelle an Benjamin Schöllhammer. An ihm ist es nun in der Zittelstatt, sich im blauen Gehrock lauthals über die Dettingern „Goisköpf“ und  Glemser „Bergmäus“ lustig zu machen.

Viele Monate der Vorbereitung

Doch was wäre der Schäferlauf schon, ohne die wohlvertrauten Melodien, die während der Festtage immer wieder erklingen. Sie mit ihren Schrittfolgen zu veredeln, ist traditionell die Aufgabe der Kreisreiterpaare. Bereits seit Herbst trainieren sie unter den gestrengen Augen des Vorreiters Wilfried Schneider die Abläufe und Hebefiguren, die der Metzger- oder Bechertanz einfordert.

Damit die Tänze so federleicht daherkommen ist jedoch einiges an Übung und Schweiß vonnöten. Vorarbeiten, die sich auch das Organisationsteam um Hauptamtsleiter Eberhard Knauer zurechnen lassen darf. Bereits lange vor dem Fest hält sein Team die Fäden zusammen, damit sich die Festgänger ganz sorgenfrei dem grassierenden Virus hingeben können. Ein Gegenmittel wurde bis dato noch nicht gefunden – schwer zu glauben ist es derweil, dass überhaupt schon einmal danach gesucht wurde.

Das könnte dich auch interessieren:

Schwimmen und Baden im Landkreis Reutlingen Freibäder, Badeseen und Therme auf einen Blick

Reutlingen

30


Tage noch, dann startet der Uracher Schäferlauf offiziell. Doch bereits jetzt kommt die Stadt allmählich in Feststimmung. Der Vorverkauf startet am Montag, 8. Juli. wag