Die große Bühne ist nicht unbedingt die Sache von Eberhard Knauer. Als Hauptamtsleiter der Stadt Bad Urach ist er es gewohnt, im Hintergrund zu arbeiten und im Stillen zu wirken. Offensichtlich gerne hätte er deshalb am Sonntagnachmittag auf den Auftritt verzichtet, den ihm Bürgermeister Elmar Rebmann vor den vollbesetzten Rängen der Zittelstatt bereitete.

Großer Beifall der Zuschauer

Der Schäferlauf 2019, so plauderte es Knauers Chef entgegen ihrer beiderseitigen Abmachung aus, war der letzte, den er als Chef-Organisator zu verantworten hatte. Erstaunte Mienen unter den Gästen auf der Waldtribüne, bevor sie langen und herzlichen Beifall für einen Mann spendeten, dem ohne weiteres das Prädikat „Mister Schäferlauf“ gebühren würde. Statt sich aber im Hintergrund gleich an die Planungen des kommenden Schäferlaufs zu machen, wartet auf den 62-jährigen Dettinger im kommenden Jahr der wohlverdiente Ruhestand. Die 145. Auflage des Uracher Schäferlaufs wird ohne ihn als Gesamtverantwortlichen über die Bühne gehen.

Vier Mal logistischen Kraftakt gestemmt

Bei vier Auflagen des großen Heimatfests liefen sämtliche Fäden bei Knauer zusammen, vier Mal hatte er es, zusammen mit seinem fünfköpfigen Orga-Team, mit einem planerischen und logistischen Kraftakt zu tun. Umso erleichterter und dankbarer ist Knauer, dass dieses Mal alles weitgehend rund gelaufen ist und man keinen Unfall zu verzeichnen hatte. Dass insgesamt drei Pferdegespanne die Zittelstadt nicht erreicht haben, weil die Tiere auf der Strecke Probleme bekamen, war von ihm nicht zu beeinflussen. Welch logistische Vorarbeit aber vonnöten war, dass beispielsweise der letzte Wagen des Festzugs, wie am Sonntag geschehen, Punkt 13 Uhr das Waldstadion erreichte, vermögen Außenstehende nur erahnen.

Gemischte Gefühle

Nicht verleugnen will Knauer indes, dass der diesjährige Schäferlauf ein besonders emotionaler für ihn war. Ambivalente Gefühle mischen sich auch jetzt hinein, nun, da es in dieser Woche an die letzten Aufräumarbeiten geht. „Es fällt mir einerseits schwer“, sagt er zum Akt des Loslassens, „andererseits ist es ein Teil des Lebens“. Was bleibt, sei der Stolz, „ein kleines Stück eines großartigen Teams“ gewesen zu sein.

Schäferlauf entwickelt sich weiter

Nicht nur wegen dem deutlichen Plus an Zuschauern ist er überzeugt, dass sich das Fest weiter in seinem traditionellen Rahmen entwickeln werde: „Der Schäferlauf ist auf einem guten Weg.“ Wer die Organisation des weit über die Landesgrenzen bekannten Fests künftig übernehmen wird, das lässt Knauer noch offen und verweist auf die entsprechende Bekanntgabe durch Bürgermeister Rebmann. Knauer selbst erbte die verantwortungsvolle Aufgabe im Jahr 2013 vom damaligen Ordnungsamtsleiter Horst Adam. Dieser folgte 1999 auf Hauptamtsleiter Dieter Ernst, der seit 1982 die Verantwortung trug.

2021 privat dabei

Eines ist für Eberhard Knauer indes klar. „So Gott will, bin ich beim nächsten Schäferlauf wieder dabei.“ Es wäre dann der 16., den er erlebt. Das Schäferlauf-Gen ist nicht nur wegen seines Amtes fest in ihm verankert. Es ohne die Last der Verantwortung zu genießen, ein Privileg, dass ihm in den vergangenen Jahren aber oft verwehrt blieb.

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Schäferläufe hat Hauptamtsleiter Eberhard Knauer verantwortet. Der diesjährige war gleichzeitig der letzte vor seinem Ruhestand im kommenden Jahr. wag