Sonnenbeschienene Baumwipfel, die sich leicht im warmen Albwind wiegen, die Stille wird am Montagnachmittag nur von fernem Vogelgezwitscher durchbrochen: „So viel Idylle wird auf der B 28 lange nicht mehr sein“, ist sich Verkehrsminister Winfried Hermann (MdL) sicher. Und er dürfte Recht behalten. Ab Dienstag rollt der Verkehr wieder über die Ulmer Steige (offiziell Böhringer Steige). 12 000 bis 13 000 Fahrzeuge pro Tag werden sich dann wieder ihren Weg Richtung Ulm, oder von dort kommend, Richtung Ermstal bahnen. Und viele der Autofahrer dürften dabei einen gar nicht mal so leisen Stoßseufzer der Erleichterung auf den Lippen haben.

Baupause im Winter

Seit dem der steile Albhang nach ergiebigen und lang anhaltenden Niederschlägen Ende Januar 2018 ins Rutschen geriet, war die auch überregional bedeutsame Verkehrsroute bestenfalls nur noch einspurig befahrbar und ab Oktober 2018 ganz dicht – unterbrochen nur von einer Baupause während den Wintermonaten. Bevor die Bagger anrollten, wurden im Vorfeld geologische Untersuchungen angestellt.

Ein früherer Bautermin verhinderte zudem die vorangegangene Sanierung der Wittlinger Steige. Auch dort traten Rutschungen auf und machten eine Sanierung notwendig. Sie begannen im April 2018. Die zeitgleiche Schließung beider Steigen wollte man aber freilich mit aller Kraft vermeiden.

Der Beginn der Arbeiten an der Ulmer Steige bedeutete für Pendler und den überörtlichen Fernverkehr gleichwohl einen nerven- und zeitraubenden Umweg von etwa zwölf Kilometern. Damit ist es nun jedoch vorbei: An Verkehrsminister Winfried Hermann und Steffen Bilger (MdB), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur war es, die 4,1 Kilometer lange grundhaft sanierte Ulmer Steige zwischen Bad Urach und Böhringen entlang der B 28 nach knapp einem Jahr Bauzeit in einem Festakt am Montag symbolisch wieder für den Verkehr freizugeben. Teilgenommen haben auch der Tübinger Regierungsvizepräsident Dr. Utz Remlinger und Vertreter der Kommunen Bad Urach, Grabenstetten und Römerstein.

Erschwerte Sanierung der Ulmer Steige

Zwischen Oktober 2018 bis Juli 2019 wurden umfassende Hangsicherungsarbeiten bewältigt. Neben einer vierzig Meter langen und acht Meter breiten Stahlbetonplatte, die auf Stahlbetonpfählen errichtet wurde, wurde die talseitige Böschung der Straße mit mehreren Bohrpfahlwänden auf einer Gesamtlänge von rund 240 Metern gesichert. Insgesamt wurden 160 Bohrpfähle mit einem Durchmesser von 90 Zentimetern und einer Gesamtlänge von rund 1650 Metern verbaut. Die Bohrpfahlwände sind mit 178 Ankern mit einer Gesamtlänge von rund 3400 Metern im anstehenden Fels gesichert. In der Stahlbetonplatte und den Bohrpfahlwänden sind rund 2000 Kubikmeter Beton und etwa 280 Tonnen Bewehrung verbaut. Für die gesamte Maßnahme stellte der Bund rund 7,3 Millionen Euro bereit. Mit Blick auf die erschwerten Sanierungsarbeiten erklärte Verkehrsminister Hermann: „Die Sanierung der Böhringer Steige zeigt, wie aufwendig und teuer solche Maßnahmen sind. Deshalb sind größere Investitionen von Bund und Land für den Erhalt der Fahrbahnen und Bauwerke erforderlich.“

Förderprogramm für Steige

Das Verkehrsministerium habe deshalb ein zusätzliches Förderprogramm ins Leben gerufen. Das sogenannte Steigen-Sanierungsprogramm umfasse insgesamt 14 Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen von rund 20 Millionen Euro, so der Minister. „Die Steigen sind die Achillesferse des Verkehrswesens.“ Sie zu sanieren sei aufwendig, aber notwendig, hielt er fest. Der parlamentarische Staatssekretär, Steffen Bilger, sagte: „Die B 28 ist die wichtigste Verbindung zwischen Bad Urach und Ulm. Umso wichtiger ist es, straßenbaulich herausfordernde Abschnitte fit für die Zukunft zu halten.“

Neben der eigentlich Hangsicherung wurde über die gesamte Länge der Ulmer Steige die Fahrbahndeck- und Binderschicht auf rund 4,1 Kilometern erneuert. Im unteren Abschnitt wurde zusätzlich auf einer Länge von rund 950 Metern der Untergrund des talseitigen Fahrstreifens verbessert, damit dieser zukünftigen Verkehrsbeanspruchungen Stand hält.

Der B 28 folgt nun L 211

Nach Abschluss der Arbeiten im Bereich der B 28 folgt nun die Sanierung der L 211 (Grabenstetterstraße) auf einer Strecke von rund 500 Metern im Abschnitt B 28 bis zum Ortsausgang von Bad Urach in Richtung Grabenstetten. Bei dieser Maßnahme wird die Lärmaktionsplanung der Stadt Urach berücksichtigt – verbaut werden soll eine lärmtechnisch optimierte Asphaltdeckschicht. Hierfür übernimmt das Land Kosten in Höhe von rund 140 000 Euro. Die Arbeiten werden im Laufe des Dienstags beginnen. Ein Umleitung ist ausgeschildert.

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Millionen Euro hat der Bund in die grundlegende Sanierung der Ulmer Steige investiert, nachdem im Januar 2018  Hangrutschungen aufgetreten waren. wag